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2019

Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen 2019

Auch 2019 schockierten Meldungen über Menschen, die von Jägern erschossen oder Opfer von Jagdunfällen wurden, die Öffentlichkeit: Liest man die Meldungen, so fällt auf, dass es sich nicht nur um klassische Jagdunfälle (»Jäger verwechselt Jäger mit Wildschwein«), sondern vor allem um bewaffnete Beziehungstaten (»Jäger erschießt Ehefrau«) handelt. Hinzu kommen mehrere Hundert Verletzte sowie die Gefährdung Unbeteiligter (Spaziergänger, Radfahrer, Autofahrer, ...). Die Initiative zur Abschaffung der Jagd dokumentiert seit 2001 die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen und fordert: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Denn gerade bei Familientragödien wird selten bekannt, woher der Täter die Schusswaffe hatte, ob er also Jäger oder Schütze war.

Lesen Sie eine Auswahl von Meldungen über Tote durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen 2019 in Deutschland:

17.12.19: Jäger erschießt Sohn, Hund und sich
Ein 64-jähriger Jäger hat in Itzehoe erst seinen 15-jährigen Sohn Norman und den Familienhund, einen Jack-Russell-Terrier, mit einem Gewehr erschossen. Anschließend erschoss er sich selbst. Um 0.45 Uhr hatte sich der Jäger bei der Polizei gemeldet: Er sagte, dass er seinen Sohn erschossen habe und sich nun selbst richten würde. Als die Polizisten am Tatort eintrafen, fanden Sie die Leichen des Jugendlichen, des Hundes und des 64-jährigen Jägers. Die Polizei geht von einer Familientragödie aus. (Bild, 17.12.2019)

22.11.19: Jagdunfall - 80-Jähriger schwer verletzt
Bei einer Jagd im Berchtesgadener Land wurde ein 80-jähriger Jäger schwer verletzt. Der Senior war auf der Suche nach einem geschossenen Tier, als er ausrutschte und 50 Meter in die Tiefe stürzte. Die Bergwacht musste ihn in einem »aufwändigen Einsatz« retten. (tz München, 22.11.2019)

19.11.19: Jägerin von Wildschwein schwer verletzt
Bei einer Jagd in der Lüneburger Heide wurde eine 33-jährige Jägerin schwer verletzt. Der Jagdhund der Jägerin hatte ein Wildschwein gestellt. Als die Jägerin ihrem Hund in eine dichte Tannenschonung folgte, wurde sie von dem Wildschwein angegriffen und schwer verletzt. Ein Rettungshubschrauber musste gerufen werden. (BILD, 19.11.2019)

15.11.19: Drei Tote bei Familiendrama
Drei Tote bei Familiendrama im nordrhein-westfälischen Wülfrath: Ein 60-Jähriger hat am 7.11.2019 seine 57-jährige Ehefrau, seine 87-jährige Mutter (87) und den Hund erschossen. Vier Tage später brachte er sich selbst um. Die Schusswaffe wurde im Haus gefunden. Ob der Mann Jäger oder Schütze war, wurde nicht bekannt. (BILD, 15.11.2019)

13.11.19: Munition gebastelt - Jäger verletzt
Beim Herstellen von Munition hat sich ein 59-jähriger Jäger im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus musste. Eine Zündvorrichtung war plötzlich explodiert und verletzte den Jäger an Bauch und Brust. Der Jäger hatte die Munition zuhause gebastelt - dazu sei er laut Polizei berechtigt gewesen. (dpa, 13.11.2019)

8.11.19 Treibjagd: Kugeln treffen Haus
Im schlimmsten Fall hätte das tödlich enden können: Als Jäger im Weilerer Wald (Rhein-Hunsrück-Kreis) eine Treibjagd veranstalteten, schlugen zwei Geschosse in ein Wohnhaus in Boppard-Weiler ein. (Rhein-Hunsrück-Zeitung, 9.11.2019)

