Initiative zur Abschaffung der Jagd

2017

Pressemeldungen 2017

Bilanz erschreckend: Über 30 Tote durch Jäger 2017

Über 30 Tote durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen 2017

Seit dem Jahr 2001 dokumentiert die Initiative zur Abschaffung der Jagd die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen.Auch 2017 schockierten Meldungen über Menschen, die von Jägern erschossen oder Opfer von Jagdunfällen wurden, die Öffentlichkeit: Insgesamt gab es mindestens 31 Tote. Liest man die Meldungen, so fällt auf, dass es sich nicht nur um klassische Jagdunfälle (»Jäger verwechselt Jäger mit Wildschwein«), sondern vor allem um bewaffnete Beziehungstaten (»Jäger erschießt Ehefrau«) handelt. Hinzu kommen mehrere Hundert Verletzte sowie die ständige Gefährdung Unbeteiligter (Spaziergänger, Radfahrer, Autofahrer, ...).
Vor diesem Hintergrund fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Tote durch Jagdunfälle/Straftaten mit Jägerwaffen

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen kann. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer liegt sicherlich höher. Denn gerade bei Familientragödien („Ehefrau erschossen“) wird selten bekannt, woher der Täter die Schusswaffe hatte, ob er also Jäger oder Schütze war.

14.12.17: Tödlicher Jagdunfall bei Treibjagd (1 Toter)
Bei einer Treibjagd am Vordersberg in Südhessen hat sich ein 76-jähriger Jäger offenbar aus Versehen selbst erschossen. Der Senior wurde von einem Jagdgenossen zusammengesackt und mit einer Schusswunde im Oberkörper aufgefunden. Die Polizei schloss ein Fremdverschulden aus, die tödliche Kugel sei auf keinen Fall aus den Reihen der Jagdgenossen gekommen, sondern aus dem Repetiergewehr des getöteten Jägers. (Jagdunfall: 76 Jahre alter Mann im Heppenheimer Stadtwald getötet. Bürstädter Zeitung, 14.12.2017)

4.12.17: Angeschossenes Wildschwein tötet Jäger
Ein tödlicher Jagdunfall hat sich bei einer Treibjagd in der Nähe von Greifswald ereignet: Ein 50-jähriger Jäger, der ein Wildschwein angeschossen hatte und auf der Nachsuche nach dem Tier war, um ihm den Fangschuss zu geben, wurde von dem Tier getötet. (Pressemeldung der Polizeiinspektion Anklam, 4.12.2017)

2.11.17: Jäger erschießt Frau und sich (2 Tote)
Ein über 80-jähriger Jäger hat in Remse (Sachsen) erst seine Frau erschossen, dann sich selbst. Aussagen von Nachbarn soll die Frau soll schon seit vielen Jahren schwer krank gewesen sein. (Familientragödie mitten im Dorf. Freie Presse, 2.11.2017)

1.11.17: 81-jähriger Jäger stirbt bei Jagd (1 Toter)
Bei einer Treibjagd mit mehr als 60 Jägern in einem Privatwald bei Ballenstedt im Harz ist ein 81-jähriger Jäger tot gefunden worden. Ob es sich um einen Jagdunfall oder ein Verbrechen handelt, werde derzeit ermittelt. Die Staatsanwaltschaft in Halberstadt schließe nach bisherigen Ermittlungen einen Selbstmord aus. „Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen dabei mehr als 60 sichergestellte Waffen der Jagd-Kollegen. (Jäger im Wald bei Ballenstedt erschossen. Volksstimme, 1.11.2017)

30.10.17: Tödlicher Jagdunfall (1 Toter)
Die Leiche eines 61-jähriger Jägers wurde im Landkreis Rostock nach dem Herbststurm „Herwart“ unter einem umgestürzten Hochsitz gefunden. (Sturm stürzt Hochsitz um: Jäger tot aufgefunden. Ostsee-Zeitung, 30.10.2017)

26.10.17: 73-Jähriger erschießt Ehefrau und sich (2 Tote)
Im Kreis Olpe hat 73-jähriger Mann erst seine 60-jährige Ehefrau und dann sich selbst in der Wohnung erschossen. Neben den Leichen wurde eine Langwaffe aufgefunden. Der Sohn hatte Suizidankündigung seines Vaters per SMS bekommen. Ob der 73-Jährige die „Langwaffe“, also das Gewehr, als Jäger besessen hat, wurde noch nicht bekannt. (Tötungsdelikt. Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Siegen der KPB Olpe und des PP Hagen, 26.10.2017)

17.10.17: Prozess - Jäger erschießt Ehefrau (1 Tote)
Ein 63-jähriger Jäger hat vor dem Landesgericht in Halle gestanden, dass er seine Frau im Mai mit einem Schuss in den Kopf tötete. Als Grund habe der Jäger angegeben, seine Frau habe ihn immer wieder mit Tigerbalsam eingecremt und er habe geglaubt, dass sie ihn damit vergiften wollte. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass der Brachstedter zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Er leide an einer „halluzinatorischen paranoiden Psychose“. Trotzdem habe er mehrere Waffen besessen. (Jäger gesteht, Ehefrau erschossen zu haben. Mitteldeutsche Zeitung, 17.10.2017)

17.10.17: Mann erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
Offenbar aus Verzweiflung über die Trennung erschoss ein 43-Jähriger im Sauerland erst seine Frau und dann sich selbst. Die Polizei fand die Leichen und eine Waffe im Hof. Woher der Täter die Schusswaffe hatte, ob er Jäger oder Sportschütze war, wurde noch nicht bekannt. (Mann erschießt seine Frau, dann sich selbst. BILD, 17.10.2017)

17.9.17: Zwei Männer in Kneipe erschossen (2 Tote)
In einer Kneipe im oberbayerischen Traunreut hat ein 62-Jähriger mit Schüssen aus seiner Repetierbüchse zwei Männer erschossen, beide 31 Jahre alt. Zwei Frauen im Alter von 50 und 28 Jahren wurden durch Schüsse schwer verletzt. Die Polizei fand in der Wohnung des mutmaßlichen Täters eine Langwaffe und Munition. Ob der Mann Jäger oder Sportschütze war, wurde noch nicht bekannt. (Tödliche Schüsse in der oberbayerischen Kneipe. WELT am 17.9.2017)

30.7.17: 78-Jähriger schießt Ehefrau in Kopf und erschießt sich selbst (1 Toter)
Ein 78-Jähriger hat in einem Haus am Tegernsee erst auf seine 20 Jahre jüngere Ehefrau geschossen und dann sich selbst erschossen. Die Frau konnte sich mit einer schweren Schusswunde am Kopf aus dem Haus flüchten. Woher der 78-Jährige die Waffe hatte und ob er Jäger war, ist noch nicht bekannt. (78-Jähriger schießt auf Frau und begeht Selbstmord. Abendzeitung München, 30.7.2017)

