Pressemeldungen 2016

Luxemburg: Fuchsjagdverbot weiter verlängert

 

Grundstück im Münsterland ab 2017 jagdfrei!

 

Verhindert Niedersachsen jagdfreie Grundstücke?

 

Jagdverbot auf Privatgrundstück in der Eifel

 

Schon wieder Tote durch Jäger

 

Vorbild Luxemburg: Fuchsjagdverbot verlängert

 

Österreich: Jagdgegner vor Verfassungsgerichtshof

 

Abschaffung der Hobbyjagd jetzt!

 




Luxemburg: Fuchsjagdverbot wieder verlängert

Die Regierung von Luxemburg hat das seit 2015 bestehende Verbot der Fuchsjagd um ein weiteres Jahr verlängert. Dies meldet das Luxemburger Wort am 14.12.2016.
Laut Camille Gira, Staatssekretär im Nachhaltigkeitsministerium, gebe es keine Gründe, die bestehende Regelung abzuändern. "Ich bin zufrieden mit dem Umstand, dass auch Landwirte und Jäger keine größeren Probleme mehr mit dem Verbot haben", so Gira.

Der kleine Staat kann damit als großes Vorbild für Europa dienen: Statt sich einseitig den Abschussinteressen der Jägerlobby unterzuordnen, setzt die luxemburgische Regierung darauf, Belange von Natur- und Tierschutz bei der Jagdgesetzgebung angemessener zu berücksichtigen. Die Botschaft: Auch Wildtiere brauchen Schutz vor ungerechtfertigten Nachstellungen.


Als das Fuchsjagdverbot 2015 zum ersten Mal verkündet wurde, malte der Luxemburgische Jagdverband in öffentlichen Stellungnahmen Schreckensszenarien ausufernder Fuchsbestände und um sich greifender Wildseuchen an die Wand.
Dies ist alles nicht eingetreten.

In Luxemburg wurden 2016 um die 150 tote Füchse, die am Straßenrand aufgesammelt wurden, auf eventuelle Krankheiten untersucht. Bei nur einem Drittel konnte eine Infizierung mit dem Fuchsbandwurm festgestellt werden. Das wäre absolute europäische Norm, so Staatssekretär Gira. Tollwutinfektionen konnten keine gefunden werden.

Ein Blick auf langjährig fuchsjagdfreie Gebiete zeigt, dass das Jagdverbot auch weiterhin keineswegs das ökologische Gleichgewicht aus den Angeln hebt. Ob in den Dünengebieten Nordhollands, dem jagdfreien Schweizer Kanton Genf, Nationalparks wie Berchtesgaden und Bayerischer Wald oder fuchsjagdfreien Großrevieren in ganz Europa: Überall dort hat weder eine Massenvermehrung von Füchsen stattgefunden noch hat die Häufigkeit von Wildseuchen zugenommen. Es gibt daher auch keinen Anlass zu der Annahme, dass die Situation in Luxemburg sich in den nächsten Jahren anders entwickeln wird.

Literatur:
· Dag Frommhold (2015): Einjähriges Jagdverbot auf Füchse in Luxemburg: Jagdlobbyismus gegen Reineke.
www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/luxemburg.html
· Dag Frommhold (2015): Fuchsbandwurm: Risikofaktor Jagd
www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/fuchsbandwurm.html
· Dag Frommhold (2006): Fuchsjagd in den Niederlanden - Quo vadis, Reineke?
www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/quovadis.html
· Teunissen W, Schekkermann H, Willems F. (2006): Predatie bij weidevogels. Op zoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand.
Gutachten im Auftrag von Sovon ogelonderzoek Nederland, Alterra
· Der Fuchs bleibt weiter unbehelligt. Luxemburger Wort, 29.1.2016
· Bilanz nach Fuchsjagdverbot: "Keine wesentlichen Probleme". Luxemburger Wort, 21.1.2016



Grundstück im Münsterland ab 2017 jagdfrei!

»Endlich geschafft – unser rund 17.100 m2; umfassendes Grundstück im Münsterland wird zum 01.04.2017 jagdfrei!«, freut sich Dipl.-Ing. Dirk Leifeld. Im Bereits im Dezember 2014 hatten der Landschaftsarchitekt und seine Frau aus ethischen Gründen einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks bei der Unteren Jagdbehörde des Kreises Warendorf gestellt. Es folgte ein langer und steiniger Weg und eine Klage vor dem Verwaltungsgericht. Schließlich entschied das Verwaltungsgericht Münster: Das 1,7 ha große Grundstück wird ab 01.04.2017 offiziell jagdfrei.


Landschaftsarchitekt Dirk Leifeld berichtet: »Seit fast 9 Jahren wohnen wir nun schon mit unserer inzwischen 8-jährigen Tochter auf unserem kleinen, zuvor durchsanierten ‚Kotten’ im Außenbereich von Oelde, zusammen mit unseren 4 Pferden, 3 (kastrierten) Katzen und unserem Hund. Wir als Naturschützer haben uns sehr gefreut, dass wir durch unsere Hilfsmaßnahmen bald auch geschützte und gefährdete Arten wie Steinkauz, Schleiereule, Turmfalke, Feldsperling, Zwergfledermaus – um nur einige zu nennen – auf unserem Grund und Boden ansiedeln konnten.«

Tierfreunde wollen Jagd in ihrem Biotop nicht dulden

Bald musste die Familie erleben, wie sich Jäger in ihrem Biotop einfanden. Als Tier- und Naturfreunde war dies für sie unerträglich: »Wir sehen die bei uns praktizierten herbstlichen Niederwild-Treibjagden auf Feldhase, Wildkaninchen und Jagdfasan als völlig sinnlosen, ethisch unerträglichen ‚Massenmord’ an: Feldhase und Kaninchen stehen in Nordrhein-Westfalen auf der Vorwarnliste; der Jagdfasan ist vor Jahrhunderten – wie der Name schon sagt – zu rein jagdlichen Zwecken eingeführt worden – ohne ‚Hegemaßnahmen’ durch die Jägerschaft könnte er bei uns nicht überleben. Es fehlt also jeglicher vernünftige Grund, diese drei bei uns regelmäßig vorkommenden Niederwildarten zu töten.«