3.11.19: Jogger im Wald angeschossen
Im Heidekreis wurde ein Jogger im Wald auf einem öffentlich zugänglichen Weg angeschossen und am Bein verletzt. Ein Jäger hatte bei einer mit einer Schrotflinte auf ihn geschossen - es fand gerade eine Treibjagd statt. (Hannoversche Allgemeine, 3.11.2019)

4.10.19: Jäger erschießt Pferd statt Wildschwein
Ein 65-jähriger Jäger hat ein Islandpferd auf einer Weide im niedersächsischen Heidekreis erschossen, weil er es mit einem Wildschwein verwechselt hat. Es sei es zu diesem Zeitpunkt fast dunkel gewesen. »Was, wenn dort ein Mensch gestanden hätte?«, fragt der Pferdehalter. (Hannoversche Allgemeine, 4.10.2019)

27.9.19: 74-jähriger Jäger schießt Freund in Kopf
Ein 74-jähriger Jäger wollte in einem Wildgehege im Landkreis Ludwigslust-Parchim einen Damhirsch schießen. Dabei stützte er sich mit dem Jagdgewehr auf dem Dach seines PKW ab. Dabei durchschlug das Geschoss das Fahrzeugdach, wodurch ein auf dem Beifahrersitz sitzender 60-Jähriger am Kopf getroffen und schwer verletzt wurde. (Süddeutsche Zeitung vom 27.9.2019)

23.9.19: Bei Jagdunfall schwer verletzt
Ein 72-jähriger Jäger hat sich in der Nähe von Paderborn beim Durchladen seines Jagdgewehrs aus Versehen in den Fuß geschossen und schwer verletzt. (Kreispolizeibehörde Paderborn, 23.9.2019)

19.9.19: Kugel trifft Bauern statt Wildschwein
Bei der Maisernte im schwäbischen in Gündelbach saßen ein 25-jähriger Landwirt und eine 18-jährige Erntehelferin auf dem Traktor, als zwei Jäger auf ein Wildschwein schossen. Eine Kugel durchschlug die Scheibe des Traktors. Der junge Mann wurde in den Unterschenkel getroffen und mit dem Rettungs­hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Die 18-Jährige wurde durch Glassplitter verletzt. (Stuttgarter Zeitung am 17.9.2019)

6.9.19 Gewehr explodiert: Jäger schwer verletzt
Schwerer Jagdunfall bei einer Drückjagd im Kreis Saarlouis: Ein 55-jähriger wollte auf ein Wildschwein schießen. Beim Schuss explodierte sein Jagdgewehr, der Jäger erlitt schwere Gesichts- und Handverletzungen. (Rheinpfalz, 6.9.2019)

2.9.19: Jäger erschießt Fohlen statt Wildschwein
In Nordrhein-Westfalen hat ein Jäger ein Fohlen erschossen. Die Besitzerin fand das Fohlen am Morgen tot auf einer Weide in Blankenheim - nur etwa 70 Meter von einem Hochsitz entfernt. Gegenüber der Polizei sagte der Jäger, dass er auf ein Wildschwein geschossen habe. (Radio RPR1, 2.9.2019)

18.8.19: 82-jähriger Jäger trifft 76-Jährigen
Jagdunfall in der Eifel: Ein 82-jähriger Jäger hat einen 76-jährigen Jagdkollegen aus Versehen angeschossen und schwer verletzt. (Kölnische Rundschau, 18.8.2019)

4.7.19: 71-Jähriger schießt auf Frau und erschießt sich
Ein 71-Jähriger hat im Landkreis Aurich (Niedersachsen) erst versucht, seine 38-jährige Lebensgefährtin zu erschießen, dann erschoss er sich selbst. Die Frau wurde mit einer lebensgefährlichen Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht. (Emder Zeitung, 4.7.2019)