6.7.17: Großvater erschießt Enkel und sich selbst (2 Tote)
Ein 79-Jähriger soll im Landkreis Rosenheim seinen acht Jahre alten Enkel erschossen haben. Der 79-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt in einem nahe gelegenen Wald gefunden. Er starb wenige Stunden später im Krankenhaus. „Die Kripo geht davon aus, dass der Mann sich mit derselben Waffe, mit der er seinen Enkel erschoss, selbst richten wollte“, so die Augsburger Allgemeine. Woher der Großvater die Waffe hatte bzw. nähere Angaben zu der Schusswaffe, wurden aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht bekannt gegeben.
Die Tatsache, dass er nach den tödlichen Schüssen in den Wald flüchtete, wo er sich ebenfalls erschießen wollte, könnte darauf hindeuten, dass er Jäger war.
Der Oberstaatsanwalt bestätigte Hinweise, wonach der Junge wohl zeitweise im Rollstuhl saß. "Es lag eine Behinderung bei dem Kind vor", wird er in der Augsburger Allgemeinen zitiert.
(Nach Familiendrama: Auch der Großvater ist tot. Augsburger Allgemeine 6.7.2017)

13.6.17: Jäger schießt sich ins Knie – tot (1 Toter)
In der in der Altmark in Sachsen-Anhalt hat sich ein 76-jähriger Jäger aus Versehen mit seinem eigenen Gewehr ins Knie geschossen und tödlich verletzt. Der tödliche Schuss löste sich aus dem Gewehr, als der Jäger mit der Waffe aus seinem Auto ausstieg. (Schuss löst sich aus Gewehr - Jäger verblutet. Hessisch-Niedersächsische Allgemeine am 13.6.2017)

23.5.17: Mann erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
Im Kreis Rendsburg-Eckernförde soll ein Mann soll seine Partnerin und anschließend sich selbst erschossen haben. Die Hintergründe der Tat seien noch nicht bekannt. Auch ist nicht bekannt, woher der Mann die Schusswaffe hatte, ob er Jäger oder Schütze war. (Tragödie in Dörphof: Mann erschießt Frau und sich selbst. Eckernförder Zeitung, 23.5.2017)

19.5.17: Jäger erschoss Ehefrau mit Schrotflinte (1 Tote)
Ein Unternehmer aus Bad Oeynhausen wurde vom Landgericht Bielefeld wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, weil er seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit einem Schrotgewehr in ihrem Auto erschossen hatte. Laut Presseberichten sei der Täter in Griechenland regelmäßig zur Jagd gegangen. (Frau mit Schrotflinte ermordet - Lebenslang für Ehemann. Rheinische Post am 19.5.2017)

18.5.17: Tödlicher Bauchschuss nach Kampf mit Reh (1 Toter)
Ein 67-jähriger Jäger wollte in einem Waldstück bei Grimma (Sachsen) ein angeschossenes Reh mit einem Gewehrkolben erschlagen. Dabei löste sich ein Schuss und traf den Jäger in den Bauch. (Jäger starb nach Kampf mit angeschossenem Rehbock. tag24.de, 18.5.2017)

12.5.17: 86-jähriger erschießt Frau und sich (2 Tote)
Ein 86-jähriger Mann hat in Wittlich auf erst seine 83-jährige Frau und dann auf sich selbst geschossen. Beide starben an den Schussverletzungen wenig später im Krankenhaus.
Die Tatwaffe wurde in der Wohnung gefunden. (Wittlicher Ehepaar stirbt nach Familiendrama. input-aktuell.de, 13.5.2017)

11.5.17: Hobbyjäger erschoss Ehefrau (1 Tote)
In Sachsen-Anhalt hat ein 63-jähriger Hobbyjäger seine Frau erschossen und anschließend die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Die Polizei fand im Inneren des Hauses die Leiche der 56-jährigen Frau und den Mann mit einer schweren Schussverletzung. Laut Staatsanwaltschaft soll er in seiner Freizeit zur Jagd gegangen sein. (Tötete Mann die eigene Ehefrau? BILD, 11.5.2017)

8.5.17: Nachbarin und sich erschossen (2 Tote)
Ein 61-Jähriger hat im saarländischen Homburg seine Nachbarin erschossen und anschließend sich selbst getötet. Vorausgegangen war offenbar ein Streit um den Hund der Nachbarin. Laut einer Zeugin wollte die Nachbarin zur Arbeit zu fahren, „als plötzlich der Mann, der im Haus gegenüber wohnt, mit einem Gewehr auf sie zukam und in ihr Auto schoss“. Anschließend flüchtete der Täter in ein nahe gelegenes Waldgebiet und erschoss sich dort selbst. Dass der 61-Jährige eine Waffe besaß, sei bekannt gewesen. (Streit um Hund endet tödlich. Saarbrücker Zeitung vom 8.5.2017)

7.4.17: 88-Jähriger erschießt Ehefrau und sich (2 Tote)
In Augsburg hat ein 88-Jähriger zuerst seine drei Jahre jüngere Ehefrau erschossen und sich danach selbst getötet - laut Polizei eine „Verzweiflungstat“. Ob es sich um einen Jäger oder um einen Schützen handelte, wurde noch nicht bekannt. (Mann erschießt Ehefrau und tötet sich selbst. Augsburger Allgemeine, 7.4.2017)

3.4.17: 80-jähriger Jäger mit Kopfschuss im Wald (1 Toter)
Ein 80-jähriger Jäger ist in einem Waldstück bei Beetz (Oberhavel) mit einem Kopfschuss tot aufgefunden worden. Laut Polizei könne eine Fremdeinwirkung Dritter ausgeschlossen werden. (Märkische Oderzeitung, 3.4.2017)

7.1.17: Familiendrama: Zwei Personen mit Schussverletzungen (2 Tote)
In Arnstein (Lkr. Main-Spessart) hat ein Hausbewohner zwei Familienangehörige, einen Mann und eine Frau, mit Schussverletzungen leblos in der Wohnung gefunden, an denen sie später im Krankenhaus starben. Es scheint sich um ein Familiendrama zu handeln. Laut dem Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken habe sich die Tatwaffe legal im Haus befunden. Ob ein Familienmitglied die Schusswaffe als Jäger oder als Sportschütze besessen hat, wurde noch nicht bekannt. Der Landkreis Main-Spessart ist sehr ländlich geprägt und eine Jägerhochburg. (Mann und Frau schweben weiter in Lebensgefahr. BR, 7.1.17. - Zweites Opfer nach Arnsteiner Familiendrama gestorben. Merkur, 2.3.2017)