»Nie werden wir den Schrotregen vergessen«

Hinzu kam die Gefährdung der Tiere auf dem Hof sowie die Gefahr für Leib und Leben der Familie: »Nie werden wir den Schrotregen vergessen, der etwa im Jahr 2009 auf uns niederging und vor allem die im Paddock eingesperrten Pferde sowie unseren Hund in Panik versetzte. Die Jagd auf unserem Grundstück stellt in unseren Augen eine unzumutbare Belastung dar, da sie in keiner Weise dem Wohl der Allgemeinheit dient, sondern ausschließlich dem zweifelhaften Privatvergnügen der Jäger!«

Dem Antrag auf jagdrechtliche Befriedung wollte die Jagdbehörde erst mit Ablauf des Jagdpachtvertrags 2024 stattgeben

Im Dezember 2014 stellte das Ehepaar einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung bei der Unteren Jagdbehörde des Kreises Warendorf.

»Einen ersten Befriedungsbescheid haben wir dann tatsächlich im Juni 2015 erhalten – das neue Jagdjahr war leider schon angefangen – ein Schelm, der Böses dabei denkt. Der Haken dabei: Die Befriedung sollte erst zum 01.04.2024, dem Ende des aktuellen Pachtvertrages, in Kraft treten! Das war und ist für uns nicht nachvollziehbar, denn ethische Bedenken sind selbstverständlich nicht aussetzbar, schon gar nicht 9 Jahre lang! Da dieses Vorgehen der Jagdbehörden aber insbesondere in konservativ geprägten Regionen leider gängige Praxis ist, haben wir im Juli 2015 beim Verwaltungsgericht Münster dagegen geklagt – letztlich mit Erfolg!«

Ende März 2016 - es war fast schon ein weiteres Jagdjahr vergangen – kam es nach einem mühsamen Schriftwechsel in Form von Stellungnahmen seitens der Unteren Jagdbehörde und der Familie Leifeld uns zu einer Anhörung vor Gericht, in der beide Seiten noch einmal ihre Argumente vortragen konnten. Anschließend wurde die Klage von beiden Seiten dem Gericht ohne weitere Verhandlung zur Entscheidung übergeben.

Auf Drängen der Unteren Jagdbehörde wegen weiterer ähnlich gelagerter Anträge im Kreis Warendorf hat das Gericht im August 2016 dann zu Gunsten der Grundstückseigentümer entschieden und die Untere Jagdbehörde verpflichtet, die Befriedung zum nächstmöglichen Zeitpunkt, nämlich dem 01.04.2017 (Beginn des neuen Jagdjahres) zu erteilen (Aktenzeichen 1 K 1607/15).

»Wir hoffen, dass das Urteil ein bisschen etwas bewegen kann in Deutschland, denn wir haben die üble Praxis "Befriedung grundsätzlich erst zum Ende des Pachtvertrages" kippen können«, erklärt der Landschaftsarchitekt. »Wir konnten während des ganzen Verfahrens übrigens auf einen Rechtsbeistand verzichten, da wir so viele wertvolle Tipps von Gleichgesinnten bekommen haben, wofür wir uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken möchten!«



Verhindert Niedersachsen jagdfreie Grundstücke?

60 Grundbesitzer aus Niedersachsen haben sich in den vergangenen zwei Jahren bereits bei den zuständigen Jagdbehörden ihrer Landkreise gemeldet. Doch die Anträge wurden fast immer abgelehnt. Nur fünfmal wurde bisher einem Antrag stattgegeben und damit ein Privatgrundstück von der Jagd befriedet.

Der NDR hat für die Sendung Sendung Hallo Niedersachsen (3.3.2016) beim niedersächsischen Landwirtschaftsministerium (das übrigens von einem Minister der GRÜNEN geführt wird), nachfragt, warum es in Niedersachsen nur so wenigen Antragstellern gelungen sei, ihr Grundstück zu befrieden. Die Antwort: »Das Jagdrecht sieht grundsätzlich eine flächendeckende Bejagung vor. Befriedungen von Flächen sind Ausnahmen von gesetzlichen Grundsätzen, die eng ausgelegt werden.« Die Politik des grünen Landwirtschaftsministeriums scheint vor allem lodengrün zu sein... weiterlesen


Susanne Ihden besitzt im Landkreis Lüneburg ein vier Hektar großes Grundstück mit Wald, Wiese und Wasserflächen, auf dem sie ein Biotop für Natur und Tiere geschaffen hat. Als sie 2003 das Grundstück erwarb, wusste sie noch nicht, dass auf dem Gelände auch gejagt werden darf. Dies war für sie ein Schock, denn die Vegetarierin und Tierschützerin lehnt das Töten von Tieren grundsätzlich ab. Dann erfuhr sie, dass ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte es Grundstückseigentümern möglich macht, ihre Flächen jagdfrei zu stellen.

Vor einem Jahr hat Susanne Ihden einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks bei der unteren Jagdbehörde des Kreises Lüneburg gestellt. Doch wie die meisten Anträge von Grundstückseigentümern in Niedersachsen ist auch dieser bei den Behörden gescheitert, berichtet der NDR in der Sendung »Hallo Niedersachsen« (3.3.2016).

So wurde in Niedersachsen noch nicht einmal jeder zwölfte Antrag von Grundeigentümern auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen bewilligt. Dagegen sei laut NDR-Informationen in Baden-Württemberg mehr als jedem zweiten Antrag stattgegeben worden, in Schleswig-Holstein 40 Prozent der Anträge, in Bayern 26 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 23 Prozent. Die häufigsten Ablehnungsgründe der niedersächsischen Behörden: Durch jagdfreie Grundstücke würde es angeblich übermäßige Wildschäden und Wildunfälle geben.

