Pressemeldungen 2015

Fuchsbandwum: Risikofaktor Jagd

 

Tote durch Jäger und Jägerwaffen: Bilanz 2015

 

Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

 

Jagdunfall: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

 

NRW: Wald in Hellwegbörde jagdfrei

 

Bayern: Wiesengrundstück in Landshut jagdfrei

 

Bayern: Grundstück im Rottal jagdfrei

 

Tote durch Jäger und Jägerwaffen: Halbjahresbilanz

 

Luxemburg: Füchse werden weiterhin nicht bejagt

 

Österreich: "Keine Jagd auf meinem Grundstück"

 

Einjähriges Jagdverbot auf Füchse in Luxemburg

 

Rheinland-Pfalz: Bio-Weingut jagdfrei!

 

Grundstück in Mönchengladbach jagdfrei!

 

Treibjagd: Spaziergänger in Panik vor Schüssen

 

Jäger blasen geplantes Massaker nach Protesten ab

 

Neues Jagdgesetz widerspricht der Verfassung

 

Fuchsjagd Euskirchen: Offener Brief an Minister

 

Fuchsjagd Euskirchen: PETA kündigt Strafanzeige an

 

Grün-Rot ermöglicht Fallenjagd auf Fuchswelpen

 

Sinnloses Fuchsmassaker in Euskirchen

 

Luxemburg: Fuchsjagd wird verboten

 




Tote durch Jäger und Jägerwaffen: Bilanz 2015

Seit dem Jahr 2001 dokumentiert die Initiative zur Abschaffung der Jagd die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen. Auch in diesem Jahr schockierten Meldungen über Menschen, die von Jägern erschossen wurden, die Öffentlichkeit: Von Januar bis zum 21.12.2015 gab mindestens 23 Tote durch Jäger und Jägerwaffen.

Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!


Liest man die Todesmeldungen, so fällt auf, dass es sich dabei weniger um klassische Jagdunfälle (»Jäger verwechselt Jagdkollegen mit Wildschwein«) handelt, sondern vor allem um Beziehungstaten (»Jäger erschießt Ex-Freundin und Nebenbuhler«, »Jäger erschießt Ehefrau«, »Jäger erschießt Vater«) und andere bewaffnete Auseinandersetzungen (»Jäger erschießt Nachbarn«, »Jägerin erschießt Vermietern«) handelt.

Meldungen über klassische Jagdunfälle gab es vor allem während der Erntejagden von August bis Oktober mit Beginn der herbstlichen Jagdsaison zu, wenn also mehrere Jäger ein Feld umstellen, um während der Ernte auf fliehende Tiere zu schießen oder bei den so genannten Gesellschaftsjagden, wenn bei Treib- und Drückjagden 25, 50 oder noch mehr Schützen Jagd auf Wildschweine oder Rehe machen. Dabei wurde wie in den letzten Jahren auch der ein oder andere Treckerfahrer getroffen, sogar ein Junge auf einem Trecker sowie ein Junge auf dem Fahrrad, doch die meisten Jagdunfälle endeten zum Glück nicht tödlich. Die schreckliche Ausnahme: Im Havelland hatte ein Jäger vom Hochsitz aus auf ein Liebespaar geschossen. Der junge Mann wurde tödlich getroffen, seine Freundin schwer verletzt, so dass sie notoperiert werden musste.
Einen weiteren tödlichen Jagdunfall gab es im Januar, als sich ein Jäger beim Herabsteigen vom Hochsitz aus Versehen selbst erschoss.

Jährlich werden den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften über 800 Jagdunfälle (andere Quellen sprechen von bis 1600) gemeldet.
Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen (Jäger erschießt Frau oder Nachbarn) gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat. Weder der Jagdverband noch staatliche Behörden noch das statistische Bundesamt führen Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen nur die »Strecke« der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys.



Tote durch Jäger und Jägerwaffen

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen kann. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

21.12.2015: Beziehungsdrama mit Jäger: 3 Tote, 1 schwer Verletzter
Ein Jäger hat in Bayreuth drei Menschen erschossen und einen Mann schwer verletzt. Dies berichtet der Nordbayerische Kurier am 21.12.2015.
Der Jäger erschoss zunächst seine 32-jährige Ex-Freundin, ihren Vater und verletzte ihren Freund schwer. Dann erschoss er sich selbst. „Der 41-Jährige war Jäger, die Tatwaffe besaß er legal“, so die Zeitung.

25.11.15: Jäger erschoss Vater und sich, Mutter verletzt (2 Tote)
Ein 22-jähriger Jäger hat auf seine Eltern geschossen: Der Vater, ebenfalls Jäger, wurde mit einer Jagdwaffe erschossen, die Mutter überlebte schwer verletzt. Anschließend tötete der Sohn sich selbst: Die Polizei fand die Leiche in der Nähe eines Hochsitzes. Dies meldet der NDR am 25.11.2015.

29.9.15: Jäger erschießt Ehefrau und sich selbst (2 Tote)
Im Hunsrück soll ein 46-Jähriger seine 42-jährige Ehefrau erschossen haben, weil sich die Frau von ihm trennen wollte. Die Leiche des Jägers wurde mit Schussverletzungen im Wald neben einem Hochsitz gefunden. Dies berichtet der SWR am 29.9.2015. „Der Familienvater, der auch Jäger war, hat sich dort offenbar selbst das Leben genommen.“

11.9.2015: Stieftochter erschossen (1 Tote)
Ein 42-Jähriger hat in Freiburg seine 21 Jahre alte Stieftochter erschossen. Dies meldet die Badische Zeitung am 11.9.2015. Hintergrund sollen Familienstreitigkeiten gewesen sein. Der Täter stellte sich der - die Schusswaffe hatte er noch bei sich. Ob der Mann Jäger oder Schütze war, ist noch nicht bekannt.

10.9.15: Jäger erschießt Mann, verletzt Frau schwer (1 Toter)
Ein Jäger hat im Havelland bei Nauen vom Hochsitz aus auf ein Pärchen geschossen, dass es sich abends in einem Feld auf einer Decke und mit einem Getränk gemütlich gemacht hatte. Der 31-jährige Mann wurde erschossen, seine 23-jährige Freundin schwer verletzt, so dass sie notoperiert werden musste. „Laut Polizei und Staatsanwalt sagte der 30-jährige Jäger in einer ersten Vernehmung, dass er ein Rascheln im Feld gehört und geglaubt habe, dass es Wild sei“, berichtet die Märkische Allgemeine am 10.9.2015. Erst als er von seinem Hochsitz stieg, um zu sehen, was er erlagt habe, hätte er den tödlichen Irrtum bemerkt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Jäger wegen fahrlässiger Tötung.

1.9.15: 85-Jähriger erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
„Familientragödie in Nürnberg: Mann tötet seine Frau – und sich selbst“, meldet der Bayerische Rundfunk am 01.09.2015. Demnach hat ein 85-Jähriger seine Ehefrau mit einem Gewehr erschossen. Anschließend tötete er sich selbst. Die Tatwaffe sei ein Gewehr gewesen, das der Rentner legal besessen habe.

31.8.2015 Ehefrau und einen Nachbarn erschossen (2 Tote)
Weil er erst seinen Nachbarn und dann sein Ehefrau erschossen haben soll, hat die Paderborner Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen einen 46-Jährigen erhoben. Dies berichtet das Westfalenblatt am 31.8.2015.
Ob der Mann Jäger oder Schützer ist, war der Presse nicht zu entnehmen.

30.6.15: Jäger erschießt Nachbarn und sich (2 Tote)
„Zwei Tote nach Streit unter Nachbarn“, titelte BILD am 30.6.2015. Demnach soll ein 74-jähriger Jäger und Sportschütze seinen 77-jährigen Nachbarn vor dessen Haus in Meisdorf/Harz erschossen haben. Im Anschluss erschoss sich der Jäger selbst. Vorangegangen war immer wieder Nachbarschaftsstreit. Der Todesschütze hatte laut Polizei eine Waffenberechtigung.

17.5.15: Schusswechsel zwischen Jäger und Polizei (1 Toter)
Tödlicher Schusswechsel zwischen einem Jäger und der Polizei: Ein 74-jähriger Jäger aus Hessen widersetzte sich der Einweisung in eine Klinik - offenbar mit der Jagdwaffe in der Hand. Vorher hatte der Jäger eine Eskalation der Situation angedroht, berichtete t-online.de am 17.5.2015. "Nach ersten Ermittlungen des LKA hatte der 74-Jährige zuerst auf die Polizeibeamten geschossen. Mehrere Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) schossen daraufhin auf den Mann und verletzten ihn tödlich."

