Luxemburg: Fuchsjagd wird verboten

Der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel teilte mit, dass die Fuchsjagd komplett verboten wird. Man gehe davon aus, dass sich die Fuchspopulation am besten selbst reguliere, so ein Sprecher des luxemburgischen Umweltministeriums (Volksfreund, 20.1.2015). »Wenn es zu wenig Nahrung gibt, gebe es weniger Nachwuchs. Werden die Bestände zu klein, würden die Füchse mehr Nachwuchs bekommen«, so ein Bericht in der Zeitung Luxemburger Wort am 16.1.2015.

Der Jagdverband ist empört und malt das Gespenst einer Fuchsplage an die Wand: Ein Verbot der Fuchsjagd würde die Verbreitung von Tollwut und Fuchsbandwurm nach sich ziehen.
»Das ist ein Schauermärchen, das die Jäger gerne erzählen«, so Camille Gira, Staatssekretär im Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur. »Die Chance, sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken, ist so minimal wie die, das einem ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.«
(l'essentiel online, 16.1.2015)
Es gebe aktuell »keinen objektiven Grund«, Füchse zu jagen, so Gira auf einer Pressekonferenz am 22.1.2015. Die geschossenen Füchse hätten »keine nützliche Verwendung« mehr, sei es als Nahrung oder als Pelz. Jedes Jahr würden »rund 3.000 dieser sympathischen Lebewesen« abgeschossen und dann in die Mülltonne geschmissen. Zudem sei die Tollwut bereits seit über zehn Jahren »ausgemerzt«.
Die Leitlinie der Regierung sei, eine »andere Umgangsweise mit Tieren« zu fördern, die einer »aufgeklärten Gesellschaft im 21. Jahrhundert gerecht werde, so Staatssekretär Gira. »Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die Gefühle haben und Schmerz empfinden«.
(Luxemburger Wort, 22.1.2015)


Seit Jahren weisen Forscher darauf hin, dass Infektion beim Verzehr von Waldbeeren mit dem Fuchsbandwurm ins Reich der Legenden gehört. Und: Sowohl Luxemburg als auch Deutschland sind seit Jahren offiziell tollwutfrei. Studien belegen, dass Fuchsbestände, die nicht bejagt würden, weniger Nachwuchs haben.



Schützt Jagd vor Tollwut und Fuchsbandwurm?

Füchse werden in Deutschland ganzjährig bejagt und haben keine Schonzeit. Da Füchse nicht essbar und die Pelze schwer zu vermarkten sind, werden die Kadaver meist kurzerhand in der Tierkörperbeseitigung entsorgt. Diese gnadenlose Jagd auf Füchse versuchen die Jäger gegenüber der Öffentlichkeit mit zwei Argumenten zu rechtfertigen: dem angeblichen Schutz der Bevölkerung vor Tollwut und Fuchsbandwurm.

Der Haken daran: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der »Weltorganisation für Tiergesundheit« als tollwutfrei. (Quelle: Ärzte Zeitung, 7.8.2008)

Mit der angeblichen Gefahr durch den Fuchsbandwurm an Waldbeeren rechtfertigen Jäger in der Öffentlichkeit gerne den massenhaften Abschuss von Füchsen. Doch das ist Jägerlatein: In Deutschland ist kein einziger Fall einer Infektion über Waldbeeren dokumentiert.

Spätestens seit der Anfang 2010 veröffentlichten Untersuchung des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der Technischen Universität München kann auch das Argument »Fuchsbandwurm« getrost in die Kategorie »Jägerlatein« eingeordnet werden. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass durch das konsequente Auslegen von Entwurmungsködern die Infektionsrate dauerhaft auf ein Minimum gesenkt werden kann. Bei einem Projekt im Landkreis Starnberg wurde die Befallsrate der Füchse innerhalb weniger Jahre auf unter 3 Prozent gesenkt. (Quelle: Pressemeldung des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München, Januar 2010)

Schon in den vergangenen Jahren hatten Forscher immer wieder darauf hingewiesen, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm übertrieben sei. Laut Robert-Koch-Insitut gibt es in Deutschland pro Jahr im Schnitt weniger als 20 bestätigte Fälle von Neuinfektionen. Und Professor Peter Kern, der das Europäische Echinokokkose-Register koordiniert, in dem alle bekannt gewordenen Infektionen mit dem Fuchsbandwurm dokumentiert werden, weist darauf hin, dass das größte Risiko der Ansteckung für den Menschen gar nicht der Fuchs ist, sondern der Hund. (Quelle: Kölner Stadtanzeiger, 14.6.2009)

»Mediziner vom Uniklinikum Ulm und von der Universität Würzburg haben offiziell Entwarnung gegeben. Eine Infektion beim Verzehr von Waldbeeren mit dem Fuchsbandwurm sei nicht erwiesen, erklärten sie«, berichtet das Magazin Welt der Wunder (18.6.2012). Und: »Selbst Ärzte sagen: Dass man sich auf diese Weise mit dem Fuchsbandwurm infizieren kann, darf endgültig ins Reich der Legenden verbannt werden.«

Zudem gibt es keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Jagd die Befallsrate der Füchse mit dem Bandwurm reduzieren kann. Auch bei der Tollwut führten einzig flächendeckende Impfaktionen mit Auslegung von Impfködern zum Erfolg - die Fuchsjagd hatte sich Studien zufolge als kontraproduktiv erwiesen und zur Ausbreitung der Tollwut sogar beigetragen.

Somit kann festgestellt werden, dass die angebliche Bedrohung der Volksgesundheit mit Tollwut und Fuchsbandwurm nicht existiert – und nur als Rechtfertigung der Jäger für ihr Hobby dient.