Dabei hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) 2012 ein eindeutiges Urteil gegen die Bundesrepublik Deutschland gesprochen: Es ist nicht mit dem in der Menschen­rechtskonvention garantierten Schutz des Eigentums zu vereinbaren, wenn Grundstückseigentümer zwangsweise Mitglied in einer Jagdgenossenschaft sind und damit die Jagd auf ihrem Grund und Boden gegen ihren Willen dulden müssen.

Die Bundesregierung hatte vor dem Europäischen Gerichtshof unter anderem ebenfalls mit der angeblichen Gefahr von Wildschäden und Wildunfällen durch jagdfreie Flächen argumentiert. Doch in der Entscheidung des höchsten europäischen Gerichts hatten die Menschenrechte der Grundstückseigentümer größeres Gewicht: Der EGMR hatte in seinem Urteil sämtliche von der Bundesregierung vorgetragenen öffentlichen Interessen mit dem Eigentumsrecht des Grundeigentümers abgewogen und kam dabei eindeutig zu dem Ergebnis, dass die Verpflichtung des Grundstückseigentümers zur Duldung der Jagd gegen das
Eigentumsrecht der Konvention verstößt - ohne Wenn und Aber.

Unmissverständlich hatte der renommierte Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Bayerischen Fernsehen erklärt: »Für das Wild ist das Urteil gut, weil es da und dort Ruhezonen schafft, die das Wild bei uns dringend braucht.« Ruhezonen könnten die gefürchteten Wildschäden vermindern: »Weniger Jagddruck, mehr Ruhezone, bedeutet für das Wild weniger Energieausgabe. Also muss es weniger Nahrung zu sich nehmen, weil es weniger herumwandern muss. Was es frisst, entnimmt es verstärkt der Ruhezone. Dadurch werden die angrenzenden Flächen eher entlastet als durch das Wild belastet.« (BR »Unser Land«, 16.11.2012)

Susanne Ihden aus dem Landkreis Lüneburg will gegen den Bescheid der Jagdbehörde klagen. »Ich gebe nicht auf«, sagt sie gegenüber dem NDR. »Ich tue einfach alles, dass dieses Grundstück irgendwann befriedet ist.«



Jagdverbot auf Privatgrundstück in der Eifel

Erfolg vor dem Verwaltungsgericht Aachen: Ein Ehepaar muss nicht länger hinnehmen, dass auf seinem Wald- und Wiesengrundstück gejagt wird. (VG Aachen, 23.2.2016, 3 K 1667/14).

Dr. Hans-Peter Schiffer und seine Frau Dr. Renate Käthe Schiffer sind bekennende Vegetarier und Pazifisten: Als Ärzte fühlen sie sich dem Leben verpflichtet, weshalb sie seit Jahrzehnten kein Fleisch mehr essen. Die Natur- und Tierliebhaber können es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass Jäger ihrem 9,8 Hektar großen Grundstück in Odesheim in der Eifel (Nordrhein-Westfalen) Tiere tot schießen. Das Ehepaar musste 2015 sogar eine Treibjagd auf seinem Wald- und Wiesengrundstück miterleben: Schüsse seien nur 30 Meter neben ihm und seiner Frau eingeschlagen, so Dr. Schiffer. Mit ihrem Grundstück sind die Schiffers automatisch Mitglied in der Jagdgenossenschaft Mutscheid.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte am 26.06.2012 entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, sofern der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt.


Dr. Schiffer stellte bei der unteren Jagdbehörde des Kreises Euskirchen einen Antrag, das Grundstück aus ethischen Gründen zu befrieden und sich auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte berufen. Der Kreis lehnte den Antrag jedoch ab. Der Grundstückseigentümer legte gegen den Bescheid Widerspruch ein.

Mit einem Vergleich konnten die Kläger am 24.2.2016 einen durchgreifenden Erfolg vor der 3. Kammer des Verwaltungsgerichts Aachen verbuchen: Ab sofort und für die nächsten vier Jahre gilt ihr Grundstück als jagdfreies Gebiet – nach offizieller Sprachregelung für »Erprobungs- und Evaluierungszwecke«.
Die Ausübung der Jagd ist damit bis zum März 2020 auf den Wald- und Wiesengrundstücken des Ehepaars Schiffer ausgesetzt. Eine Ausnahme ist laut Vereinbarung nur bei der Nachjagd oder bei Wildschäden möglich. Zudem müssen Hochstände und Ansitze vom Grund und Boden der Schiffers zu entfernt werden. Sollte auf ihrem Grundstück in den nächsten vier Jahren doch wieder scharf geschossen werden, können die Schiffers das ruhende Verfahren vor dem Aachener Verwaltungsgericht jederzeit fortführen und auf die jagdrechtliche Befriedung ihrer Ländereien klagen.