13.5.15: Jäger erschießt Frau und sich (2 Tote)
"Jäger erschießt seine schlafende Frau und sich selbst", titelte FOCUS am 13.5.15. Demnach hat ein 71-jähriger Jäger im Kreis Böblingen seine 66-jährige schlafende Ehefrau und anschließend sich selbst erschossen.
BILD meldete am 14.5.2015: "Im Haushalt befanden sich mehrere Schusswaffen – legal und amtlich registriert."

25.4.15: Hobby-Jägerin erschoss offenbar ihre beiden Nachbarn (2 Tote)
„Doppelmord in Wermelskirchen: Hat Jägerin (45) ihre Nachbarn erschossen?“, titelte BILD am 25.4.2015. Demnach sind ein 62-jähriger Mann und eine 47-jährige Frau in ihrer Wohnung erschossen worden. Anwohner hörten die Schüsse und alarmierten die Polizei. „Eine dringend tatverdächtige Frau (45) wurde festgenommen“, so BILD. „Die 45-Jährige ist als Jägerin im Besitz von Lang- und Kurzwaffen.“

14.4.15: 74-Jähriger erschießt Freundin und sich (2 Tote)
„Mann tötet Freundin und sich selbst“, titelte der Remscheider Generalanzeiger am 14.4.2015. Demnach hat ein 74-Jähriger erst seine 71-jährige Freundin und dann sich selbst erschossen. Die Polizei gehe von einer Beziehungstat aus, so die Zeitung. Für die Tatwaffe, eine Pistole, besaß der Mann keine Erlaubnis, für ein Gewehr hatte er eine Waffenbesitzkarte, so der Remscheider Generalanzeiger zwei Tage später.

13.1.15: Jäger stirbt bei Jagdunfall (1 Toter)
Ein 50-jähriger Jäger wurde bei einem Jagdunfall im Unterallgäu tödlich verletzt. Dies berichtete die Augsburger Allgemeine am 13.1.2015.
Der Jäger wollte die Leiter seines Hochsitzes herabsteigen. Dabei löste sich ein Schuss, der den Jäger traf und ihn tödlich verletzte.

2.1.15: 78-Jähriger erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
Ein 78-jähriger Mann hat in der Sivesternacht erst seine Frau mit zwei Schüssen in den Bauch getötet und anschließend sich selbst erschossen. Vorangegangen war ein jahrelanger Scheidungskrieg.
In der gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Essen und der Polizei Essen heißt es: „Nach ersten Ermittlungen gehen die Beamten der Mordkommission davon aus, dass der 78-jährige Mann zunächst seine Frau und dann sich selbst erschossen hat. Eine Verwandte fand die leblose Seniorin (79) mit Schussverletzungen im Keller des Hauses. Ihr getrennt lebender Ehemann wurde anschließend in seiner Wohnung im gleichen Haus tot aufgefunden. Neben ihm lag die vermutlich zur Tat verwendete Schusswaffe.“
Ob der Mann Jäger oder Schütze war, ist nicht bekannt. BILD berichtete am 3.1.2015, dass er oft zum Fischen fuhr.



Fuchsbandwum: Risikofaktor Jagd

Regelmäßig wird in den Medien über den Fuchsbandwurm berichtet – bisweilen in einem Ton, der an Hysterie grenzt. Grund dafür dürfte nicht zuletzt die Pressearbeit der Jagdverbände sein, die die Angst vor dem Parasiten gezielt schüren, um die Jagd auf Meister Reineke zu rechtfertigen. Tatsächlich kann man sich vor dem Fuchsbandwurm jedoch mit einfachen Mitteln schützen. Und Forschungsergebnisse zeigen, dass die Fuchsjagd das Risiko für den Menschen keinesfalls verringert, sondern es sogar ansteigen lässt. weiterlesen


Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Bei einer Felderjagd im Landkreis Würzburg hat ein 74-jähriger Jäger Statt eines Wildschweins hat Statt eines Wildschweins einen 67-jährigen Jagdkollegen getroffen. Dies meldet das Polizeipräsidium Unterfranken am 23.10.2015.
Wieder und wieder erschüttern Meldungen über Jagdunfälle, Straftaten mit Jägerwaffen und Bedrohungen durch Jäger die Öffentlichkeit. Wer weiß schon, dass hunderte Menschen in den letzten zehn Jahren in durch Jäger und Jägerwaffen starben?
Die Initiative zur Abschaffung der Jagd dokumentiert seit 2002 bis zu jährlich 40 Tote durch Jäger und Jägerwaffen. Dazu kommen die erschreckend vielen Fälle, bei denen der Ausgang zwar nicht tödlich war, der oder die Angeschossene aber verletzt – oft auch schwer verletzt - ins Krankenhaus muss. Opfer wurden sowohl Jägerkollegen und Treiber, aber auch Ehefrauen, Familienmitglieder und Nachbarn von Jägern sowie Spaziergänger, Radfahrer, Liebespaare, Kinder...


Hier einige Meldungen der letzten Wochen:

In der Nähe von Göttingen haben Jäger auf einen 14-jährigen Schüler geschossen, der mit seinem Fahrrad unterwegs zum Sport war: „Er hat sich auf den Boden geworfen, hat seine rote Schultasche immer wieder in die Luft geworfen und geschrien. Dennoch haben Jäger am Montagnachmittag noch dreimal in die Richtung eines 14-jährigen Jungen geschossen, um ein verletztes, fliehendes Wildschwein zu treffen“, berichtet das Göttinger Tageblatt am 6.10.2015.
Bei einer Erntejagd auf Wildschweine kam es im Havelland bei Berlin zu einem schweren Unfall (Märkische Allgemeine, 6.10.2015).
Im Hunsrück hat ein Jäger erst seine Frau und dann sich selbst erschossen (SWR, 29.9.2015).
Zwei Traktorfahrer wurden in Sachsen-Anhalt von Jägern angeschossen (BILD, 16.9.2015).
In Lübeck hat ein Jäger eine Radfahrerin niedergeschossen
(BILD, 14.9.2015).
Im Havelland schoss ein Jäger vom Hochsitz aus auf ein Pärchen: Der 31-jährige Mann wurde erschossen, seine 23-jährige Freundin schwer verletzt, so dass sie notoperiert werden musste.
(Märkische Allgemeine am 10.9.2015).
Ein 12-jähriger Junge wurde im Neckar-Odenwald-Kreis angeschossen und schwer verletzt: „Das Kind saß auf dem Beifahrersitz eines Maishäckslers, als es von der Kugel eines Jagdgewehrs am Bein getroffen wurde“, so die
Südwest Presse am 7.9.2015.

Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Jährlich werden den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften über 800 Jagdunfälle (andere Quellen sprechen von bis 1600) gemeldet. Hinzu kommt: Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen (Jäger erschießt Frau oder Nachbarn) gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat. Weder der Jagdverband noch staatliche Behörden noch das statistische Bundesamt führen Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen nur die „Strecke“ der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys.

Jagdverband rät Waldbesuchern zu Warnkleidung

Der Jagdverband Schleswig-Holstein reagiert auf die aktuellen Jagdunfälle mit einem Toten und mehreren Verletzten nicht damit, seine Jäger zurückzupfeifen, nein: Stattdessen sollen sich Waldbesucher mit Warnkleidung ausstatten, berichtet das Flensburger Tageblatt am 16.9.2015. Denn: Jäger müssten ihr Jagdgebiet nicht sonderlich kennzeichnen. Daher sei es immer und gerade für Jogger ratsam, in der dunklen Jahreszeit Warnkleidung zu tragen, so Jagdverbandssprecher Marcus Börner gegenüber dem Flensburger Tageblatt.

Die Natur braucht keine Jäger

Jagd ist nicht nur überflüssig, sondern sogar contraproduktiv: Obwohl in Deutschland so viele Wildschweine geschossen werden, wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, steigt ihre Anzahl immer weiter. Denn so paradox es klingen mag: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, um so stärker vermehren sie sich. Eine Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. (Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009)

Jagd provoziert vielfach erst so genannte Wildschäden und den »Verbiss« im Wald. Rehe sind von ihrer Natur her Bewohner von Wiesen und dem Waldrand. Die Jagd treibt die Tiere in den Wald hinein, wo sie dann keine - für sie lebenswichtigen - Gräser und Kräuter finden und ihnen nichts anderes bleibt, als an Knospen zu knabbern. Zudem werden die Tiere durch die Jagd unnötig aufgescheucht, was ihren Nahrungsbedarf und damit die Fraßschäden oft weiter erhöht.