Österreich: Jagdzwang besteht weiter

Vier Grundeigentümer aus Niederösterreich können es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass Jäger auf ihren Grundflächen Jagd auf Tiere machen. Sie berufen sich auf die Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und klagten bis zum Österreichischen Verfassungsgerichtshof. Am 27. Oktober 2017 gab das höchste österreichische Gericht seine Entscheidung bekannt: Grundeigentümer in Niederösterreich müssen die Bejagung ihrer Flächen und die verpflichtende Mitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft dulden. (VfGH, Urteil vom 10.10.2017, E 2446/2015 ua)
Nun wollen die betroffenen Grundeigentümer den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen. Dieser war bereits 2012 im Falle eines deutschen Grundeigentümers, 2007 im Falle einer luxemburgischen Grundeigentümern und 1999 im Falle französischer Kläger zu dem Urteil gekommen: Es ist nicht mit dem in der Menschenrechtskonvention garantierten Schutz des Eigentums zu vereinbaren, wenn Grundstückseigentümer, welche die Jagd nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, zwangsweise Mitglied in Jagdgenossenschaften sind und damit die Jagd auf ihrem Eigentum dulden müssen.
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Die vier Beschwerdeführer aus Niederösterreich sind Eigentümer von Land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken in den Bezirken Melk, Wiener Neustadt und Zwettl. Gemäß dem Niederösterreichischen Jagdgesetz von 1974 sind sie damit automatisch Mitglieder der örtlichen Jagdgenossenschaft. Da sie die Jagd grundsätzlich ablehnen, stellten die Beschwerdeführer Anträge an die zuständigen Bezirkshauptmannschaften, ihre Grundstücke von der Jagd freizustellen. Die zuständigen Bezirkshauptmannschaften wiesen die Anträge auf Jagdfreistellung und Feststellung der Beendigung der Mitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft zurück. Die Grundeigentümer legten Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht Niederösterreich ein. Das Landesverwaltungsgericht wies die Beschwerden ab, weil das Niederösterreichische Jagdgesetz eine Jagdfreistellung aus den von den Beschwerdeführern genannten Gründen nicht vorsehe. Daraufhin riefen die Grundeigentümer den Österreichischen Verfassungsgerichtshof (VfGH) an.

VfGH: Pflicht zur flächendeckenden Jagd ist eine Eigentumsbeschränkung, diene jedoch dem öffentlichen Interesse

In seinem Urteil vom 10. Oktober 2017 wies der Österreichische Verfassungsgerichtshof die Beschwerden der vier Grundeigentümer ab. Zwar erkannten die Verfassungsrichter, dass die Pflicht zur flächendeckenden Jagd für Waldbesitzer eine Eigentumsbeschränkung darstelle, sie diene jedoch »dem öffentlichen Interesse der Biodiversität, des Artenreichtums und der Vermeidung von Wildschäden«. Das öffentliche Interesse sei höher zu gewichten als das Eigentumsrecht.

Weiter heißt es in der Pressemeldung des Österreichischen Verfassungsgerichtshofs: »Der Einfluss des Wildes auf die Land- und Forstwirtschaft ist in Niederösterreich in allen Regionen gleichermaßen hoch, und zwar unabhängig vom Anteil des Waldes und unabhängig davon, ob es sich um alpine Regionen handelt.« Durch eine Herausnahme einzelner Grundflächen würde das System der Wildbewirtschaftung in seiner praktischen Effektivität gefährdet.

Der Verfassungsgerichtshof verwies außerdem auf die Möglichkeit, Grundeigentum »schalenwilddicht« zu umzäunen. In diesem Fall könne die Bezirksverwaltungsbehörde das Ruhen der Jagd verfügen: »Diese Regelung kann auch von jemandem, der die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt, in Anspruch genommen werden. Der Eingriff in das Eigentumsrecht ist daher verhältnismäßig.«

Bereits 2016 hatte der VfGH im Fall von Grundstückseigentümern aus Kärnten entschieden, dass Pflicht zur Duldung der flächendeckenden Bejagung verfassungskonform sei.

Tierschützer entsetzt

Dr. Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken, zeigte sich in einer ersten Reaktion auf Facebook entsetzt: »Erschreckend! Der VfGH hat nun auch für NÖ die Freistellung des eigenen Waldbesitzes von der Zwangsbejagung abgelehnt. Da redet die Jägerschaft immer vom Respekt vor dem Grundbesitz und dass Jagd und Grundbesitz seit 1848 untrennbar verbunden sind, aber wenn ein Grundbesitzer keine Jagd auf seinem Grund wünscht, dann wird drübergefahren und zwangsbejagt.« Und: »Der VfGH argumentiert im Urteil, dass man auch nicht das kleinste Fleckerl Wald jagdfrei stellen könnte, weil sonst das den gesamten Raum umfassende Jagdkonzept nicht funktionieren würde.«

Grundeigentümer wollen Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen

Die betroffenen Grundeigentümer wollen sich mit der Entscheidung des Österreichischen Verfassungsgerichtshofs nicht zufrieden geben. Mag. Stefan Traxler, einer ihrer Anwälte, kündigte gegenüber dem ORF an, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ziehen zu wollen. Er kritisiert außerdem die Befangenheit eines Sachverständigen, der vor dem Verfassungsgerichtshof zu Wort gekommen war.

Europäischer Gerichtshof: Zwangsbejagung verstößt gegen Menschenrechte

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte EGMR hat in seinem am 26.06.2012 verkündeten Urteil der Großen Kammer im Verfahren »Herrmann gegen Bundesrepublik Deutschland« eine Verletzung von Artikel 1 Protokoll Nr. 1 (Schutz des Eigentums) zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) festgestellt: Es ist nicht mit dem in der Menschenrechtskonvention garantierten Schutz des Eigentums zu vereinbaren, wenn Grundstückseigentümer, welche die Jagd nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, zwangsweise Mitglied in Jagdgenossenschaften sind und damit die Jagd auf ihrem
Eigentum dulden müssen.

Damit folgte der Gerichtshof seinen Schlussfolgerungen in zwei früheren Urteilen, die das Jagdrecht in Frankreich (EGMR-Urteil vom 29. April 1999) und Luxemburg (EGMR-Urteil vom 10.07.2007) betrafen. Die Rechtssprechung des EGMR zur Jagdpflicht muss als mittlerweile gefestigt angesehen werden.

