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Jungfüchse vor der Kamera

Ich hatte den Fuchsbau am alten, stillgelegten Bahndamm schon oft inspiziert, bisher immer ohne Erfolg. Auch an diesem Tag näherte ich mich dem Haupteingang, vor dem ich schon von weitem frisch aufgeworfenen Sand erkennen konnte. Wie immer hielt ich mein Gerät schussbereit in der rechten Hand. Vorsichtig näherte ich mich dem Erdloch, die frischen Spuren im Sand weckten Hoffnung.

Was war das? In dem Loch hatte sich was bewegt! Reflexartig backte ich an, zielte und drückte den Abzug. Und tatsächlich. Durch den Sucher meiner Super-8-Kamera konnte ich zwei kleine Fuchsgesichter erkennen, die mich mit schwarzen Knopfaugen neugierig anschauten. Vor Aufregung hatte ich Probleme, die Kamera ruhig zu halten und die Schärfe einzustellen. Meine Güte, jahrelang war es mir nie gelungen, Füchse zu filmen und jetzt war ich keine zwei Meter von ihnen entfernt! Einige Sekunden später überwog dann aber wohl doch die Angst vor der Neugier und die Kleinen zogen sich wieder in die Tiefe des Baus zurück. Trotzdem war ich überglücklich. Ich hatte meine ersten Füchse im Kasten!

Diesmal hatte ich Glück, doch ich wollte mehr. Einige Tage später postierte ich mich mit meiner Kamera oben auf dem Bahndamm und wartete.

Die Sonne sank tiefer und tiefer und mit ihr auch meine Hoffnung, doch als das warme Licht den Fuchsbau ideal beleuchtete, passierte es. Ein Füchslein steckte die Nase heraus und schnüffelte vor dem Bau herum. Als ich meine Kamera startete, schaute er zu mir, doch flüchtete nicht. Man konnte deutlich die Unentschlossenheit in seinem Gesicht erkennen, dann kam noch ein Welpe... und noch einer, es waren insgesamt drei. So ganz geheuer war den Kleinen die Situation nicht und so schauten sie immer wieder zu mir hoch und entfernten sich nicht weiter als einen Meter vom sicheren Bau. Als die Sonne untergegangen war und das Licht zum Filmen nicht mehr ausreichte, packte ich meine Ausrüstung zusammen und ging über die Wiese zum Auto zurück, nicht jedoch ohne mich noch einmal umzudrehen und zu beobachten wie die ganze Fuchsfamilie aus dem Bau kam und im Wald verschwand. Das Glücksgefühl, das ich an jenem Abend empfand, lässt sich schwer beschreiben. Nur ein Gedanke trübte meine Stimmung etwas... was, wenn statt mir und meiner Kamera ein Jäger mit einem Gewehr dort oben auf dem Bahndamm gelauert hätte? »Aber nein«, dachte ich mir, »auf Fuchswelpen zu schießen, das würde nicht mal ein Jäger fertig bringen. So dermaßen herzlos kann doch kein Mensch sein.«

Diese Geschichte ist nicht erfunden, mir ist das alles wirklich so passiert. Und ich schaue mir meine »Trophäe«, den dabei entstandenen Super-8-Film, noch heute gerne immer wieder an.

Boris