Die Jagd auf Füchse versuchen die Jäger gegenüber der Öffentlichkeit mit zwei Argumenten zu rechtfertigen: dem Schutz der Bevölkerung vor Tollwut und Fuchsbandwurm. Der Haken daran: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der »Weltorganisation für Tiergesundheit« als tollwutfrei. Und: Seit Jahren weisen Forscher darauf hin, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm übertrieben ist. In Deutschland ist kein einziger Fall einer Infektion über Waldbeeren dokumentiert.

Der renommierte Ökologie- und Evolutionsbiologe Prof. Dr. Josef Reichholf kam bei seinen langjährigen Forschungen zu dem Ergebnis, dass die Jagd - nach der industriellen Landwirtschaft - der »Artenfeind Nr. 2« ist.
Die Mär vom Jäger als Naturschützer ist längst widerlegt. Wissenschaftliche Studien belegen die Selbstregulierungsfähigkeit der Natur. Auch die Erfahrungen in großen europäischen Nationalparks zeigen: Es geht Natur und Tieren ohne Jagd viel besser!

„Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern!"

Die Mär vom Jäger als Naturschützer ist längst widerlegt. Immer mehr Jäger geben inzwischen selbst zu, dass sie Tierbestände nicht wirklich regulieren können und „Hege“, und „Wildschadensvermeidung“ nur als Begründungen für „Lust“, „Beutemachen“ und den „Kick“ vorgeschoben sind.

„Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können“, so Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd. „Es wird Zeit, dass die Hobbyjagd in Deutschland verboten wird!“
Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!



Jagdunfall: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Eine Touristin wurde in Mecklenburg-Vorpommern Opfer eines Jagdunfalls bei einer Wildschweinjagd. Die 41-Jährige aus Nordrhein-Westfalen war mit ihrem Begleiter auf einem Fahrrad an einem Rapsfeld unterwegs, als sie plötzlich Schmerzen spürte.
Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!


Nach den bisherigen Untersuchungen sei die Urlauberin bei der Erntejagd in Mecklenburg-Vorpommern vorn im Brustbereich getroffen worden. Dies meldet die Sächsische Zeitung am 7.8.2015. Zum Glück sei das Munitionsteil am Metallbügel ihres BH abgeprallt. „Die Polizei ermittelt nun gegen den mutmaßlichen Schützen - einen der Jäger - wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung“, so die Zeitung.

Landwirtschaftsminister: Vorsicht bei Erntejagden!

Anlässlich des Jagdunfalls, bei der eine Urlauberin getroffen wurde, appellierte der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern Till Backhaus alle Jäger, bei den aktuell laufenden Erntejagden besondere Vorsicht walten zu lassen. Dies meldet der NDR am 7.8.2015. Besonders wenn Radfahrer oder Spaziergänger in der Nähe unterwegs seien, dürfe in diese Richtung weder gezielt noch geschossen werden, zitiert der NDR den Minister. Immer wieder komme es zu Unfällen bei Jagden, so der NDR.

Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen

Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen. Alleine in Deutschland. Dazu kommen die erschreckend vielen Fälle, bei denen der Ausgang zwar nicht tödlich war, dem Opfer aber beispielsweise ein Bein amputiert werden musste. Opfer wurden sowohl Jägerkollegen und Treiber, aber auch die Ehefrau und die Kinder von Jägern, der Schwager, sowie Nachbarn, Spaziergänger, Bergwanderer, Mountainbiker, Bärlauchsammler oder spielende Kinder.

Lesen Sie unsere Dokumentatio. Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen 2015



Immer mehr jagdfreie Grundstücke

Von Bayern bis Schleswig-Holstein: In Deutschland gibt es immer mehr jagdfreie Grundstücke!

Seit 2014 sind in
Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein und etliche Hektar Wiesen, Wälder und Felder offiziell jagdfrei. In Bayern waren bereits Anfang 2013 die ersten Grundstücke durch einen Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs jagdfrei gestellt worden. In Baden-Württemberg wurden 2013 Grundstücke vorläufig jagdrechtlich befriedet. In Sachsen-Anhalt wird das erste Grundstück zum 1.4.2015 jagdrechtlich befriedet, auch weitere Grundstücke in Niedersachsen werden zum 1.4.2015 offiziell jagdfrei. In Rheinland-Pfalz ist ab 1.4.2015 ein ganzes Bio-Weingut von den Behörden befriedet worden. Ein großartiger Erfolg im Sinne der Rechte von Grundstückseigentümern und des Tierschutzes! Denn durch jedes jagdfreie Grundstück entstehen wertvolle Schutzgebiete für Natur und Tiere.
Und die Welle rollt: 2015 werden viele weitere Grundstücke jagdfrei – und bieten damit wertvolle Schutzgebiete für Natur und Tiere. Bundesweit haben bereits einige Hundert Grundeigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt.

Lesen Sie die Übersicht jagdfreier Grundstücke in Deutschland


Bayern: Wiesengrundstück in Landshut jagdfrei

Irmgard Bauderer freut sich, dass ihr ca. 10.000 Quadratmeter großes Wiesengrundstück im Landkreis Landshut nun offiziell jagdfrei ist, nachdem es vorher durch richterlichen Beschluss schon vorläufig befriedet war. »Nun ist also mein Vogelbiotop end­gültig jagdfrei und ich kann nur hoffen, dass sich viele Grundstücksinhaber dazu entschließen, ebenfalls Anträge zu stellen.« weiterlesen


Nach dem bahnbrechenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 und dem darauffolgenden Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 30.1.2013 hatte sich das Verwaltungsgericht Regensburg der neuen Rechtssprechung angeschlossen und mit Beschluss vom 19.2.2013 in einem Eilverfahren entschieden, dass auf dem Grundstück der ethischen Jagdgegnerin vorläufig nicht mehr gejagt werden darf. (VG Regensburg, Beschluss v. 19.02.2013 - RN 4 E 13.183)

Im Mai 2015 ist das Grundstück vom Landratsamt endgültig für jagdfrei erklärt worden. »Ich musste zwar lange warten, aber nun ist es endlich positiv beschieden worden«, berichtet Irmgard Bauderer. »Allerdings kostete der Bescheid hier in Niederbayern über 1.000 Euro. Aber das war mir die Sache wert.«



Bayern: Grundstück im Rottal jagdfrei

Ein Grundstück mit Obstwiesen, Hecken und Weiher im Rottal in Niederbayern ist ab 1.4.2016 jagdfrei. »Unsere Obstwiesen, Hecken und der Weiher bieten Unterschlupf für Feldhasen, Fasane, Enten, Tauben, Goldammer, Bachstelze, Kiebitze, Frösche, Libellen, Fledermäuse und Igel«, berichtet Silke Schüder.
Silke Schüder und Stefan Hargasser können es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn Tiere, die auf ihren Wiesen und an ihrem Weiher Unterschlupf finden, durch Jäger getötet werden. weiterlesen


»Wir finden es furchtbar, wenn bei einer Treibjagd das Auto mit aufgehängten toten Hasen bei uns vorbeifährt, wenn mit Stöcken und viel Lärm die armen Tiere in die Waffen der Hobbyjäger getrieben werden und wir hilflos zuhören und zusehen müssen. Zudem möchten wir, dass unsere Pferde nicht permanent in Angst und Schrecken versetzt werden.«

Die beiden Tierfreunde leben seit Jahren vegan. »Um die vegane Ideale weiter zu verbreiten, haben wir auf dem Hof einen kleinen veganen Laden, um die Leute sowohl über die Freiheiten der Tiere als auch über friedliche Ernährungsmöglichkeiten zu informieren.«

Am 12.2.2015 hatten Silke Schüder und Stefan Hargasser die jagdrechtliche Befriedung ihrer beiden Grundstücke beantragt. Am 11.5.2015 kam der Bescheid der Jagdbehörde: Die beiden Flächen mit 4.908 und 4.077 Quadratmetern werden ab 1.4.2016 zum befriedeten Bezirk gemäß dem neuen §6a Bundesjagdgesetz erklärt. Der Gebührenbescheid beläuft sich auf stolze 800 Euro.

»Das sind horrende Gebühren für die Umsetzung eines Menschenrechts«, kritisiert Silke Schüder. Sie vermutet, dass die hohen Gebühren Grundstückseigentümer abschrecken sollen, ihre Flächen befrieden zu lassen. Die engagierte Tierfreundin hat sich mit weiteren betroffenen Grundstückseigentümern in ihrer Gegend vernetzt, um an die Öffentlichkeit zu gehen: »Wir wollen erreichen, dass immer mehr Leute sich trauen, den Antrag zu stellen, ohne Gefahr zu laufen, dass das Zubilligen des Menschenrechts horrende Gebühren nach sich zieht.«



NRW: Wald in Hellwegbörde jagdfrei

Ein schöner Auenwald in der Aheaue bietet inmitten ausgeräumter Ackerflur der Hellwegbörde ein wichtiges Rückzuggebiet für Wildtiere - und ab 2016 auch Schutz vor den tödlichen Schüssen der Jäger.