Die Deutsche Bundesregierung, der Jagdverband und weitere beteiligte Verbände hatten vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sämtliche erdenklichen Allgemeinbelange (Pflicht zur Hege, die die Erhaltung eines artenreichen gesunden Wildbestandes, die Verhütung von durch wild lebende Tiere verursachten Schäden,...), wie sie jetzt auch vom Österreichischen Verfassungsgerichtshof angeführt wurden, vorgetragen. Das höchste europäische Gericht hat diese Belange allesamt gewürdigt und ist dennoch zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Aufgrund des Urteils des höchsten europäischen Gerichts vom 26.06.2012 wurde die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, ihre Jagdgesetzgebung entsprechend zu ändern. Grundeigentümer können aus ethischen Gründen einen Antrag stellen, dass ihre Flächen jagdrechtlich befriedet werden.

Quellen:
- Österreichischer Verfassungsgerichtshof: Pflicht zur Duldung der flächendeckenden Bejagung ist verfassungskonform. Pressemitteilung vom 27.10.2017
https://www.vfgh.gv.at/medien/Duldung_der_flaechendeckenden_Bejagung.php
- Entscheidung des Österreichischen Verfassungsgerichtshofs vom 10. Oktober 2017 (E 2446/2015 - 42, E 2448/2015 - 42, E 152/2016 - 37, E 764/2017 – 32)
https://www.vfgh.gv.at/downloads/VfGH_E_2446-2015_ua_Entscheidung_Jagdfreistellung_NOe_anonym.pdf
- Flächendeckende Jagd verfassungskonform. ORF, 27.10.2017.
http://noe.orf.at/news/stories/2874714/
- Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 26.6.2012 im Fall “Herrmann gegen die Bundesrepublik Deutschland” (Beschwerdenummer 9300/07).
www.zwangsbejagung-ade.de/rechtlichegrundlagen/urteilegmr2012/index.html

Beschwerde gegen Zwangsbejagung beim EGMR

Österreicher reicht Beschwerde gegen Zwangsbejagung beim Europäischen Gerichtshof ein

Ein Tierfreund und Veganer will in seinem Wald in Kärnten die Jagd aus ethischen Gründen verbieten. Der Rechtsanwalt beruft sich auf sein Eigentumsrecht sowie seine Ablehnung der Jagd aus ethischen Gründen. Ende Januar 2017 reichte der Grundstückseigentümer Beschwerde gegen die Zwangsbejagung beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein.

Der Kläger, ein Rechtsanwalt aus Wien, besitzt etwa sechs Hektar Wald in Kärnten (Bezirk Spittal), in dem er die Jagd aus ethischen Gründen verbieten lassen will. Im Oktober 2014 hatte er die Jagdfreistellung seines Grundstücks bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft beantragt.

Jurist will nicht, dass in seinem Wald Tiere von Jägern erschossen werden

Nach Ablehnung seines Antrags auf Jagdfreistellung legte der Jurist Beschwerde bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft und dann beim Landesverwaltungsgericht ein. Dort hatte er vorgetragen, dass er das Töten von Tieren ablehne, fast vegan lebe und aufgrund seiner ethischen Überzeugung auch die Jagd auf seinem Grundstück verbieten wolle. Das Landesverwaltungsgericht wies die Klage am 18. Mai 2015 ab. Daraufhin rief der Waldeigentümer das höchste österreichische Gericht an. Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) lehnte den Jagdfreistellungsantrag mit seinem Urteil G7/2016-29 vom 15.10.2016, veröffentlicht am 3.11.2016, ab.

»Der Verfassungsgerichtshof spricht Eigentümern Recht auf Entscheidung über Bejagung ihres Grundstücks ab«, kritisierte daraufhin der Wiener Tierschutzverein. »Wie viele Richterinnen und Richter im VfGH sind Jägerinnen oder Jäger?«, fragte Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins.

Der Fall des Waldbesitzers steht stellvertretend für weitere Grundeigentümer in Österreich, die sich die Zwangsbejagung auf ihrem Grund und Boden nicht mehr gefallen lassen wollen.

Immer mehr Österreicher wollen Jagd auf ihrem Grundeigentum verbieten

»Immer mehr Menschen sind nicht gewillt, die Zwangsbejagung ihrer Grundstücke zu akzeptieren. Denn jagdfreie Grundstücke bieten wertvolle Schutzgebiete für Natur und Tiere«, erklärt Dr. Michaela Lehner von der Anwaltskanzlei Stefan Traxler. »Alleine unsere Kanzlei vertritt aktuell um die 30 Personen österreichweit, und es werden von Tag zu Tag mehr.« Die Juristin ist auf Tierrecht spezialisiert und sich sicher: Das Urteil des Verfassungsgerichtshofs wird nicht halten.

VfGH: Grundeigentümer kann seinen Wald einzäunen, um Jagd zu verbieten

Laut dem Urteil des Verfassungsgerichtshofs sei es »nicht unverhältnismäßig, wenn der Gesetzgeber für die Jagdfreistellung eines Grundstückes (...) dessen Umzäunung verlangt. Diese Regelung kann auch von jemandem, der die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt, in Anspruch genommen werden.«

Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, kritisiert diese Begründung des Verfassungsgerichtshofs: »In vielen Fällen ist das weder möglich, noch wirtschaftlich tragbar und entspricht nicht den klaren Intentionen des Forstrechts: Denn der Wald soll der Allgemeinheit dienen, den Menschen zur Erholung, den Tieren als Lebensraum.«

Auch der Grundstückseigentümer weist als Jurist daraufhin, dass eine Umzäunung gegen § 33f des Forstgesetzes verstoße. Außerdem seien die Kosten einer derartigen Umzäunung nicht zumutbar.

Österreich - Land der Zwangsbejagung

Dr. Dr. Martin Balluch vom Verein gegen Tierfabriken, der die Klage des Waldeigentümers bis vor den Verfassungsgerichtshof begleitet hatte, kritisierte, die Zwangsbejagung werde in Österreich aufrecht erhalten, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in den Fällen Frankreich, Luxemburg und Deutschland bereits entschieden hatte, dass Grundeigentümer, die aus ethischen Gründen die Jagd ablehnen, diese auf ihrem Grund verbieten können müssen.

Die Bundesrepublik Deutschland wurde mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 verpflichtet, ihre Jagdgesetzgebung zu ändern: Grundeigentümer können seit 2013 einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung aus ethischen Gründen stellen.