»Der vor dem Verwaltungsgericht Aachen geschlossene Vergleich, das Grundstück des Ehepaars Schiffer zumindest für mehrere Jahre zur jagdfreien Zone zu erklären, ist ein entscheidender Erfolg im Engagement der Jagdgegner gegen die Zwangsbejagung auf privaten Grünflächen«, kommentiert Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA, der als Prozessbeobachter anwesend war. Allerdings sei bei diesem Prozess die Verquickung von Behörden und der Jägerschaft erneut sehr deutlich geworden: »Obwohl die Klage der Eheleute gegen den Kreis Euskirchen lief, wurde der Prozess auf Beklagtenseite maßgeblich vom beigeladenen zuständigen Jagdpächter sowie der Jagdgenossenschaft Mutscheid bestritten. Auch der Landkreis Euskirchen schickte einen Jäger als Vertreter der Behörde zum Prozess. Das Gericht forcierte trotzdem maßgeblich den nach über fünf Stunden Verhandlung geschlossenen Vergleich im Sinne des Tierschutzes. Dennoch ist es juristisch nicht tragbar, dass Menschen ihr Recht auf ein Ende der Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft bis vor dem Verwaltungsgericht einklagen müssen – aufgrund der in Behörden und Politik bestens vernetzten Jägerlobby ist dies allerdings nicht verwunderlich.«
 
Grünflächen, die kleiner als 75 Hektar sind, gehören automatisch einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk an. Die Eigentümer sind somit Zwangsmitglied in einer Jagdgenossenschaft. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat am 26.06.2012 entschieden: Es ist nicht mit dem in der Menschenrechtskonvention garantierten Schutz des Eigentums zu vereinbaren, wenn Grundstückseigentümer zwangsweise Mitglied in einer Jagdgenossenschaft sind und damit die Jagd auf ihrem Grund und Boden gegen ihren Willen dulden müssen.

Aufgrund des Urteils des höchsten europäischen Gerichts wurde die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, ihre Jagdgesetzgebung entsprechend zu ändern. Am 6.12.2013 ist das »Gesetz zur Änderung jagdrechtlicher Vorschriften« in Kraft getreten. Grundstückseigentümer können bei der unteren Jagdbehörde einen Antrag stellen, dass Ihr Grundstück jagdrechtlich befriedet wird.



Schon wieder Tote durch Jäger

Ein Jäger hat in Niedersachsen am 8.2.2016 erst den neuen Partner seiner Ex-Freundin und anschließend sich selbst erschossen. Wenige Tage zuvor hatte ein Jäger einen Kollegen bei der Fuchsjagd angeschossen und schwer verletzt. Am Neujahrsabend hatte ein Jäger aus Versehen seine 16-jährige Tochter erschossen.
»Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können«, fordert Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd. Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd jetzt!


Wieder und wieder erschüttern Meldungen über Jagdunfälle, Straftaten mit Jägerwaffen und Bedrohungen durch Jäger die Öffentlichkeit. Wer weiß schon, dass hunderte Menschen in den letzten zehn Jahren in durch Jäger und Jägerwaffen starben?

Glaubt man der Jäger-Propaganda in Zeitungen und Fernsehberichten, wäre Deutschland ohne Jagd dem Untergang geweiht: Jäger retten den Wald vor Rehen und Hirschen. Jäger retten die Landwirtschaft vor der Verwüstung durch Wildschweinhorden. Jäger schützen die Bevölkerung vor Seuchen: vor Fuchsbandwurm, Tollwut und (nachdem es in Deutschland keine Tollwut mehr gibt) vor Räude und Staupe. Ohne Jäger würden die Wildtiere überhand nehmen - schließlich gibt es keine großen Raubtiere mehr.

Im Übrigen seien Jäger anerkannte Naturschützer. Wer das nicht verstehe, sei ein naturentfremdeter Städter. Zum Unglück der Jäger glauben immer weniger Menschen das Jägerlatein. Zumal namhafte Biologen und Zoologen in der Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass die Natur sich in unbejagten Gebieten selbst reguliert - und die Jagd somit überflüssig ist. Eine großangelegte wissenschaftliche Langzeitstudie wies gar nach, dass starke Bejagung die Vermehrung von Wildschweinen fördert - und somit absolut contraproduktiv ist.

"Jagd - weil sie uns Genuss und Lust bereitet"
Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche räumt in seinem Buch »Jagen, Sex und Tiere essen: Die Lust am Archaischen« (Neumann-Neudamm, 2012) mit den gängigen Begründungen und Rechtfertigungen für die Jagd auf, die da sind: Jäger als Ersatz für Großraubwild, Jäger als Bekämpfer von Wildschäden und Seuchen, Jäger als Naturschützer und Biotop-Pfleger, Waidgerechtigkeit... Ein Jäger, der diese Gründe für die Jagd anführe, würde lügen, so der jagende Rechtsanwalt. Und er gibt offen zu:

»Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen, als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts. Deren Anforderungen regeln höchstens, wie wir jagen, nicht aber ob wir es tun.«
Und weiter: »Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.«

»Jagdtrieb« und »Kick« beim Töten

Über Über den »Jagdtrieb« und den »Kick« beim Töten hat ein Jäger sogar eine Doktorarbeit geschrieben. In seiner Dissertation "Die Jagd als Mechanismus der biotischen und kulturellen Evolution des Menschen" (2003) schreibt Günter R. Kühnle: »Weltweit wird die Wildjagd unserer Zeit selten noch aus rein praktischen Motiven (z. B. Nahrungsjagd), sondern um eines starken emotionalen Erfolges Willen (der Kick beim Töten des Tieres, Freude, Glück, Zerstreuung, Entspannung, Abenteuer) oft mit großer Leidenschaft und Hingabe betrieben. ... Für die modernen Jäger unserer Zeit bedeutet das Töten des Wildes notwendige Bedingung zum Erreichen des oft leidenschaftlich intendierten emotionalen Ereignisses (der Kick).«

Kühnle beschreibt den erlebten Kick beim Töten des Wildes als »die Erfahrung einer extremalen Befriedigung vermittels (virtueller) Macht über die dem Menschen mit dem Bewusstsein der Endlichkeit (Todesangst) unbeherrschbar und unabwendbar bedrohlich erscheinende Natur«.