Dr. Karl-Heinz Loske hat auf seinen hausnahen Grundstücken in Geseke in der mittelwestfälischen Hellwegbörde auf einer ehemals ausgeräumten Ackerfläche ein Biotop für Wildtiere geschaffen: Eigenhändig legte er Hecken, Wälder, Streuobstwiesen und Teiche an. Zweimal im Jahr musste die Familie machtlos mit ansehen, wie Jäger bei Treibjagden hier die letzten Hasen und Fasane sowie Rehe und Ringeltauben abknallten. Unter Berufung auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 26.6.2012 stellte der Biologe und Ökologe einen Antrag auf Befriedung seiner Grundstücke und legte ausführlich seine ethischen Gründe für die Ablehnung der Jagd dar: Er kann das Töten von Tieren, die auf seinen Grundstücken Schutz suchen, nicht mit seinem Gewissen vereinbaren.

Folgerichtig wurde daher am 1.4.2014 eine 2,2 Hektar große Streuobstwiese seit dem 1.4.2014 durch die Jagdbehörde befriedet. Daraufhin beantragte Dr. Loske am 28.04.2014 die jagdrechtliche Befriedung zweier weiterer Grundstücke. Mit Bescheid vom 26.6.2015 stellte der Kreis Soest 17.373 Quadratmeter in der Gemarkung Schmerlecke sowie 4.983 Quadratmeter in der Gemarkung Langeneicke zum 1.4.2016 offiziell jagdfrei.

Lebensraum und Rückzugsgebiet für Tiere: Zwei Grundstücke ab 2016 jagdfrei

Noch im Dezember 2014 hatten Jäger das Waldgrundstück trotz der Proteste des Biologen und seines persönlichen Einschreitens vor Ort bejagt – obwohl der Befriedungsantrag bekannt war. Die Jagdgenossenschaft lehnte die Befriedung grundsätzlich ab und bestand im Rahmen der Anhörung mit abstrusen Argumenten wie z.B. der »Durchbrechung des Solidarprinzips im ländlichen Raum« und »übermäßigen Schäden durch Schwarzwild« darauf, die Flächen erst nach Ablauf des Jagdpachtvertrages im Jahre 2025 zu befrieden. Besonders abwegig war dabei das Argument des Kreisjagdberaters, die »Ablehnung der Bejagung fernab von Wohnbebauung sei unglaubwürdig«. Im Umkehrschluss würde dies dann bedeuten, dass einen das Töten von Tieren nur stören kann, wenn man es sieht. Nach Auskunft eines Sachbearbeiters des Kreises Soest, sei diesem bei positivem Befriedungsbescheid mit Klage gedroht worden.

Nach ausführlicher Prüfung stimmte der Kreis Soest aber dem Antrag von Dr. Loske auf Befriedung seiner Grundstücke aus ethischen Gründen zu. So heißt es in der Begründung im Bescheid vom 26.6.2015: »Eine ernsthafte und echte Gewissensbelastung bzw. ein innerlicher Gewissenskonflikt muss bei Ihnen im Falle des Tötens von Tieren im Rahmen der Jagdausübung auf Ihrem Grundstück angenommen werden«. Und weiter: »In einem von Ihnen herausgegebenen Sachbuch, das sich kritisch mit der Jagd auseinandersetzt, wird Ihre negative persönliche Einstellung zur Jagd hinlänglich und umfassend dokumentiert. Von daher ist Ihre Erklärung, dass Sie die Ausübung der Jagd auf Ihren Grundstücken aus ethischen Gründen ablehnen und nicht mit Ihrem Gewissen vereinbaren können, durchaus glaubwürdig.«

Für Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, Ihre Grundstücke jagdrechtlich befrieden zu lassen, ist die Begründung sehr aufschlussreich und sollte ermutigen. Unabhängig von der europarechtlichen Konformität der deutschen Jagdgesetzgebung in Bezug auf die Genehmigung von Befriedungsanträgen, lassen die Behörden offensichtliches Jägerlatein (»übermäßige Wildschäden«, »lange Jagdpachten«, »drohende Seuchen«) nicht mehr gelten, sondern nehmen die Gewissenskonflikte für ethisch motivierte Jagdgegner ernst.

Wer eine Befriedung seiner Grundstücke in Erwägung zieht, dem erteilt H. Dr. Loske gern unter folgender e-mail Adresse Auskunft: k-h.loske@t-online.de



Tote durch Jäger und Jägerwaffen: Halbjahresbilanz

Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen. Alleine in Deutschland. Seit dem Jahr 2001 dokumentiert die Initiative zur Abschaffung der Jagd die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen. Auch in den ersten Monaten dieses Jahres schockierten Meldungen über Menschen, die von Jägern erschossen wurden, die Öffentlichkeit. Wie sieht die Halbjahresbilanz 2015 aus?


Von Januar bis Juni gab bislang es mehr als zehn Tote durch Jäger und Jägerwaffen – und das, obwohl die eigentliche Jagdsaison erst im Herbst losgeht.
Liest man die Todesmeldungen, so fällt auf, dass es sich vor allem um Beziehungstaten (»Jäger erschießt Ehefrau«) und andere bewaffnete Auseinandersetzungen (»Jäger erschießt Nachbarn«) handelt. Die klassischen Jagdunfälle (»Jäger verwechselt Jagdkollegen mit Wildschwein«) sind meist während der Erntejagden im August und September sowie mit Beginn der herbstlichen Jagdsaison zu beklagen, wenn also mehrere Jäger ein Feld umstellen, um während der Ernte auf fliehende Tiere zu schießen (wobei in den letzten Jahren auch der ein oder andere Treckerfahrer getroffen wurde) oder bei den so genannten Gesellschaftsjagden, wenn bei Treib- und Drückjagden 25, 50 oder noch mehr Schützen Jagd auf Wildschweine oder Rehe machen.

Dazu kommen die erschreckend vielen Fälle, bei denen der Ausgang zwar nicht tödlich war, der oder die Angeschossene aber verletzt – oft auch schwer verletzt - ins Krankenhaus muss. Opfer wurden sowohl Jägerkollegen und Treiber, aber auch Ehefrauen, Familienmitglieder und Nachbarn von Jägern sowie Spaziergänger, Radfahrer, Bergwanderer, Reiter oder spielende Kinder.

Jährlich werden den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften über 800 Jagdunfälle (andere Quellen sprechen von bis 1600) gemeldet. Hinzu kommt: Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen (Jäger erschießt Frau oder Nachbarn) gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat. Weder der Jagdverband noch staatliche Behörden noch das statistische Bundesamt führen Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen nur die „Strecke“ der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys.

Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!



Tote durch Jäger und Jägerwaffen

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen kann. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

30.6.15: Jäger erschießt Nachbarn und sich (2 Tote)
„Zwei Tote nach Streit unter Nachbarn“, titelte BILD am 30.6.2015. Demnach soll ein 74-jähriger Jäger und Sportschütze seinen 77-jährigen Nachbarn vor dessen Haus in Meisdorf/Harz erschossen haben. Im Anschluss erschoss sich der Jäger selbst. Vorangegangen war immer wieder Nachbarschaftsstreit. Der Todesschütze hatte laut Polizei eine Waffenberechtigung.

17.5.15: Schusswechsel zwischen Jäger und Polizei (1 Toter)
Tödlicher Schusswechsel zwischen einem Jäger und der Polizei: Ein 74-jähriger Jäger aus Hessen widersetzte sich der Einweisung in eine Klinik - offenbar mit der Jagdwaffe in der Hand. Vorher hatte der Jäger eine Eskalation der Situation angedroht, berichtete t-online.de am 17.5.2015. "Nach ersten Ermittlungen des LKA hatte der 74-Jährige zuerst auf die Polizeibeamten geschossen. Mehrere Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) schossen daraufhin auf den Mann und verletzten ihn tödlich."

13.5.15: Jäger erschießt Frau und sich (2 Tote)
"Jäger erschießt seine schlafende Frau und sich selbst", titelte FOCUS am 13.5.15. Demnach hat ein 71-jähriger Jäger im Kreis Böblingen seine 66-jährige schlafende Ehefrau und anschließend sich selbst erschossen.
BILD meldete am 14.5.2015: "Im Haushalt befanden sich mehrere Schusswaffen – legal und amtlich registriert."