Grundeigentümer klagt vor Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte

Ende Januar 2017 reichte der Rechtsanwalt aus Wien Beschwerde gegen die Republik Österreich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein. Er hält es aufgrund seiner ethischen Überzeugung fürs unzumutbar, dass er als Grundstückseigentümer die Jagd auf seinen Grundstücken dulden muss. Unter Bezugnahme auf die vorangegangenen Urteile des höchsten europäischen Gerichts sieht sich der Beschwerdeführer in seinen durch die Europäische Menschenrechtskonvention EMRK verbrieften Menschenrechten, insbesondere Artikel 1 des ersten Zusatzprotokolls zur EMRK (Schutz des Eigentums), verletzt.

Auch Juristin Michaela Lehner will für die Mandanten ihrer Kanzlei ganz konkrete verfassungsrechtliche Bedenken gegen weitere VfGH-Urteile vorbringen. »Denn Grundrechte wie das Recht auf Achtung des Eigentums oder das Recht auf Gewissensfreiheit sind ein wichtiges Fundament unseres Rechtsstaates«, erklärt sie. »Österreich wird - wie zuletzt die Bundesrepublik Deutschland - durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verpflichtet werden, seine Jagdgesetzgebung zu ändern: Grundeigentümer werden spätestens dann einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung aus ethischen Gründen stellen können.«

»Österreichern müssen dieselben Möglichkeiten des Austrittes aus der Zwangsbejagung eingeräumt werden, wie es in anderen Ländern Europas mittlerweile eine Selbstverständlichkeit ist«, fordert Dr. Christian Nittmann, Sprecher von »Zwangsbejagung ade Österreich«. Die Bürgerinitiative unterstützt Grundstückseigentümer, den Antrag auf Jagdfreistellung bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zu stellen.

Quellen:
· Fast veganer Grundstücksbesitzer reicht Beschwerde gegen Zwangsbejagung beim EGMR ein. oekonews.at, 28.1.2017
· Urteil des Österreichischen Verfassungsgerichtshofs G7/2016-29 vom 15.10.2016, veröffentlicht am 3.11.2016
· Initiative »Zwangsbejagung ade« Österreich. www.zwangsbejagung-ade.at
· Tierfreund. Magazin des Wiener Tierschutzvereins. Ausgabe 12/2016
· Jagd gegen Willen von Waldbesitzer erlaubt. ORF, 4.11.2016
· Verein gegen Tierfabriken. Pressemeldung vom 4.11.2016

Informationen

Zwangsbejagung ade Österreich
Dr. Christian Nittmann · Postfach 21 · A-1090 Wien
e-mail: info@zwangsbejagung-ade.at
www.zwangsbejagung-ade.at

Österreichischer Tierschutzverein ÖTV
Mag. Christian Hölzl · Berlagasse 36 · A-1210 Wien
e-mail: zentrale@tierschutzverein.at
www.tierschutzverein.at

Verein Gegen Tierfabriken
DDr. Martin Balluch
Meidlinger Hauptstraße 63/6 · A-1120 Wien
e-mail: vgt@vgt.at
www.vgt.at

Erschreckende Bilanz: Tote durch Jäger 2016

Seit dem Jahr 2001 dokumentiert die Initiative zur Abschaffung der Jagd die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen. Auch in diesem Jahr schockierten Meldungen über Menschen, die von Jägern erschossen wurden, die Öffentlichkeit: 2016 gab mindestens 14 Tote durch Jäger und Jägerwaffen. Das sind weniger, als in den vorangegangenen Jahren: 2015 waren es mindestens 23 Tote, 2013 25 und im Jahr 2013 sogar mindestes 40 Tote. Liest man die Todesmeldungen, so fällt auf, dass es sich dabei weniger um klassische Jagdunfälle (»Jäger verwechselt Jäger mit Wildschwein«), sondern vor allem um bewaffnete Beziehungstaten (»Jäger erschießt Ehefrau«, »Jäger erschießt Lebensgefährtin und sich«, »Ex-Frau erschossen«, »Jäger erschießt Nebenbuhler und sich selbst«, »Bewaffneter Streit in Jägerfamilie«) handelt. Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen sowie der bewaffneten Gefährdung Unbeteiligter fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Bei nicht-tödlichen Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen nehmen neben klassischen Jagdunfällen (»Jäger schießt Jäger auf Fuchsjagd an«, »Jäger schießt sich ins Bein«) vor allem Berichte über die Gefährdung Unbeteiligter erschreckend zu. Meldungen wie »Schüsse am Spazierweg«, »Bewaffneter Jäger im Schwimmbad«, »Junge gerät in Fuchsfalle«, »Nachbar angeschossen« schlugen große Wellen in der Öffentlichkeit.
Gerade bei Erntejagden (mehrere Jäger umstellen ein Feld, um während der Ernte auf fliehende Tiere zu schießen) sowie bei Treib- und Drückjagden häuften sich Autounfälle durch vor Jägern fliehenden Tieren, außerdem kam es zu gefährlichen Einschüsse in Häuser und Autos: »Auto während Treibjagd beschossen«, »Treibjagd - Autofahrerin lebensgefährlich verletzt«, »Kugel schlägt in Werkstatt ein«, »Wildschweinjagd: Schuss auf Terrasse«, »Wildschweinjagd: Einschussloch in Haus«.

Jährlich werden den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften über 800 Jagdunfälle (andere Quellen sprechen von bis 1600) gemeldet. Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen (Jäger erschießt Frau oder Nachbarn) gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat. Weder der Jagdverband noch staatliche Behörden noch das statistische Bundesamt führen Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen nur die »Strecke« der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys.

Tote durch Jäger und Jägerwaffen

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen kann. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer liegt sicherlich höher. Denn gerade bei Familientragödien („Ehefrau erschossen“) wird selten bekannt, woher der Täter die Schusswaffe hatte, ob er also Jäger oder Schütze war.

4.1.16: Jäger erschießt versehendlich Tochter (1 Tote)
Ein 52-jähriger Jäger hat im baden-württembergischen Hohenlohekreis aus Versehen seine 16-jährige Tochter erschossen. Die berichtet die Süddeutsche Zeitung am 4.1.2016. Demnach hatte der Jäger am Neujahrsabend zu Hause mit seiner doppelläufigen Schrotflinte hantiert, als sich mindestens ein Schuss löste und die Tochter tödlich traf.
Den Ermittlungen zufolge sei der Jäger legal im Besitz der Schrotflinte gewesen.

9.2.16 Jäger erschießt Nebenbuhler und sich selbst (2 Tote)
Ein Beziehungsdrama mit Jäger endete mit zwei Toten: „Jäger erschießt Freund ...und dann sich selbst“, titelt BILD am 9.2.2016. Demnach hat ein Jäger im niedersächsischen Laatzen den neuen Partner seiner Ex-Freundin erschossen. Die Polizei findet die Leiche des Nebenbuhlers im Keller. Weil der Jäger mehrere Waffen besitzt, leitet die Polizei eine Großfahndung mit Hubschrauber ein. Der Jäger wird schließlich tot im Wald gefunden – er hat sich selbst erschossen.