Die Natur braucht keine Jäger

Jagd ist nicht nur überflüssig, sondern sogar contraproduktiv: Obwohl in Deutschland so viele Wildschweine geschossen werden, wie noch nie seit Beginn Aufzeichnungen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, steigt ihre Anzahl immer weiter. Denn so paradox es klingen mag: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, um so stärker vermehren sie sich. Eine Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer
deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. (Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009)

Jagd provoziert vielfach erst so genannte Wildschäden und den »Verbiss« im Wald. Rehe sind von ihrer Natur her Bewohner von Wiesen und dem Waldrand. Die Jagd treibt die Tiere in den Wald hinein, wo sie dann keine - für sie lebenswichtigen - Gräser und Kräuter finden und ihnen nichts anderes bleibt, als an Knospen zu knabbern. Zudem werden die Tiere durch die Jagd unnötig aufgescheucht, was ihren Nahrungsbedarf und damit die Fraßschäden oft weiter erhöht.

Die Jagd auf Füchse versuchen die Jäger gegenüber der Öffentlichkeit mit zwei Argumenten zu rechtfertigen: dem Schutz der Bevölkerung vor Tollwut und Fuchsbandwurm. Der Haken daran: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der »Weltorganisation für Tiergesundheit« als tollwutfrei. Und: Seit Jahren weisen Forscher darauf hin, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm übertrieben ist. In Deutschland ist kein einziger Fall einer Infektion über Waldbeeren dokumentiert.

Der renommierte Ökologie- und Evolutionsbiologe Prof. Dr. Josef Reichholf kam bei seinen langjährigen Forschungen zu dem Ergebnis, dass die Jagd - nach der industriellen Landwirtschaft - der »Artenfeind Nr. 2« ist.

»Es gibt keine Rechtfertigung mehr, dass wir den blutigen Krieg gegen unsere Mitgeschöpfe in Wald und Feld fortsetzen«, sagt Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd.



Luxemburg als Vorbild in Sachen Wildtierschutz

In Luxemburg wurde Anfang 2016 das seit 2015 bestehende Fuchsjagdverbot um ein weiteres Jahr verlängert. Der kleine Staat kann damit als großes Vorbild für Europa dienen: Statt sich einseitig den Abschussinteressen der Jägerlobby unterzuordnen, setzt die luxemburgische Regierung darauf, Belange von Natur- und Tierschutz bei der Jagdgesetzgebung angemessener zu berücksichtigen. Die Botschaft: Auch Wildtiere brauchen Schutz vor ungerechtfertigten Nachstellungen.



Fuchsjagdverbot verlängert

Von Dag Frommhold

Als das Jagdverbot auf Meister Reineke im letzten Jahr verkündet wurde, war der Protest des luxemburgischen Jagdverbands FSHCL massiv. Man startete Petitionen, zog vor Gericht, machte in der Presse publizistisch Hatz auf den Fuchs und die für das Jagdverbot verantwortlichen Politiker, allen voran den grünen Staatssekretär Camille Gira als Initiator der Regelung. In öffentlichen Stellungnahmen malte der FSHCL Schreckensszenarien ausufernder Fuchsbestände und um sich greifender Wildseuchen an die Wand. Dabei ist wissenschaftlich gut belegt, dass der Fuchsbestand sich weitestgehend unabhängig von jagdlichen Beeinflussungsversuchen entwickelt, weil intensive Bejagung die Fortpflanzungsraten in die Höhe schnellen lässt. Aus demselben Grund ist die Jagd auch zur Eindämmung von Tollwut oder Fuchsbandwurm ungeeignet – vieles deutet sogar darauf hin, dass diese sich bei hohem Jagddruck schneller ausbreiten können.

Trotz Protesten des Jagdverbands: Jagdverbot verlängert

Trotz der massiven Beeinflussungsversuche durch den Jagdverband setzten sich die Stimmen der Vernunft in der luxemburgischen Regierung durch. Ende Januar 2016 entschied sie, das Fuchsjagdverbot um zunächst ein weiteres Jahr zu verlängern.

Zuvor war ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Fuchsjagdverbots vor den Abgeordneten der zuständigen Parlamentsausschüsse eine Bilanz gezogen worden: Laut Natur- und Forstverwaltung seien nach der Einführung des Fuchsjagdverbots keine wesentlichen Probleme festgestellt worden. Auch der Vertreter des Gesundheitsministeriums hatte nichts zu bemängeln.

Um eventuelle Auswirkungen des Jagdverbots zu analysieren, wurde eine Expertengruppe eingesetzt, die aus Vertretern der Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit besteht. Sie soll eventuelle landwirtschaftliche Schäden durch Füchse bewerten und den Gesundheitszustand der Fuchspopulation überwachen.

Keine »Massenvermehrung« in jagdfreien Gebieten

Ein Blick auf langjährig fuchsjagdfreie Gebiete zeigt dabei, dass das Jagdverbot auch weiterhin keineswegs das vielzitierte ökologische Gleichgewicht aus den Angeln heben wird. Ob in den Dünengebieten Nordhollands, dem jagdfreien Schweizer Kanton Genf, Nationalparks wie Berchtesgaden und Bayerischer Wald oder fuchsjagdfreien Großrevieren in ganz Europa: Überall dort hat weder eine Massenvermehrung von Füchsen stattgefunden noch hat die Häufigkeit von Wildseuchen zugenommen. Es gibt daher auch keinen Anlass zu der Annahme, dass die Situation in Luxemburg sich in den nächsten Jahren anders entwickeln wird.

Jäger ziehen vor Gericht

Vielleicht aus genau diesem Grund will der FSHCL nicht auf die Ergebnisse der Expertenkommission warten, sondern versucht, gerichtlich gegen das Fuchsjagdverbot vorzugehen. Die Argumente, derer man sich dabei bedient, sind reichlich angestaubt und längst widerlegt: Abermals muss der Fuchsbandwurm herhalten; zudem bemüht man eine Studie der niederländischen Organisation SOVON zum Einfluss von Beutegreifern auf Wiesenvögel. Diese soll angeblich den Ausschlag dafür gegeben haben, dass der Fuchs nach einer gut dreijährigen Jagdruhe in den Niederlanden 2005 wieder zum Abschuss freigegeben wurde. Tatsächlich erfolgte die Jagdfreigabe jedoch bereits vor Abschluss der Untersuchung – und zwar auf massiven Druck der Jägerschaft, die in der damals gerade gewählten Mitte-Rechts-Regierung viele Fürsprecher hatte. Wolf Teunissen und Hans Schekkerman, Hauptautoren der Studie, protestierten damals vehement gegen die Vorverurteilung des Fuchses. Ihre Forschungsarbeiten ergaben nämlich, dass der Fuchs nur einen vergleichsweise unbedeutenden Einfluss auf Wiesenvogelpopulationen besitzt. Zur eigentlichen Kernfrage, ob die Fuchsjagd diesen Einfluss verändern kann, trafen sie überdies gar keine Aussage.