18.8.19: 82-jähriger Jäger trifft 76-Jährigen
Jagdunfall in der Eifel: Ein 82-jähriger Jäger hat einen 76-jährigen Jagdkollegen aus Versehen angeschossen und schwer verletzt. (Kölnische Rundschau, 18.8.2019)

17.8.19: Jäger trifft aus Versehen Pferd
Ein Islandpferd wurde auf einer Koppel in Weiskirchen (Saarland) bei einer Jagd aus Versehen angeschossen und so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste. (Breaking News Saarland, 17.8.2019)

21.4.19: Polizei erschießt bewaffneten Jäger
Ein Polizist hat in Bochum einen 77-jährigen Jäger, der ihn mit seinem Jagdgewehr bedroht hatte, angeschossen. Der Mann erlag später den Verletzungen. Ein Zeuge hatte die Polizei gerufen, weil ein Mann mit einer vermutlich durchgeladenen Schusswaffe auf dem Friedhof unterwegs sei. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 24.4.2019)

25.3.19: Fahrlässige Körperverletzung
Bei einer großen Gesellschaftsjagd mit rund 150 Jägern im Harz traf der Schuss eines 48-jährigen Waidmanns aus Versehen einen 67-jährigen Jagdkollegen, der mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus kam. (Mitteldeutsche Zeitung, 25.3.2019)

1.2.19: Jäger verschanzt sich mit Schusswaffen
Weil ein 78-jähriger Jäger, der über mehrere Waffen verfügte, sich in seiner Wohnung verschanzt hatte, kam es in Iphofen zu einen Großeinsatz der Polizei: Teile der Innenstadt wurden abgesperrt, ein Spezialeinsatzkommando rückte an. Wegen familiärer Probleme war es offenbar zu einer Bedrohungssituation gekommen. (FOCUS online am 1.2.2019)

25.1.19: Jäger erschießt aus Versehen seine Tochter
Ein Jäger aus Karlsruhe hat in der eigenen Wohnung seine 19-jährige Tochter erschossen. Der 56-jährige Mann wollte gerade zur Jagd zu gehen, als sich ein Schuss aus seinem Gewehr löste und die Tochter traf. (Mitteldeutsche Zeitung, 25.1.2019)

22.1.19: Jäger statt Reh getroffen
Bei einer Drückjagd in Sachsen-Anhalt wurde ein Jäger am Oberkörper getroffen und verletzt. Ein Jagdkollege hatte auf ein Reh geschossen. (Mitteldeutsche Zeitung, 22.1.2019)

Jäger erschießt aus Versehen seine Tochter

Ein Jäger aus Karlsruhe hat in der eigenen Wohnung seine 19-jährige Tochter erschossen. Der 56-jährige Mann wollte gerade das Haus verlassen, um zur Jagd zu gehen, als sich ein Schuss aus einem Gewehr löste und die Tochter traf, so Polizei und Staatsanwaltschaft in Karlsruhe in einer Pressemeldung vom 25.1.2019. Die 19-Jährige sei schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden, dort aber wenig später gestorben. Der Jäger besaß die Waffe legal – gegen ihn wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!
2016 gab es im baden-württembergischen Hohenlohekreis einen ähnlichen Fall: Ein 52-jähriger Jäger hatte zu Hause beim Hantieren mit einer Schrotflinte aus Versehen seine 16-Jährige Tochter erschossen.

Jagdverband spielt Opferzahlen runter

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg hat sich beeilt, die Zahl der Jagdunfälle herunterzuspielen: Nach Zahlen des Deutschen Jagdverbands seien 2017 zwei Menschen getötet und zwei verletzt worden, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Wie der Jagdverband die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen zählt, ist schleierhaft.

Die Initiative zur Abschaffung der Jagd, welche die Opfer von Jagd und Jägern seit 2001 auf der Grundlage von Presseberichten dokumentiert, hat für 2017 mindestens 31 Tote durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen aufgelistet.
Doch zählen Sie selbst