5.4.16: Jäger erschießt Lebensgefährtin und sich (2 Tote)
Bluttat in Esslingen: Ein 47-jähriger Jäger hat seine 38-jährige Lebensgefährtin und dann sich selbst erschossen. Der Sohn der 38-jährigen fand die beiden Toten in der Wohnung seiner Mutter, als er heim kam. Dies meldet FOCUS online am 15.4.2016.

27.4.16: Jäger erschießt jugendlichen Einbrecher (1 Toter)
Ein Jäger hat einen 18-jährigen Einbrecher erschossen. Die Westdeutsche Allgemeine berichtet am 27.4.2016, der Jugendliche sei durch einen Kopfschuss zunächst lebensgefährlich verletzt und wenig später seinen Verletzungen erlegen. Die Staatsanwaltschaft Hagen und die Mordkommission ermitteln.

16.5.16: Jäger erschießt Ehefrau (1 Tote)
Ein 75-jähriger Jäger hat in Metelen offenbar seine 69-jährige Ehefrau mit Kopfschuss in der Küche erschossen. Anschließend versuchte er sich selbst mit einem Kopfschuss das Leben zu nehmen und verletzte sich dabei lebensgefährlich. Dies meldet die Polizei Münster am 16.5.2016. „Die Vermutungen gehen auf einen Streit im privaten Bereich zurück“, berichtet das Regionalmagazin klick.news. „Als Jäger hatte der Mann in seinem Haus Waffen gelagert.“

1.7.2016: Ex-Frau erschossen (1 Tote)
Ein 60-jähriger Angler und offenbar auch Jäger hat seine Ex-Frau erschossen. Anschließend habe er bei der Polizei angerufen: „Ich habe gerade meine Ex-Frau erschossen“. Dies berichtet BILD am 1.7.2016. Laut BILD ging es ums Geld.

7.7.16 Bewaffneter Familienstreit - Polizei erschießt Jäger (1 Toter)
Bei einem Streit in einer Jägerfamilie in Sachsen-Anhalt musste das SEK anrücken. Dies meldet SPIEGEL online am 7.7.2016. Als die Beamten eingriffen, sei es zu mehreren Schüssen gekommen. Dabei wurde ein 31-jähriger Jäger tödlich getroffen.

20.9.16: Ex-Frau mit Schrotflinte erschossen (1 Tote)
In Bielefeld hat ein 53-jähriger Mann seine 41-jährige Ex-Frau vor ihrem Wohnhaus erschossen - durch die geschlossene Autoscheibe mit einer Schrotflinte erschossen. Dies meldet die Neue Osnabrücker Zeitung am 20.9.2016. Demnach trafen zwei Schüsse aus der Schrotflinte das Opfer in den Brustbereich, was tödliche Verletzungen verursachte.

19.10.16: Jäger schießt auf Polizisten (1 Toter, 1 Verletzter)
Bei einer Razzia von Polizei und Spezialeinheiten hat ein 49-jähriger Jäger in Mittelfranken auf die Beamten geschossen. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt, einer davon lebensgefährlich. Der Polizist erlag später seinen Verletzungen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet am 19.10.2016, dass der Jagdscheininhaber laut Polizei "als nicht mehr zuverlässig für den Besitz einer Waffe" galt. Deshalb sollten bei dem Jäger seine legalen Waffen - mehr als 30 Lang- und Kurzwaffen - sichergestellt werden. Gegen den Jäger, welcher der "Reichsbürger"-Szene angehöre, ermittele nun die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes.

23.10.16: 84-Jähriger erschießt Ehefrau und sich (2 Tote)
Im Landkreis Weilheim-Schongau hat ein 84-jähriger Mann erst seine 83-jährige Frau und dann sich selbst erschossen. Dies berichtet die Augsburger Allgemeine am 23.10.2016. Ob der Mann Jäger war bzw. woher er die Schusswaffe hat, wurde nicht bekannt gegeben.

26.11.16: 48-Jähriger erschießt seine Ehefrau (1 Tote)
Ein 48-Jähriger hat seine 36-jährige Ehefrau erschossen. Dies berichtet der WDR am 26.11.2016. „Passanten hatten die Tote im Kölner Stadtteil Weiden auf einem Weg nahe einer Sportanlage gefunden“, so der WDR. Der Mann wurde festgenommen und hat ein Geständnis abgelegt. Ob der 48-Jährige Jäger oder Sportschütze ist, wurde nicht bekannt.

Weitere Meldungen von Jagdunfällen

und Straftaten mit Jägerwaffen

(Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

6.1.16 Schüsse am Spazierweg (Gefährdung Unbeteiligter)
„Jagd verunsichert Spaziergänger“, meldet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung am 6.1.2015. Bei einem Spaziergang mit seinem kleinen Sohn im Kinderwagen und seiner Hündin geriet ein Mann in eine Jagd. Er rief die Polizei, nachdem mehrere Schüsse gefallen seien, „weil ein Jäger nur wenige Meter neben mir schoss“, so die Zeitung. Die Beamten seien wegen einer mutmaßlichen Gefahr ausgerückt. An dem Spazierweg seien viele Läufer und Radfahrer unterwegs, dort befinde sich ein Kinderspielplatz und etwas weiter ein Fußballplatz.

11.1.16: Mann bedroht seine Frau mit Jagdgewehr (Bewaffnete Bedrohung)
Ein 55-jähriger Jäger bedrohte seine Frau während eines heftigen Streits mit dem geladenen Jagdgewehr. Dies meldet nachrichten.at am 11.1.2016. Die Frau habe sofort mit ihrem Sohn und dessen Freundin das Haus verlassen und die Polizei gerufen. Das Einsatzkommando Cobra nahm den Mann fest.

31.1.16: Jäger schießt Jäger auf Fuchsjagd an (1 Verletzter)
In Mönchengladbach wurde ein 73-jähriger Jäger von einem 19-jährigen Jagdkollegen angeschossen und schwer verletzt. Dies berichtet die Rheinische Post online am 31.1.2016.
Demnach hatten einige Jäger am Sonntagvormittag in einem Feld einen Heuballen umstellt, um einen Fuchs zu schießen. Dabei habe der Jungjäger offenbar zu früh geschossen und aus Versehen den Jagdkollegen getroffen.