25.4.15: Hobby-Jägerin erschoss offenbar ihre beiden Nachbarn (2 Tote)
„Doppelmord in Wermelskirchen: Hat Jägerin (45) ihre Nachbarn erschossen?“, titelte BILD am 25.4.2015. Demnach sind ein 62-jähriger Mann und eine 47-jährige Frau in ihrer Wohnung erschossen worden. Anwohner hörten die Schüsse und alarmierten die Polizei. „Eine dringend tatverdächtige Frau (45) wurde festgenommen“, so BILD. „Die 45-Jährige ist als Jägerin im Besitz von Lang- und Kurzwaffen.“

14.4.15: 74-Jähriger erschießt Freundin und sich (2 Tote)
„Mann tötet Freundin und sich selbst“, titelte der Remscheider Generalanzeiger am 14.4.2015. Demnach hat ein 74-Jähriger erst seine 71-jährige Freundin und dann sich selbst erschossen. Die Polizei gehe von einer Beziehungstat aus, so die Zeitung. Für die Tatwaffe, eine Pistole, besaß der Mann keine Erlaubnis, für ein Gewehr hatte er eine Waffenbesitzkarte, so der Remscheider Generalanzeiger zwei Tage später.

13.1.15: Jäger stirbt bei Jagdunfall (1 Toter)
Ein 50-jähriger Jäger wurde bei einem Jagdunfall im Unterallgäu tödlich verletzt. Dies berichtete die Augsburger Allgemeine am 13.1.2015.
Der Jäger wollte die Leiter seines Hochsitzes herabsteigen. Dabei löste sich ein Schuss, der den Jäger traf und ihn tödlich verletzte.

2.1.15: 78-Jähriger erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
Ein 78-jähriger Mann hat in der Sivesternacht erst seine Frau mit zwei Schüssen in den Bauch getötet und anschließend sich selbst erschossen. Vorangegangen war ein jahrelanger Scheidungskrieg.
In der gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Essen und der Polizei Essen heißt es: „Nach ersten Ermittlungen gehen die Beamten der Mordkommission davon aus, dass der 78-jährige Mann zunächst seine Frau und dann sich selbst erschossen hat. Eine Verwandte fand die leblose Seniorin (79) mit Schussverletzungen im Keller des Hauses. Ihr getrennt lebender Ehemann wurde anschließend in seiner Wohnung im gleichen Haus tot aufgefunden. Neben ihm lag die vermutlich zur Tat verwendete Schusswaffe.“
Ob der Mann Jäger oder Schütze war, ist nicht bekannt. BILD berichtete am 3.1.2015, dass er oft zum Fischen fuhr.



Weitere Meldungen:

(Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Spaziergänger und Erholungssuchende angeschossen:

23.1.15: Spaziergänger im Wald angeschossen
"Mordanschlag oder Jagdunfall? - Spaziergänger im Wald angeschossen", titelte BILD am 23.1.2015. Demnach wurde im Landkreis Oberhavel wurde ein 54-jähriger Spaziergänger auf dem „Wiesenweg“ durch einen Schuss in den Bauch lebensgefährlich verletzt.

22.1.15: Jogger angeschossen
In einem Waldstück bei Detmold wurde ein Jogger angeschossen. Dies berichtete das WDR Fernsehen am 22.1.2015: „Der 46-jährige aus Lage war am Dienstag (20.1.2015) in dem Wald unterwegs und hatte bereits 350 Meter zurückgelegt, als ihn eine Kugel am Bein traf.“ Der angeschossene Mann sei schwer verletzt selbst zum Klinikum Lippe gefahren. Die Polizei vermute einen Jagdunfall.


Beim Nachbarschaftsstreit geschossen

25.4.15: Nachbarschaftsstreit eskaliert
„Nachbarschaftsstreit eskaliert: Schenkenzeller Waffennarr schießt durch Eingangstüre“, titelte NRWZ am 25.4.2015. Demnach hatte ein 71-Jähriger durch eine geschlossene Eingangstür der Nachbarswohnung geschossen. Neben der Tatwaffe beschlagnahmte die Polizei noch weitere 18 Schusswaffen, bei denen es sich zum größten Teil um Jagdwaffen handelt. Gegen den 71-Jährigen seien strafrechtliche Ermittlungen wegen versuchter, gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden.


Auf Häuser geschossen, Fenster von Kugeln durchschlagen

20.3.15: Jagdkugel schlägt in Haus ein
„Verirrtes Projektil fliegt in Wohnung“, titelte die Allgemeine Zeitung am 20.3.2015 und berichtete, dass im rheinhessischen Eicher mehrere Kugeln in ein Haus einschlugen: Eine Kugel durchschlug die Scheibe eines Fensters, ein Projektil durchschlug zwei Türen und blieb schließlich in der Außenwand stecken. "Elf Meter ist die Kugel durch die Wohnung geflogen", zitiert die Zeitung den Hausbewohner. "Meine Frau ist vielleicht 20 Sekunden vorher genau durch die Schusslinie gelaufen. Sie hat ein Riesenglück gehabt, wir feiern jetzt ihren Geburtstag zwei Mal."
Wie sich herausstellte, hatte ein Jäger auf dem Feld geschossen.

20.1.15: Jagdprojektil durchschlägt Fenster
„Geschoss bei Treibjagd fehlgeleitet“, meldete die Polizei Wolfsburg am 20.1.2015. In Papenrode hatte ein Jagdprojektil das Fenster eines durchschlagen. Die Ermittler gehen davon aus, dass das fehlgeleitete Geschoss aus dem Gewehr eines Jägers stammt, der an der einer Jagd im angrenzenden Meinkoter Revier beteiligt war. Der Jäger hatte bei einer Nachsuche ein Wildschwein verfehlt. Stattdessen wurde das Wohnhaus getroffen, das Projektil sei auf dem Fußboden gelandet.

8.1.15: Jäger trifft versehentlich Kinderbett
"Säugling hat Glück: Jäger trifft versehentlich Kinderbett", titelte die Neue Osnabrücker Zeitung NOZ am 8.1.2015. Demnach durchschlug die Gewehrkugel eines Jägers den Rollladen und den Fensterrahmen des Schlafzimmers eines Hauses im pfälzischen Rockenhausen. In dem Schlafzimmer hatten sich die Eltern am späten Abend mit ihrer sieben Monate alten Tochter hingelegt. Laut Polizei sei die Kugel neben dem Kopf des Babys liegen geblieben, habe den Säugling aber nicht verletzt. "Als Urheber ermittelte die Polizei einen Jäger", so die NOZ.

13.1.15: Wenn Schrotkugeln aufs Dach prasseln
Die Kreiszeitung Diepholz berichtete am 13.1.2015 über die Beschwerden von Anwohnern über eine Treibjagd in unmittelbarer Nähe der Häuser. Demnach hätten Anwohner Munition auf ihren Grundstücken gefunden.

6.1.15: Treibjagd - Geschoss durchschlägt Scheibe
"Treibjagd: Geschoss durchschlägt Scheibe", titelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung am 6.1.2015. Demnach hat eine Gewehrkugel am Samstagnachmittag ein doppelt verglastes Wohnzimmerfenster durchschlagen und dort ein sauberes Loch hinterlassen, während die zweite Scheibe zersplittert sei. Danach habe die Kugel den Parkettboden gestreift und sei schließlich neben dem Sofa liegen geblieben - und zwar während der Hausbesitzer auf einem Sessel im Wohnzimmer saß und auch der Sohn im Zimmer war. „Der Hausbesitzer hatte Glück, dass er von dem Geschoss nicht getroffen wurde“, zitiert die WAZ einen Polizeisprecher. Die Polizei vermutet, dass das Geschoss aus einer Jagdwaffe stammt, denn im Wald fand zu dem Zeitpunkt eine Treibjagd mit 25 Jägern statt.


Schüsse auf fahrende Autos

20.3.15: Schüsse auf vorbeifahrende Autos
Mit einem Jagdgewehr hat ein Mann am Morgen des 19.3.2015 zwischen 5.15 Uhr und 5.30 Uhr zwischen Gresaubach und Steinbach auf vorbeifahrende Fahrzeuge geschossen. Dies berichteten sr-online am 19.3.2015 und salue.de am 20.3.2015. Laut Polizei wurden sechs Pkw beschädigt und eine Person verletzt. Gegen den Schützen wurde am 20.3.2015 Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen 13-fachen versuchten Mordes.