Die wahren Gründe für die Jagd auf Füchse

Wenn nun aber »Tollwut« und »Fuchsbandwurm« als Jägermär entlarvt sind - was sind dann die wahren Gründe für die Fuchsjagd? Hier geben die einschlägigen Jagdzeitschriften und Jäger-Foren im Internet schnell Aufschluss: Von »Lust am Nachstellen und Erbeuten« ist dort die Rede, von der »Waidmannsfreude, einen Fuchs im Schrotschuss rollieren (sich überschlagen) zu lassen«, vom »Reiz der winterlichen Fuchsjagd«, vom »Jagdtrieb«, vom »Jagdfieber« und vom »Kick«, den der Jäger beim tödlichen Schuss erlebt.

Anders, als von Jägern oft behauptet, nehmen unbejagte Fuchsbestände keinesfalls überhand. Komplexe Sozialstrukturen, in denen bei hoher Populationsdichte und geringem Jagddruck deutlich weniger Welpen zur Welt kommen, beschränken die Vermehrungsrate. Der renommierte Biologe und Fuchsforscher Erik Zimen kommentierte dieses Phänomen plakativ mit den Worten »Geburtenbeschränkung statt Massenelend«. Im Normalfall bringt eine Füchsin drei bis fünf Junge zur Welt; in Gebieten, in denen Füchse stark verfolgt werden oder die Mortalitätsrate durch Seuchen stark angestiegen ist, können es jedoch doppelt so viele sein. Auf diese Weise können Verluste schnell wieder ausgeglichen werden.

Füchse erfüllen eine wichtige Rolle als »Gesundheitspolizei«: Sie fangen hauptsächlich Mäuse - zum Nutzen der Landwirtschaft -, vertilgen Aas und erbeuten meist kranke oder verletzte Tiere und tragen somit zur Gesunderhaltung der Tierpopulationen bei. Doch der Fuchs ist nicht nur »Gesundheitspolizei« in der Natur, sondern trägt auch zum Schutz des Waldes, da er Waldwühlmäuse vertilgt.



Luxemburg: Füchse werden weiterhin nicht bejagt

Die Abgeordnetenkammer in Luxemburg hat entschieden, dass es beim Verbot der Fuchsjagd bleibt.

In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit 1. April 2015 verboten. Zunächst sollte das Verbot für ein Jahr gelten. Die Jäger liefen gegen das ganzjährige Verbot der Fuchsjagd Sturm und sammelten 10.327 Unterschriften gegen das Fuchsjagdverbot.
Am 11. Mai 2015 fand darüber eine öffentliche Anhörung vor der Abgeordnetenkammer statt. Wildtierschutz Deutschland übergab an diesem Tag gemeinsam mit »Luxemburg for Foxes« mehr als 12.000 Unterschriften für die Beibehaltung des Fuchsjagdverbots.


Parlamentspräsident Mars di Bartolomeo sagte in seiner Einleitung, dass Tierschützer drei Petitionen für die Beibehaltung des Fuchsjagdverbots vorgelegt hätten.

Bei der Anhörung malten die Jäger wieder ihr bekanntes Jägerlatein in die Wand: Die Fuchs-Population werde sich verfünffachen, behauptete Jäger-Präsident Georges Jacobs.
Staatsekretär Camille Gira entgegnete: »In den vergangenen Wochen war immer von einer Verdreifachung die Rede. Die Jäger sollen jetzt endlich einmal belegbare Zahlen bringen.«

Mehr Tote durch Jagdunfälle als durch Fuchsbandwurm

Auch die angebliche die Gefahr der Verbreitung des Fuchsbandwurms wies der Staatsekretär erneut zurück: Es seien in Luxemburg nur zwei Fälle von Fuchsbandwurm-Erkrankungen belegt, keiner sei tödlich verlaufen. »In Deutschland hat es im letzten Jahr zwei Tote durch eine Fuchsbandwurminfektion gegeben, die Zahl der Toten durch Jagdunfälle lag bei 40«, zitierte das Luxemburgische Tagblatt Staatssekretär Gira.

Wann kommt das Fuchsjagdverbot in Deutschland?

Füchse werden in Deutschland ganzjährig bejagt und haben keine Schonzeit. Jahr für Jahr töten die Jäger über eine halbe Million Füchse. Dabei erfüllen Füchse eine wichtige ökologische Aufgabe in der Natur (»Gesundheitspolizei des Waldes«). In unbejagten Gebieten reguliert das Sozialsystem der Füchse die Population weit effektiver, als es der Mensch jemals könnte. Ganz im Gegenteil: Je stärker Füchse bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es. Und dies dient wiederum nur denen, die Freude daran haben, Jagd auf Füchse zu machen.

Die Grünen-Landtagsfraktionim Saarland hat inzwischen eine Anfrage an die Landesregierung zur Fuchsjagd gestellt, warum die Landesregierung die Fuchsschonzeit verkürzt hat und generell weiter an der Fuchsjagd festhält. »Die Fuchsjagd hat keinen regulierenden Einfluss auf die Fuchspopulation. Dies haben wissenschaftliche Studien hinlänglich gezeigt«, so der Fraktions­vorsitzende Hubert Ulrich. »Aus diesem Grund hat Luxemburg im April 2015 die Fuchsjagd zunächst für die Dauer von einem Jahr verboten, um im Anschluss eine Bestandsaufnahme zu machen. Man sah auch in Bezug auf die verschwindend gering gewordene Gefahr durch Tollwut oder den Fuchsbandwurm keine Legitimation für die Tötung von Füchsen mehr.«

Quellen:
· Wildtierschutz Deutschland, 5.6.2015
· Luxemburgisches Tagblatt, 11.5.2015
· gruene-fraktion-saar.de, Pressemitteilung vom 31.5.2015




2015
Sinnloses Fuchsmassaker in Euskirchen