8.2.16: Jäger (74) bedrohte Spaziergängerin (Bedrohung Unbeteiligter)
Ein 74-jähriger Jäger bedrohte und beleidigte eine Spaziergängerin. Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Weilheim verhandelt: Der Jäger muss 2000 Euro an den Tierschutzverein zahlen. Dies berichtet der Münchner Merkur am 8.2.2016. Demnach habe der Jäger in der Verhandlung seine Drohung zugegeben, dass er den Hund der Frau erschießen werde, wenn er ihn wieder sehen würde. „Er hat gesagt, er will von seiner Waffe Gebrauch machen“, zitiert die Zeitung die Spaziergängerin. Dass er damit nur den Hund gemeint habe, glaube sie jedoch nicht.

11.4.16: Jäger schießt sich ins Bein (1 Verletzter)
Ein Jäger hat sich im Kreis Bitburg selbst ins Knie geschossen. Dies berichtet www.wochenspiegellive.de am 11.4.2016. Demnach wollte der Jäger seinen Hochsitz besteigen, als die unterste Sprosse der Leiter durchbrach und der Jäger stürzte. Dabei löste sich ein Schuss aus seinem Gewehr, der ihn oberhalb seines rechten Knies traf.

11.4.16: Jäger schießt auf Motorrad (Bedrohung mit Waffe)
In Sehlde (Kreis Hildesheim) eskalierte ein Streit zwischen einem Jäger und einem Motorradfahrer: der Jäger schoss auf das Hinterrad des Motorrads. Dies meldet die Hildesheimer Allgemeine Zeitung am 11.4.2016.

16.4.16: Jäger zielen auf Windkraftgegner und Wanderer (Bedrohung mehrerer Personen mit der Waffe)
Windkraftgegner aus dem Hunsrück haben Strafanzeige gegen Jäger bei der Staatsanwaltschaft Trier gestellt. „Ein Mitglied der Bürgerinitiative ‚Wald in Not’ sagte dem SWR, mehrmals hätten Jäger am Ranzenkopf mit ihren Gewehren auf die Windkraftgegner gezielt. Außerdem sei eine Wanderung des Naturschutzbundes NABU am Ostersonntag durch zwei Jäger gestört worden. (SWR, 16.4.2016)
"’Ich habe in einen Gewehrlauf geschaut’ - Jäger schüchtern Wanderer ein“, titelt dazu der Volksfreund am 19.4.2016. Demnach hatten 15 Teilnehmer einer geführten vogelkundlichen Wanderung des Naturschutzbunds teilgenommen. Zwei Jäger mit Hunden hätten sich mit Gewehren den Wanderern in den Weg gestellt: "Ich habe in einen Lauf geschaut", berichtet einer der Teilnehmer. Die Jäger hätten lautstark geschimpft und den Wanderern vorgeworfen, das Wild verscheucht zu haben, das sie jagen wollten.

18.5.16: Nachbar angeschossen (1 Verletzter)
Mitten in Berlin kam es zu einem Jagdunfall! Dies berichtet der Berliner Kurier am 18.5.2016 und schreibt: „Hermann F. stand abends vor seinem Haus, als ihn plötzlich eine Kugel traf. Ein Jäger (57) hatte 300 Meter weiter vom Hochstand aus ein Wildschwein geschossen.“ Das Projektil habe das Tier durchschlagen und landete im linken Arm des 60-jährigen Anwohners.

22.5.16: 10-jähriger Junge gerät in Fuchsfalle (1 Verletzter)
Ein zehnjähriger Junge ist beim Spielen am Rande einer Kleingartenanlage im Landkreis Oldenburg in eine Fuchsfalle geraten und verletzt worden. Dies meldet der NDR am 22.5.2016. Demnach musste die Feuerwehr die Falle mit einer hydraulischen Rettungsspreize aufbrechen, nachdem die Eltern vergeblich versucht hatten, ihren Sohn aus der Falle zu befreien. Nach der medizinischen Erstversorgung vor Ort sei der Junge ins Krankenhaus gebracht worden.

14.6.16 Jäger bedroht Angler mit Waffe (Bewaffnete Bedrohung)
Am Ulrichshusener See in Neubrandenburg bedroht ein Jäger drei Angler, die gerade ihre Ausrüstung verladen wollen. Vermutlich hält der Mann, der neben dem See wohnt, die Angler für Einbrecher. (Ostsee Zeitung, 14.6.16)

26.7.16: Bewaffneter Jäger im Schwimmbad (Bedrohung Unbeteiligter)
"Jäger schoss durch Zaun auf Engener Bad-Gelände", titelt der Südkurier am 26.7.2016. Demnach hörten die Schwimmbadbesucher am Sonntagnachmittag einen Schuss, anschließend lief ein bewaffneter Jäger durch das Bad. "Das sorgte für große Unsicherheit und Verwirrung unter den Besuchern im Schwimmbad-Gelände", so die Zeitung und zitiert den Bademeister: "Der Jäger gab im Bereich des Bad-Geländes keinen weiteren Schuss ab. Aber schon, dass er mit einer Langwaffe für Badegäste sichtbar auf dem Areal umherlief, hat viele von ihnen erschreckt. Zumal er noch eine militärähnliche Tarnkleidung trug."
Die große Unsicherheit der Badegäste, wenn ein Bewaffneter durchs Schwimmbad läuft, ist mehr als verständlich, nicht nur vor dem Hintergrund der tödlichen Schüsse in München am Tag zuvor.
Der Jäger hatte zuvor von einem Nachbargrundstück auf einen Fuchs geschossen. Eine Kugel des Jägers sei laut Südkurier im Bad-Gelände gelandet. Nachdem er das Tier nicht richtig getroffen hatte, begab sich der Jäger auf "Nachsuche" im Erlebnisbad.

31.8.16: Jäger trifft Jäger (1 Verletzter)
Ein Jäger ist vermutlich von einem Kollegen bei einer Wildschweinjagd in Leibertingen (Kreis Sigmaringen) angeschossen worden. Dies berichtet die Südwest Presse am 31.8.2016. Demnach hatte der 47-jährige Unglücksschütze in einem Maisfeld geschossen, um Wildschweine hinauszutreiben.

3.9.16 Schuss auf Wildschwein geht nach hinten los (1 Verletzter)
Bei einer Jagd auf Wildschweine ist ein Jäger aus Mitterfels in Niederbayern verletzt worden. „Der Mann hatte ein Wildschwein ins Visier genommen, doch als er den Abzug betätigte, explodierte seine Jagdwaffe“, meldet das Nachrichtenportal idowa.de am 3.9.2016.

