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Tierpopulationen regulieren sich selbst

Sehr geehrter Herr Eicher!

Ich bin gestern auf Ihre Seite gestoßen. Ich finde Ihre Seite sehr seriös, denn Ihre Argumente gegen die Jagd entsprechen den neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen.
Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich die ökologisch so verantwortungsbewussten Schützen auch einmal mit solchen Ergebnissen kritisch auseinandersetzen würden.
Anhand von Feldversuchen ist man in der Schweiz zu dem Ergebnis gekommen, dass sich nicht bejagte Rotwildbestände selbst reguliert haben.
Rotwild ist keineswegs eine Tierart, die ihren optimalen Lebensraum in Fichtendickungen hat. Was bleibt den armen Tiere übrig, als sich vor den Filzträgern zu verstecken?
Auf Truppenübungsplätzen hat man Rotwild beobachtet, wie es tagsüber in halboffenem Gelände seiner ganz natürlichen Lebensweise nachgehen kann, weil dort die menschliche Präsenz gering ist. Bliebe das Rotwild unbehelligt, würde es sich keinesfalls von Baumrinde ernähren. Die Tiere ernähren sich bevorzugt von Gräsern und Kräutern in halboffenem Gelände. Leider werden die Tiere jedoch in abgelegene Waldgebiete gedrängt und sind gezwungen, eine heimliche Lebensweise anzunehmen. Durch die Bejagung konzentriert sich das Wild auf bestimmte Gebiete und ist gezwungen, sich von den Wäldern der Zukunft zu ernähren und die »Wildschäden« steigen dementsprechend an. Einerseits sprechen die Jäger davon, Niederwild dezimieren zu müssen, weil die Bestände stark zunehmen, andererseits werden die natürlichen Feinde bejagt. Ich sehe allerdings wenig Chancen, dass man gegen einen Clan angehen kann, der sich selbst kontrolliert. Das Schlimme ist auch, dass auch viele Politiker an Jagden teilnehmen. Ich wohne in S., einem Ort, an dem das blutige Vergnügen Tradition hat. Wenn ich mir ansehe, wie hier die Wildbestände, vor allem das Schwarzwild, gemästet werden wie auf einer Hochleistungsfarm, packt mich die kalte Wut. Natürlich ist das Wild bequem und sucht sich das Futter an den Futterstellen. Die Filzträger hier sind ja inzwischen auch so schlau, das Wild nicht an den Fütterungsstellen abzuknallen. Wenn man an den Futterplätzen vorbeikommt, flüchtet das Wild nicht wie erwartet, sondern geht zutraulich wie Zootiere, seinem Geschäft nach. Was hat es an der Futterstelle schon zu befürchten, außer Futter. Natürlich wieder ein Punkt für die Grünröcke. Man kann ja dann schließlich sagen, dass sich das Wild wohl fühlt und keinesfalls stark bejagt wird. Aber Wildschweine sind, wie auch ihre Verwandten, die rosa Fleischlieferanten, sehr intelligent und können zwischen Futterplatz, an dem sie nichts zu befürchten haben und Orten, an denen man ihnen nachstellt, unterscheiden.

Ein weiteres Beispiel: Eine Kirrung für Wildschweine auf einer Wiese. Unter einem Stein und etwas Erde lag Mais. Dabei war ein Wecker mit eingegraben, der zu dem Zeitpunkt stehenbleiben sollte, wenn das Wild das Futter aufnimmt und der Jäger genau weiß, wann das Wild zu der Kirrung kommt.
Tja, einfach macht man es sich auch noch!

Der einzige Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tier ist, dass der Mensch in der Lage ist, seine eigene Lebensgrundlage zu vernichten. Der Mensch besäße jedoch wiederum die Fähigkeit, Verantwortung für sich und auch seine Mitgeschöpfe zu übernehmen.
Vielleicht sollte der Mensch, wenn er denn überleben möchte, sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, seine Bestände zu regulieren. Im Gegensatz zu unserem Wild, dem noch die Fähigkeit gegeben ist, durch verschiedene Regulationsmechanismen die Anzahl der Individuen den Umweltbedingungen anzupassen, widerspricht die Populationsdichte des Menschen schon lange jeglichen Naturgesetzen. Aber das ist hoffentlich keine Neuigkeit.

Sonja S.