Jäger trifft Jäger:

19.5.15: Schuss ging nach hinten los
"Nordhessen: Schuss ging nach hinten los", meldete nh24.de am 19.5.2015. Ein Jäger wollte einen Waschbären erschießen - und traf sich selbst mit einem Projektil den Bauch. Schwer verletzt musste er mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden.

17.6.15: Jäger schießt sich in die Hand und in eine Autoscheibe
Ein 65-jähriger Jäger aus Thüringen hatte gegen Mitternacht ein Wildschwein geschossen und befand sich auf dem Heimweg. Das Gewehr trug er geladen über der Schulter, eine Hand am Lauf. Ein Schuss löste sich und verletzte den Jäger schwer. "Der Gewehrschuss muss außerdem eine Autoscheibe zerschlagen haben, denn auch am Mittwoch befanden sich noch zahlreiche Glassplitter auf dem Feldweg mit den Betonplatten", so die Thüringer Allgemeine am 17.6.2015.

3.3.15: Jäger trifft Jäger - Schwer verletzt
"Jäger in Ostsachsen angeschossen und schwer verletzt", titelte DIE WELT am 3.3.2015. Demnach hat ein 53-jähriger Jäger bei einer Jagd auf Wildschweine ein 27-Jährigen in den Oberschenkel getroffen. Er musste schwer verletzt mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Die Kriminalpolizei habe die weiteren Ermittlungen übernommen.



Die Natur braucht keine Jäger!

Die Mär vom Jäger als Naturschützer ist längst widerlegt. Wissenschaftliche Studien belegen die Selbstregulierungsfähigkeit der Natur. Auch die Erfahrungen in großen europäischen Nationalparks und unbejagten Gebieten zeigen: Es geht Natur und Tieren ohne Jagd viel besser!

Ragnar Kinzelbach, Zoologe an der Universität Rostock, ist überzeugt: »Die Jagd ist überflüssig. Wenn man sie einstellt, regulieren sich die Bestände von allein.« (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)

Jagd ist nicht nur überflüssig, sondern sogar contraproduktiv: Obwohl in Deutschland so viele Wildschweine geschossen werden, wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, steigt ihre Anzahl immer weiter. Denn so paradox es klingen mag: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, um so stärker vermehren sie sich. Eine Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. (Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009)

Jagd provoziert vielfach erst so genannte Wildschäden und den »Verbiss« im Wald. Rehe sind von ihrer Natur her Bewohner von Wiesen und dem Waldrand. Die Jagd treibt die Tiere in den Wald hinein, wo sie dann keine - für sie lebenswichtigen - Gräser und Kräuter finden und ihnen nichts anderes bleibt, als an Knospen zu knabbern. Zudem werden die Tiere durch die Jagd unnötig aufgescheucht, was ihren Nahrungsbedarf und damit die Fraßschäden oft weiter erhöht.

Die Jagd auf Füchse versuchen die Jäger gegenüber der Öffentlichkeit mit zwei Argumenten zu rechtfertigen: dem Schutz der Bevölkerung vor Tollwut und Fuchsbandwurm. Der Haken daran: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der »Weltorganisation für Tiergesundheit« als tollwutfrei. Und: Seit Jahren weisen Forscher darauf hin, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm übertrieben ist. In Deutschland ist kein einziger Fall einer Infektion über Waldbeeren dokumentiert.

Der renommierte Ökologie- und Evolutionsbiologe Prof. Dr. Josef Reichholf kam bei seinen langjährigen Forschungen zu dem Ergebnis, dass die Jagd - nach der industriellen Landwirtschaft - der »Artenfeind Nr. 2« ist.

Trotz beharrlicher Propagandaarbeit der Jagdverbände sinkt das Image der Jäger in der Öffentlichkeit immer mehr: Immer weniger Spaziergänger, Reiter und Mountainbiker lassen es sich gefallen, wenn sie von Jägern angepöbelt und bedroht werden - und sie protestieren gegen Ballerei in Stadtparks, auf Friedhöfen und in Naherholungsgebieten. Immer wieder ist in der Zeitung zu lesen, dass Jäger aus Versehen Menschen oder Ponys auf der Weide mit Wildschweinen verwechseln - das kann einem beim Spaziergang schon Angst machen. Millionen Tierfreunde haben kein Verständnis, wenn ihre Hauskatzen abknallen oder drohen, den Hund zu erschießen. Warum Jäger Hasen tot schießen, obwohl sie auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen, kann irgendwie auch niemand mehr gut finden. Zudem haben 99,7 Prozent der Bevölkerung andere Hobbys, als Tiere tot zu schießen.



Luxemburg: Füchse werden weiterhin nicht bejagt

Die Abgeordnetenkammer in Luxemburg hat entschieden, dass es beim Verbot der Fuchsjagd bleibt.

In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit 1. April 2015 verboten. Zunächst sollte das Verbot für ein Jahr gelten. Die Jäger liefen gegen das ganzjährige Verbot der Fuchsjagd Sturm und sammelten 10.327 Unterschriften gegen das Fuchsjagdverbot.
Am 11. Mai 2015 fand darüber eine öffentliche Anhörung vor der Abgeordnetenkammer statt. Wildtierschutz Deutschland übergab an diesem Tag gemeinsam mit »Luxemburg for Foxes« mehr als 12.000 Unterschriften für die Beibehaltung des Fuchsjagdverbots.


Parlamentspräsident Mars di Bartolomeo sagte in seiner Einleitung, dass Tierschützer drei Petitionen für die Beibehaltung des Fuchsjagdverbots vorgelegt hätten.

Bei der Anhörung malten die Jäger wieder ihr bekanntes Jägerlatein in die Wand: Die Fuchs-Population werde sich verfünffachen, behauptete Jäger-Präsident Georges Jacobs.
Staatsekretär Camille Gira entgegnete: »In den vergangenen Wochen war immer von einer Verdreifachung die Rede. Die Jäger sollen jetzt endlich einmal belegbare Zahlen bringen.«

Mehr Tote durch Jagdunfälle als durch Fuchsbandwurm

Auch die angebliche die Gefahr der Verbreitung des Fuchsbandwurms wies der Staatsekretär erneut zurück: Es seien in Luxemburg nur zwei Fälle von Fuchsbandwurm-Erkrankungen belegt, keiner sei tödlich verlaufen. »In Deutschland hat es im letzten Jahr zwei Tote durch eine Fuchsbandwurminfektion gegeben, die Zahl der Toten durch Jagdunfälle lag bei 40«, zitierte das Luxemburgische Tagblatt Staatssekretär Gira.

Wann kommt das Fuchsjagdverbot in Deutschland?

Füchse werden in Deutschland ganzjährig bejagt und haben keine Schonzeit. Jahr für Jahr töten die Jäger über eine halbe Million Füchse. Dabei erfüllen Füchse eine wichtige ökologische Aufgabe in der Natur (»Gesundheitspolizei des Waldes«). In unbejagten Gebieten reguliert das Sozialsystem der Füchse die Population weit effektiver, als es der Mensch jemals könnte. Ganz im Gegenteil: Je stärker Füchse bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es. Und dies dient wiederum nur denen, die Freude daran haben, Jagd auf Füchse zu machen.

Die Grünen-Landtagsfraktionim Saarland hat inzwischen eine Anfrage an die Landesregierung zur Fuchsjagd gestellt, warum die Landesregierung die Fuchsschonzeit verkürzt hat und generell weiter an der Fuchsjagd festhält. »Die Fuchsjagd hat keinen regulierenden Einfluss auf die Fuchspopulation. Dies haben wissenschaftliche Studien hinlänglich gezeigt«, so der Fraktions­vorsitzende Hubert Ulrich. »Aus diesem Grund hat Luxemburg im April 2015 die Fuchsjagd zunächst für die Dauer von einem Jahr verboten, um im Anschluss eine Bestandsaufnahme zu machen. Man sah auch in Bezug auf die verschwindend gering gewordene Gefahr durch Tollwut oder den Fuchsbandwurm keine Legitimation für die Tötung von Füchsen mehr.«

Quellen:
· Wildtierschutz Deutschland, 5.6.2015
· Luxemburgisches Tagblatt, 11.5.2015
· gruene-fraktion-saar.de, Pressemitteilung vom 31.5.2015



Österreich: "Keine Jagd auf meinem Grundstück"

Grundstückseigentümer stellen Antrag auf Jagdverbot

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte müssen Jagdgegner auf ihrem Grundstück keine Jagd dulden - auch in Österreich nicht. Ein Grundstückseigentümer aus Niederösterreich will die Jagd jetzt verbieten lassen.