Luxemburg: Vorbild für ganz Europa?

Argumentativ steht die Jägerschaft also auf verlorenem Posten. Es ist daher zu hoffen, dass Luxemburg auch in Zukunft am Fuchsjagdverbot festhalten wird. Was den Wildtier- und Naturschutz angeht, kann das Großherzogtum damit zum Vorbild für ganz Europa werden: Die Schonung von Meister Reineke zeigt exemplarisch auf, dass nicht Jagdlust und Beuteneid, sondern Verstand und Empathie unseren Umgang mit Wildtieren prägen sollten.

Literatur:
· Dag Frommhold (2015): Einjähriges Jagdverbot auf Füchse in Luxemburg: Jagdlobbyismus gegen Reineke.
www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/luxemburg.html
· Dag Frommhold (2015): Fuchsbandwurm: Risikofaktor Jagd
www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/fuchsbandwurm.html
· Dag Frommhold (2006): Fuchsjagd in den Niederlanden - Quo vadis, Reineke?
www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/quovadis.html
· Teunissen W, Schekkermann H, Willems F. (2006): Predatie bij weidevogels. Op zoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand.
Gutachten im Auftrag von Sovon ogelonderzoek Nederland, Alterra
· Der Fuchs bleibt weiter unbehelligt. Luxemburger Wort, 29.1.2016
· Bilanz nach Fuchsjagdverbot: "Keine wesentlichen Probleme". Luxemburger Wort, 21.1.2016



Österreich: Jagdgegner vor Verfassungsgerichtshof

In Österreich haben Grundeigentümer bisher keine Möglichkeit, die Jagd auf ihren Flächen zu verbieten. Ein Waldbesitzer aus Kärnten reichte deswegen Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof ein. „Damit könnte das Kärntner Jagdgesetz aufgehoben werden“, so der ORF am 19.01.2016.
Der Tierschützer und Veganer hatte bei der Bezirkshauptmannschaft Spittal einen Antrag auf Jagdfreistellung gestellt, weil er die Jagd aus ethischen Gründen grundsätzlich ablehne. Die Behörden lehnten den Antrag ab, weil das Jagdgesetz die Jagdfreistellung aus ethischen Gründen nicht vorsehe. Nachdem der Waldbesitzer beim Landesverwaltungsgericht keinen Erfolg hatte, legte er Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof ein.

Der Verfassungsgerichtshof prüft nun, ob das Jagdgesetz verfassungskonform ist: Der Waldbesitzer ist bisher verpflichtet, eine Aktivität auf seinem Grundstück dulden zu müssen, die er aus ethischen ablehnt. Der Eingriff in das Eigentumsrecht scheine „eine besondere Intensität aufzuweisen“, so die Verfassungsrichter im Prüfbeschluss.


Der Waldbesitzer beruft sich aus die inzwischen gefestigte Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte: Das höchste Europäische Gericht hatte am 26.06.2012 in einem Urteil gegen die Bundesrepublik Deutschland entschieden, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn ein Grundeigentümer die Jagd auf seinen Flächen hinnehmen muss, obwohl er sie aus ethischen Gründen ablehnt. Vorangegangen waren ähnliche Urteile 2007 gegen Luxemburg und 1999 gegen Frankreich.

Aufgrund des Urteils des höchsten europäischen Gerichts wurde die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, ihre Jagdgesetzgebung entsprechend zu ändern: Grundeigentümer können seit 2013 einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung aus ethischen Gründen stellen.



Abschaffung der Hobbyjagd jetzt!

Ein 52-jähriger Jäger hat im baden-württembergischen Hohenlohekreis aus Versehen seine 16-jährige Tochter erschossen. Die berichtet die Süddeutsche Zeitung am 4.1.2016. Demnach hatte der Jäger am Neujahrsabend zu Hause mit seiner doppelläufigen Schrotflinte hantiert, als sich mindestens ein Schuss löste und die Tochter tödlich traf. Den Ermittlungen zufolge sei der Jäger legal im Besitz der Schrotflinte gewesen.
„Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können“, fordert Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd. Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd jetzt!


Wieder und wieder erschüttern Meldungen über Jagdunfälle, Straftaten mit Jägerwaffen und Bedrohungen durch Jäger die Öffentlichkeit. Wer weiß schon, dass hunderte Menschen in den letzten zehn Jahren in durch Jäger und Jägerwaffen starben?

Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts, die sich über einen Zeitraum von 10 Jahren erstreckt, kommt es zu 100 Toten bei Familiendramen jährlich in Deutschland – meist mit legalen Waffen.

Schusswaffe im Haus erhöht Risiko von Familientragödien

„Wir haben in unserer eigenen Studie festgestellt, dass bei diesen Familientragödien sehr viel häufiger Schusswaffen zum Einsatz kommen... und zwar sehr oft auch legale Schusswaffen. Das bedeutet, dass die Schusswaffe – und das kann man auch aus internationalen Studien zeigen – einen eigenen Einfluss hat darauf, dass die Taten wahrscheinlicher werden“, so der Kriminologe Dietrich Oberwittler vom Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht.