26.9.16: Wildschweinjagd: Einschussloch in Haus (Gefährdung Unbeteiligter)
Im Westerwald veranstalteten Jäger am Ortsrand von Lautzenbrücken eine „Maisjagd“ auf Wildschweine. Die Bewohner hörten Schüsse, während sie auf der Terrasse saßen und Kinder im Garten spielten, ein Schuss traf offenbar die Schieferfassade eines Hauses. (SWR, 26.9.2016)

13.10.16: Wildschweinjagd - Schuss auf Terrasse (Gefährdung Unbeteiligter)
Die Kugel eines Jägers, der nachts ein Wildschwein erlegen wollte, schlug direkt neben einem Ehepaar ein, das gerade auf der Terrasse saß. „Wir saßen kurz nach 23 Uhr auf der Terrasse vor unserem Haus. Plötzlich hörten wir einen Knall“, zitiert das Solinger Tagblatt am 13.10.2016 die 47-jährige Frau. Ein Geschoss sei nur einen Meter an dem Ehepaar vorbeigeflogen. Es sei in eine hölzerne Sichtschutzwand gekracht und zerschlug noch eine Vase.

7.11.16 Jagdunfall bei Treibjagd (1 Schwerverletzter)
Ein Wildschwein hat bei einer Treibjagd einen 33-jährigen Jäger angegriffen und schwer verletzt. Dies berichtet das Main Echo am 7.11.2016. Demnach war der Keiler bei der Treibjagd angeschossen worden und flüchtete. Als Jäger das Tier stellten und mit dem so genannten „Fangschuss“ töten wollten, griff der Keiler den Jäger an. Ein anderer Jäger erschoss das Wildschwein. Der Jäger wurde schwer verletzt ins Klinikum Aschaffenburg gebracht.

7.11.16: Schuss trifft Jäger (1 Verletzter)
In der Lausitz wurde ein 71-jähriger Jäger aus Versehen aus seinem eigenen Gewehr angeschossen. Dies berichtet die Sächsische Zeitung am 7.11.2016. Demnach saß der Jäger in seinem Auto. „Zeugen beobachteten, wie sein Hund bellend auf dem Vordersitz herumsprang, auf dem sich offenbar auch ein geladenes Gewehr befand“, so die Zeitung. Dabei löste sich ein Schuss, der den Waidmann in den Ellenbogen traf.
Die Zeugen riefen die Polizei, welche die Waffen des 71-Jährigen kontrollierten: Weil diese teilweise im geladenen Zustand und zusammen mit Munition in einem Waffenschrank gelagert waren, stellte die Polizei fünf Gewehre sicher. Gegen den Jäger wurde Anzeige erstattet.

15.11.16: Jäger nimmt Geisel - Schuss in Fuß (1 Verletzte)
Ein 69-jähriger Hobbyjäger hat im Kreis Stade eine 19-Jährige als Geisel genommen, sie mit der Schusswaffe bedroht und ihr offenbar in den Fuß geschossen. Dies berichtet die Wolfsburger Allgemeine Zeitung in ihrer Printausgabe vom 15.11.2016. Der Jäger sei von einem Spezial-Einsatz-Kommando der Polizei Hannover überwältigt und festgenommen worden. Laut einem in der Neuen Presse Hannover vom 14.11.2016 wollte der Hobbyjäger mit der Geiselnahme der 19-Jährigen die Rückkehr der Mutter der jungen Frau, die gleichzeitig seine Ex-Frau ist, erzwingen.

4.12.16: Jagdunfall - Jäger schwer verletzt (1 Schwerverletzter)
Jagdunfall: Ein 55-jähriger Jäger ist auf der Pirsch an der Kampenwand in Aschau im Chiemgau zehn Meter tief abgestürzt und wurde schwer verletzt. Dies berichtet die Passauer Neue Presse am 4.12.2016. Demnach musste der Jäger in einer aufwändigen Rettungsaktion geborgen und mit einem Polizeihubschrauber in eine Münchner Klinik geflogen werden.

8.12.16: Kugel schlägt in Werkstatt ein (Gefährdung Unbeteiligter)
„Jäger trifft statt Wildschwein eine Werkstatt - Eifeler Bauer muss wochenlang auf Entschuldigung warten“, titelt der Trierer Volksfreund am 8.12.2016. Demnach hatten mehr als 30 Jäger eine Treibjagd neben einem Bauernhof veranstaltet. Auf einmal schlug die Kugel eines Jägers in die Werkstatthalle ein, in der gerade ein Landwirt seine Futtermaschine reparierte – und brachte diesen in Lebensgefahr. "Nur wenige Minuten zuvor habe ich vor dem Fenster genau in der Höhe, in der die Kugel einschlug, auf dem Futterwagen gearbeitet ", wird der Landwirt von der Zeitung zitiert.
11.12.16: Treibjagd - Autofahrerin lebensgefährlich verletzt (1 Verletzter, eine lebensgefährlich Verletzte)
Lebensbedrohliche Verletzungen hat eine 40-jährige Frau bei einem Unfall auf der B 51 bei Stadtkyll erlitten. Laut Polizei hatten zum Zeitpunkt einer Treibjagd mehrere Hirschkühe plötzlich die Fahrbahn überquert, ein Tier wurde vom Auto erfasst und in die Windschutzscheibe geschleudert. Der Fahrer des Wagens wurde leicht verletzt mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, die Beifahrerin erlitt lebensgefährliche Verletzungen. (Kölner Stadtanzeiger, 11.12.2016)

14.12.16: Autofahrerin gerät in Jagd
In Eichstätt nimmt eine Frau mehrere Schüsse wahr, als sie in einen Waldweg einbiegt. Unter Schock meldet sie es der Polizei und muss ärztlich behandelt werden. (Donaukurier, 14.12.2016)

28.12.16: Auto während Treibjagd beschossen (Gefährdung Unbeteiligter)
„Ist in Mittelsachsen ein Citroen während einer Treibjagd beschossen worden?“, fragt tag24.de am 28.12.2016. Demnach hörten der Fahrer und die Beifahrerin des Autos nach dem Ortsausgang Bräunsdorf ein seltsames Geräusch. Als sie nachschauten, sahen sie, dass der linke Scheinwerfer und der linke Kotflügel beschädigt waren. „Die Art der Beschädigungen lassen darauf schließen, dass das Auto von einem Projektil getroffen wurde“, berichtet tag24.de. „Die beiden Insassen hatten Glück im Unglück, sie blieben unverletzt.“ Der Schaden belaufe sich auf rund 2000 Euro. Laut Polizei werde nun geprüft, ob die Beschädigungen während einer Treibjagd in einem kleinen Wald bei Bräunsdorf passiert sind.