In Deutschland mussten aufgrund der mittlerweile gefestigten Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes schon zahlreiche Grundstücke jagdfrei gestellt werden. Inzwischen sind in Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen etliche Hektar Wiesen, Wälder und Felder offiziell jagdfrei. Und es werden immer mehr: Hunderte Anträge auf jagdrechtliche Befriedung sind noch anhängig.


In Deutschland losgetretene Lawine kommt auch in Österreich ins Rollen

Auch in Österreich wollen nun die ersten Grundstückseigentümer die Jagd auf ihrem Grund und Boden nicht länger dulden. Die Initiative zur Abschaffung der Jagd Österreich und der Österreichische Tierschutzverein wollen dafür sorgen, dass diese in Deutschland losgetretene »Lawine« nun auch in Österreich ins Rollen kommt.

Dr. Christian Nittmann von der Initiative zur Abschaffung der Jagd: »Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass Grundstückseigentümer in Österreich die Jagd auf ihrem eigenen Grund und Boden zulassen müssen, auch wenn sie die Jagd ablehnen. Daher ist es dringend notwendig, den ÖsterreicherInnen dieselben Möglichkeiten des Austrittes aus der Zwangsbejagung einzuräumen, wie es in anderen Ländern Europas mittlerweile eine Selbstverständlichkeit ist. Zudem zeigen wissenschaftliche Studien und die Erfahrungen in unbejagten Gebieten, dass Ruhezonen, in denen sich Wildtiere ohne Angst zurückziehen können, zu einer deutlichen Reduzierung der Reproduktionsrate führen - und die Wildtiere ihre große unnatürliche Scheu verlieren.«

Eindeutige Rechtslage

Die Rechtslage ist klar: Das höchste europäische Gericht hatte am 26.06.2012 zulasten von Deutschland entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, sofern der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt. Damit folgte der Gerichtshof seinen Schlussfolgerungen in zwei früheren Urteilen: Bereits 1999 stellte der Gerichtshof im Falle französischer Kläger und 2007 im Falle einer luxemburgischen Klägerin fest, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn Grundstückseigentümer dazu verpflichtet werden, einer Jagdgenossenschaft zwangsweise beizu­treten und die Jagd auf ihren Grundstücken zu dulden, obwohl die Jagd ihrer eigenen Überzeugung widerspricht. Die Europäische Menschenrechtskonvention als Vertragsvölkerrecht und ihre von der Republik Österreich unterzeichneten Zusatzprotokolle entfalten auch in Österreich Wirksamkeit. Die Konvention wird ausgefüllt durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Und dieser hat der Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen den Willen der Grundeigentümer eine klare Absage erteilt.

Niederösterreicher stellt Antrag auf jagdrechtliche Befriedung seines Grundstücks

Deshalb stellte der Grundstückseigentümer aus dem Bezirk Mödling in Niederösterreich nun einen entsprechenden Antrag bei der zuständigen Behörde. Er lehnt das Töten von Tieren aus ethischen Gründen kategorisch ab. Bis dato ist in Österreich jedoch ein Ausscheiden aus der Jagdgenossenschaft aus Gewissensgründen nicht möglich. Der Niederösterreicher muss es daher entgegen seiner Grundüberzeugung mit ansehen, wie Tiere auf seinem Grund getötet werden.

Jagdgesetze in Deutschland und Österreich sind ähnlich

Mag. Christian Hölzl, Sprecher des Österreichischen Tierschutz­vereins, stellt dazu fest: »Die Jagdgesetze in Deutschland und Österreich sind ähnlich. Sie basieren auf dem so genannten Reviersystem und gehen allesamt aus dem nationalsozialistischen Reichsjagdgesetz aus dem Jahre 1934 hervor. Insofern muss somit beinahe zwingend davon ausgegangen werden, dass auch die Republik Österreich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mit ihrem Reviersystem unterliegen würde. Die Gesetzgeber in den Ländern (Anm.: jedes Bundesland in Österreich hat sein eigenes Jagdgesetz) täten gut daran, die Jagdgesetze zu ändern. Denn am Ende des Tages werden die Grundstücke von den Antragstellern, die die Jagd auf ihrem Grund und Boden nicht mehr dulden wollen, jagdfrei gestellt werden müssen - auch wenn sich die zuständige Behörde anfangs dagegen sträuben sollte.«

Niederösterreicher will sein Recht einfordern - bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Der Antragsteller aus dem Bezirk Mödling hofft nun auf eine rasche Befriedung seines Grundstückes. Andernfalls ist er gewillt, sein Recht bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menscherechte einzufordern. Unterstützt wird er dabei von der Initiative zur Abschaffung der Jagd Österreich und dem Österreichischen Tierschutzverein.

Immer mehr Österreicher stellen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung

Im Oktober 2014 hatte ein österreichischer Grundbesitzer aus Kärnten einen entsprechenden Antrag gestellt, seine Waldflächen als »jagdfrei« erklären zu lassen. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) berichtete am 13.2.2015, dass der Antrag Ende Januar zurückgewiesen wurde. Daraufhin wurde Anfang Februar Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht Kärnten gerichtet.

Einen weiteren Antrag auf Jagdverbot auf ihrem Grundstück stellte eine Tierfreundin aus Oberösterreich bei der Bezirkshauptmannschaft Linz-Land. »Die Tierfreundin unterhält eine Weide­haltung von Hausschweinen und -hühnern«, berichtet der VGT. »Bei der letzten Jagd im Dezember wurden die Tiere in Angst und Schrecken versetzt, weshalb der Verein gegen Tierfabriken nicht nur die konkrete Jagd angezeigt, sondern auch einen Jagdfreistellungsantrag für die Weideflächen ausgearbeitet hat.«

»Grundsätzlich wird das Eigentumsrecht ja gerne hochgehalten, wenn es gegen den Tierschutz geht: In österreichischen Tierfabriken zählt die Gewerbefreiheit mehr als Tierschutz. Doch die elitäre Jagdlobby darf sogar in Privateigentum eingreifen und auf fremden Grund Jagdeinrichtungen errichten, Wild intensiv füttern und bejagen«, so Elmar Völkl vom Verein gegen Tierfabriken.

Dr. Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken erklärt: »Die Jägerschaft hält Österreich in einer eisernen Umklammerung, überall in den Landtagen haben sie ihre Lobbyisten sitzen.« Die Zwangsbejagung stelle eine große Belastung für die Grundeigentümer dar. Daher will der VGT Grundeigentümer unterstützen, um eine Änderung des Jagdrechts zu erwirken, die nicht nur auf das ethische Empfinden der Menschen, sondern auch auf das ökologische Gleichgewicht im Wald Rücksicht nimmt.

Aus Kärnten hat sich ein Grundbesitzer gemeldet, der insgesamt 600 Hektar Waldflächen jagdfrei stellen möchte, berichtet der Verein Gegen Tierfabriken.

Auch bei der Initiative zur Abschaffung der Jagd Österreich und dem Österreichischen Tierschutzverein haben weitere Grundstückseigentümer aus Österreich haben bereits angekündigt, ebenfalls einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks zu stellen.

Informationen:

Initiative zur Abschaffung der Jagd Österreich

Dr. Christian Nittmann
Postfach 21 · A-1090 Wien
e-mail:
info@abschaffung-der-jagd.at
www.abschaffung-der-jagd.at
www.zwangsbejagung-ade.at

Österreichischer Tierschutzverein ÖTV
Mag. Christian Hölzl, Sprecher des ÖTV
Berlagasse 36 · A-1210 Wien
e-mail:
zentrale@tierschutzverein.at
www.tierschutzverein.at
Verein gegen Tierfabriken VGT
DDr. Martin Balluch
Meidlinger Hauptstraße 63/6 · A-1120 Wien
e-mail:
vgt@vgt.at
ww.vgt.at



Rheinland-Pfalz: Bio-Weingut jagdfrei!

Ab 1.4.2015 sind die Weinberge und Wiesen des Bio-Weinguts Gänz im rheinland-pfälzischen Hackenheim offiziell jagdfrei! Die Bio-Winzerfamilie Gänz kann es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn Jäger in den ökologisch bewirtschafteten Weinbergen oder auf den Streuobstwiesen Tiere tot schießen.