Das ist ja leicht nachzuvollziehen: Unfälle mit Schusswaffen können nur da passieren, wo es Schusswaffen gibt. Kommt es in einem Jäger-Haushalt zum Beziehungsstreit, ist die Schusswaffe griffbereit - und der Jäger hat das Töten lange Jahre geübt. In Normal-Haushalten dagegen ist gar keine Schusswaffe vorhanden - also kann auch niemand erschossen werden.

In der Psychologie spricht man auch vom "Waffeneffekt": Wissenschaftlter haben in Experimenten nachgewiesen, dass das Vorhandensein von Waffen im Versuchslabor bei frustrierten Versuchspersonen zu einem höheren Aggressionsniveau (Aggression) führte im Vergleich zu Situationen, in denen nur harmlose Alltagsgegenstände (z.B. Federballschläger) lagen. "Es wird dabei davon ausgegangen, dass Waffen mit Aggression assoziiert werden und von daher die Waffen als aggressive Hinweisreize fungieren und es so zu erhöhter Aggression kommt", heißt es im Lexikon der Psychologie (DORSCH, 17. Aufl.).

Tote und Verletzte bei Jagdunfällen

Doch der Einsatz von Jagdwaffen bei Familientragödien ist nicht das einzige Problem: Immer wieder schrecken Meldungen über so genannte Jagdunfälle die Öffentlichkeit auf und machen deutlich, dass die Jagd nicht nur für Wildtiere und Haustiere gefährlich ist, sondern auch für Menschen.



Tote durch Jäger und Jägerwaffen: Bilanz 2015

Seit dem Jahr 2001 dokumentiert die Initiative zur Abschaffung der Jagd die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen. Auch in diesem Jahr schockierten Meldungen über Menschen, die von Jägern erschossen wurden, die Öffentlichkeit: 2015 gab mindestens 23 Tote durch Jäger und Jägerwaffen.Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!


Liest man die Todesmeldungen, so fällt auf, dass es sich dabei weniger um klassische Jagdunfälle (»Jäger verwechselt Jagdkollegen mit Wildschwein«) handelt, sondern vor allem um Beziehungstaten (»Jäger erschießt Ex-Freundin und Nebenbuhler«, »Jäger erschießt Ehefrau«, »Jäger erschießt Vater«) und andere bewaffnete Auseinandersetzungen (»Jäger erschießt Nachbarn«, »Jägerin erschießt Vermietern«) handelt.

Meldungen über klassische Jagdunfälle gab es vor allem während der Erntejagden von August bis Oktober mit Beginn der herbstlichen Jagdsaison zu, wenn also mehrere Jäger ein Feld umstellen, um während der Ernte auf fliehende Tiere zu schießen oder bei den so genannten Gesellschaftsjagden, wenn bei Treib- und Drückjagden 25, 50 oder noch mehr Schützen Jagd auf Wildschweine oder Rehe machen. Dabei wurde wie in den letzten Jahren auch der ein oder andere Treckerfahrer getroffen, sogar ein Junge auf einem Trecker sowie ein Junge auf dem Fahrrad, doch die meisten Jagdunfälle endeten zum Glück nicht tödlich. Die schreckliche Ausnahme: Im Havelland hatte ein Jäger vom Hochsitz aus auf ein Liebespaar geschossen. Der junge Mann wurde tödlich getroffen, seine Freundin schwer verletzt, so dass sie notoperiert werden musste.
Einen weiteren tödlichen Jagdunfall gab es im Januar, als sich ein Jäger beim Herabsteigen vom Hochsitz aus Versehen selbst erschoss.

Jährlich werden den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften über 800 Jagdunfälle (andere Quellen sprechen von bis 1600) gemeldet.
Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen (Jäger erschießt Frau oder Nachbarn) gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat. Weder der Jagdverband noch staatliche Behörden noch das statistische Bundesamt führen Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen nur die »Strecke« der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys.



Tote durch Jäger und Jägerwaffen

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen kann. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

21.12.2015: Beziehungsdrama mit Jäger: 3 Tote, 1 schwer Verletzter
Ein Jäger hat in Bayreuth drei Menschen erschossen und einen Mann schwer verletzt. Dies berichtet der Nordbayerische Kurier am 21.12.2015.
Der Jäger erschoss zunächst seine 32-jährige Ex-Freundin, ihren Vater und verletzte ihren Freund schwer. Dann erschoss er sich selbst. „Der 41-Jährige war Jäger, die Tatwaffe besaß er legal“, so die Zeitung.

25.11.15: Jäger erschoss Vater und sich, Mutter verletzt (2 Tote)
Ein 22-jähriger Jäger hat auf seine Eltern geschossen: Der Vater, ebenfalls Jäger, wurde mit einer Jagdwaffe erschossen, die Mutter überlebte schwer verletzt. Anschließend tötete der Sohn sich selbst: Die Polizei fand die Leiche in der Nähe eines Hochsitzes. Dies meldet der NDR am 25.11.2015.

29.9.15: Jäger erschießt Ehefrau und sich selbst (2 Tote)
Im Hunsrück soll ein 46-Jähriger seine 42-jährige Ehefrau erschossen haben, weil sich die Frau von ihm trennen wollte. Die Leiche des Jägers wurde mit Schussverletzungen im Wald neben einem Hochsitz gefunden. Dies berichtet der SWR am 29.9.2015. „Der Familienvater, der auch Jäger war, hat sich dort offenbar selbst das Leben genommen.“

11.9.2015: Stieftochter erschossen (1 Tote)
Ein 42-Jähriger hat in Freiburg seine 21 Jahre alte Stieftochter erschossen. Dies meldet die Badische Zeitung am 11.9.2015. Hintergrund sollen Familienstreitigkeiten gewesen sein. Der Täter stellte sich der - die Schusswaffe hatte er noch bei sich. Ob der Mann Jäger oder Schütze war, ist noch nicht bekannt.

10.9.15: Jäger erschießt Mann, verletzt Frau schwer (1 Toter)
Ein Jäger hat im Havelland bei Nauen vom Hochsitz aus auf ein Pärchen geschossen, dass es sich abends in einem Feld auf einer Decke und mit einem Getränk gemütlich gemacht hatte. Der 31-jährige Mann wurde erschossen, seine 23-jährige Freundin schwer verletzt, so dass sie notoperiert werden musste. „Laut Polizei und Staatsanwalt sagte der 30-jährige Jäger in einer ersten Vernehmung, dass er ein Rascheln im Feld gehört und geglaubt habe, dass es Wild sei“, berichtet die Märkische Allgemeine am 10.9.2015. Erst als er von seinem Hochsitz stieg, um zu sehen, was er erlagt habe, hätte er den tödlichen Irrtum bemerkt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Jäger wegen fahrlässiger Tötung.

1.9.15: 85-Jähriger erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
„Familientragödie in Nürnberg: Mann tötet seine Frau – und sich selbst“, meldet der Bayerische Rundfunk am 01.09.2015. Demnach hat ein 85-Jähriger seine Ehefrau mit einem Gewehr erschossen. Anschließend tötete er sich selbst. Die Tatwaffe sei ein Gewehr gewesen, das der Rentner legal besessen habe.

31.8.2015 Ehefrau und einen Nachbarn erschossen (2 Tote)
Weil er erst seinen Nachbarn und dann sein Ehefrau erschossen haben soll, hat die Paderborner Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen einen 46-Jährigen erhoben. Dies berichtet das Westfalenblatt am 31.8.2015.
Ob der Mann Jäger oder Schützer ist, war der Presse nicht zu entnehmen.

30.6.15: Jäger erschießt Nachbarn und sich (2 Tote)
„Zwei Tote nach Streit unter Nachbarn“, titelte BILD am 30.6.2015. Demnach soll ein 74-jähriger Jäger und Sportschütze seinen 77-jährigen Nachbarn vor dessen Haus in Meisdorf/Harz erschossen haben. Im Anschluss erschoss sich der Jäger selbst. Vorangegangen war immer wieder Nachbarschaftsstreit. Der Todesschütze hatte laut Polizei eine Waffenberechtigung.

17.5.15: Schusswechsel zwischen Jäger und Polizei (1 Toter)
Tödlicher Schusswechsel zwischen einem Jäger und der Polizei: Ein 74-jähriger Jäger aus Hessen widersetzte sich der Einweisung in eine Klinik - offenbar mit der Jagdwaffe in der Hand. Vorher hatte der Jäger eine Eskalation der Situation angedroht, berichtete t-online.de am 17.5.2015. "Nach ersten Ermittlungen des LKA hatte der 74-Jährige zuerst auf die Polizeibeamten geschossen. Mehrere Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) schossen daraufhin auf den Mann und verletzten ihn tödlich."

13.5.15: Jäger erschießt Frau und sich (2 Tote)
"Jäger erschießt seine schlafende Frau und sich selbst", titelte FOCUS am 13.5.15. Demnach hat ein 71-jähriger Jäger im Kreis Böblingen seine 66-jährige schlafende Ehefrau und anschließend sich selbst erschossen.
BILD meldete am 14.5.2015: "Im Haushalt befanden sich mehrere Schusswaffen – legal und amtlich registriert."

25.4.15: Hobby-Jägerin erschoss offenbar ihre beiden Nachbarn (2 Tote)
„Doppelmord in Wermelskirchen: Hat Jägerin (45) ihre Nachbarn erschossen?“, titelte BILD am 25.4.2015. Demnach sind ein 62-jähriger Mann und eine 47-jährige Frau in ihrer Wohnung erschossen worden. Anwohner hörten die Schüsse und alarmierten die Polizei. „Eine dringend tatverdächtige Frau (45) wurde festgenommen“, so BILD. „Die 45-Jährige ist als Jägerin im Besitz von Lang- und Kurzwaffen.“

14.4.15: 74-Jähriger erschießt Freundin und sich (2 Tote)
„Mann tötet Freundin und sich selbst“, titelte der Remscheider Generalanzeiger am 14.4.2015. Demnach hat ein 74-Jähriger erst seine 71-jährige Freundin und dann sich selbst erschossen. Die Polizei gehe von einer Beziehungstat aus, so die Zeitung. Für die Tatwaffe, eine Pistole, besaß der Mann keine Erlaubnis, für ein Gewehr hatte er eine Waffenbesitzkarte, so der Remscheider Generalanzeiger zwei Tage später.

13.1.15: Jäger stirbt bei Jagdunfall (1 Toter)
Ein 50-jähriger Jäger wurde bei einem Jagdunfall im Unterallgäu tödlich verletzt. Dies berichtete die Augsburger Allgemeine am 13.1.2015.
Der Jäger wollte die Leiter seines Hochsitzes herabsteigen. Dabei löste sich ein Schuss, der den Jäger traf und ihn tödlich verletzte.

2.1.15: 78-Jähriger erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
Ein 78-jähriger Mann hat in der Sivesternacht erst seine Frau mit zwei Schüssen in den Bauch getötet und anschließend sich selbst erschossen. Vorangegangen war ein jahrelanger Scheidungskrieg.
In der gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Essen und der Polizei Essen heißt es: „Nach ersten Ermittlungen gehen die Beamten der Mordkommission davon aus, dass der 78-jährige Mann zunächst seine Frau und dann sich selbst erschossen hat. Eine Verwandte fand die leblose Seniorin (79) mit Schussverletzungen im Keller des Hauses. Ihr getrennt lebender Ehemann wurde anschließend in seiner Wohnung im gleichen Haus tot aufgefunden. Neben ihm lag die vermutlich zur Tat verwendete Schusswaffe.“
Ob der Mann Jäger oder Schütze war, ist nicht bekannt. BILD berichtete am 3.1.2015, dass er oft zum Fischen fuhr.




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