»Dass auf meinen Grundstücken gejagt wird, kann ich beim besten Willen nicht mit meinem Gewissen vereinbaren«, erklärt Albert Gänz, der Eigentümer des Weinguts. »Viele Wildtiere sterben durch die Jagd einen qualvollen Tod. Familienverbände werden zerrüttet und wertvolle Sozialstrukturen zerstört. Auch wenn es gerne abgestritten wird, werden viele Tiere aus Spaß oder als Freizeitvergnügen getötet und sterben einen unnötigen Tod. Auf meinen Grundstücken soll das Leben von Wildtieren geachtet werden. Deshalb ist es mit meiner Vorstellung von einem Leben mit der Natur nicht vereinbar, dass auf meinem Grund und Boden auf grausame Weise das Blut von Wildtieren vergossen wird«, so Gänz weiter.

Familie Gänz sieht zudem in der Jagdruhe auf ihren Flächen einen Gewinn für die Allgemeinheit, den Natur- und Artenschutz: Ruhezonen, in denen Wildtiere nicht dem ununterbrochenen Jagddruck ausgesetzt sind, gebe es in Deutschland noch viel zu wenige.

Bereits im Jahr 2010 hatte der Bio-Betrieb bei der zuständigen Behörde einen Antrag gestellt, aus ethischen Gründen von der Zwangsbejagung der eigenen Flächen befreit zu werden.
Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 stellte der Inhaber des Weinguts und Biohotels Gänz aus Hackenheim einen Eilantrag, um die Grundstücke vorläufig jagdfrei zu stellen, bis in Deutschland eine Jagdgesetzänderung in Kraft wäre. Doch das Verwaltungsgericht Koblenz hat den Eilantrag mit Beschluss vom 17.04.2013 zurückgewiesen. Die Winzerfamilie legte daraufhin Beschwerde ein, die jedoch ebenfalls zurückgewiesen wurde. In der Pressemitteilung des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz vom 26.6.2013 - also genau ein Jahr nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen die Zwangsbejagung! - hieß es: »Die Jagd aus Gewissensgründen ablehnender Grundstückseigentümer muss Jagdausübung auf seinen Grundstücken vorläufig weiter dulden«. Dies war vor dem Hintergrund des völlig eindeutigen Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ein Skandal.

Mit Bescheid vom 25.03.2015 hat die Kreisverwaltung Bad Kreuznach einen Großteil der Flächen der Bioweingutes Gänz in Hackenheim mit Wirkung zum 01.04.2015 – zunächst befristet auf drei Jahre – für befriedet erklärt.



Grundstück in Mönchengladbach jagdfrei!

Obwohl die Jagdgenossenschaft die Stadt verklagen wollte: Eine tierliebende Familie hat erfolgreich durchgesetzt, dass auf ihrem 2585 Quadaratmeter großen Grundstück in Zukunft kein Tier mehr von Jägern erschossen wird.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte am 26.6.2012 entschieden, dass Grundstückseigentümer keine Jagd dulden müssen.
»Ich bin selbst Vegetarierin, und wir möchten nicht, dass auf unserem Land Tiere getötet werden«, wird die Mutter von der
Westdeutschen Zeitung am 18.3.2014 zitiert.
Und die
Rheinische Post zitiert am 14.3.2015 wie folgt: »Wir waren schon immer Jagdgegner: Wenn man von den Expansionsgeschossen hört, die bei Tieren faustgroße Austrittslöcher verursachen, aber dennoch nicht zum sofortigen Tod führen müssen. . . Tiere, die angeschossen flüchten und nicht sofort gefunden werden, erleiden unfassbare Qualen.«


Darum beantragten die Tierschützer aus Gewissensgründen bei der zuständigen unteren Jagdbehörde, die bei der Stadt angesiedelt ist, die jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks. Es begann ein umfangreiches Verfahren, bei dem der Familie auf den Zahn gefühlt wurde, die Jagdgenossenschaft, die beiden Jagdpächter und die angrenzenden Grundeigentümer angehört wurden sowie Stellungnahmen vom Waldbauernverband, Landwirtschaftskammer, Landesbüro der Naturschutzverbände, Landesbetrieb Wald und Holz, Gemeindewaldbesitzerverband und Landesjagdverband eingeholt wurden.

Schließlich hat die Stadt Mönchengladbach die Ackerfläche im März 2015 offiziell jagdrechtlich befriedet.

Doch damit nicht genug: Die Jagdgenossenschaft wollte die Befriedung nicht hinnehmen, zweifelte die »ethischen Gründe« der Familie an und verklagte die die Stadt! Die Jäger wollten verhindern, dass das Jagdrevier zu einem »Flickenteppich« wird.

Am 18.3.2015 fand der Prozess vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf statt. Die Rheinische Post berichtet am 19.3.2015, dass der Richter deutlich gemacht habe, dass das Verwaltungsgericht die Gewissensgründe, die die Familie anführe, nicht überprüfen werde. Die Jagdgenossenschaft könne nur Einwände gegen die Befriedung geltend machen, die die Ausübung der Jagd betreffen. Daraufhin zog die Jagdgenossenschaft ihre Klage zurück.
Das Verfahren wurde eingestellt.



Einjähriges Jagdverbot auf Füchse in Luxemburg

Jagdlobbyismus gegen Reineke

von Dag Frommhold, www.fuechse.info

Seit dem 1.4.2015 ist die Fuchsjagd in Luxemburg für zunächst ein Jahr verboten – das zuständige Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Umwelt sieht für die Tötung von Füchsen in Wald und Feld keinen vernünftigen Grund. Bisher kamen vor den Flinten der Jägerschaft im Großherzogtum etwa 3.000 Füchse im Jahr zu Tode. Doch die FSHCL, Verband der luxemburgischen Jäger, will sich das Jagdvergnügen auf Meister Reineke nicht so einfach verbieten lassen und versucht, mit Panikmache und abstrusen Behauptungen Druck auf die Regierung aufzubauen.

Um Unterstützung in Politik und Öffentlichkeit zu gewinnen, malt die FSHCL in einer öffentlichen Stellungnahme (siehe z.B. http://www.jagdwissen.net/einstellung-der-fuchsjagd-in-luxemburg/) Schreckensszenarien ausufernder Fuchsbestände und um sich greifender Wildseuchen an die Wand. Bereits ein kurzer Blick auf die Erfahrungen in (fuchs)jagdfreien Gebieten sowie wissenschaftliche Erkenntnisse zur Populationsdynamik des Fuchses entlarvt diese Behauptungen jedoch allesamt als Jägerlatein.


Jagdfreie Gebiete: Keine Bestandssteigerung

Zunächst einmal kommt es bei der Reduktion oder Einstellung der Fuchsjagd keineswegs zu einer dramatischen Bestandssteigerung – zu sehen ist das an Orten, an denen Meister Reineke tatsächlich nicht mehr bejagt wird, etwa in Nationalparks und Schutzgebieten, den Dünengebieten Nordhollands oder dem Schweizer Kanton Genf. Überall dort blieb die Populationsdichte des Fuchses nach der Einstellung der Jagd konstant. Als im Saarland 2010 eine sechsmonatige Schonzeit für die ansonsten ganzjährig bejagten Füchse eingeführt wurde und die Jägerschaft sich mit ähnlich düsteren Prognosen wie nun in Luxemburg an die Öffentlichkeit wandte, zeigte sich in den Folgejahren sogar ein tendenziell sinkender Fuchsbestand. Auf der anderen Seite hat selbst intensive Jagd offensichtlich keinen nachhaltigen Einfluss auf die Fuchsdichte: In Deutschland etwa werden kontinuierlich gut eine halbe Million Füchse im Jahr getötet, ohne dass der Bestand dadurch sinken würde. Und selbst als man in den 1970er Jahren dem Fuchs als Tollwutüberträger mit allen Mitteln den Krieg erklärte und ganze Fuchsfamilien in ihren Bauen vergaste, gelang es dadurch nicht, die Fuchsdichte zu reduzieren.


Soziale Bestandsregulierung

Zurückzuführen ist dies auf die flexible Sozialstruktur des Rotfuchses: Werden Füchse nicht bejagt, leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die älteste Füchsin Nachwuchs bekommt. „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“, kommtierte der Biologe Erik Zimen dieses Phänomen. Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Fallen in dieses System ein, zerbrechen die Familiengemeinschaften durch die Tötung einzelner Mitglieder; nahezu jede Füchsin wird schwanger, und die Geburtenrate steigt an. Wie Studien zeigen, ist darüber hinaus auch die durchschnittliche Wurfgröße in bejagten Gebieten deutlich höher: zwei bis vier Welpen in unbejagten Fuchspopulationen stehen bis zu acht in stark bejagten Gebieten gegenüber. Dadurch können einerseits Verluste von bis zu zwei Dritteln des Herbstbestandes kompensiert werden, andererseits wächst die Fuchspopulation aber auch nicht dramatisch an, wenn man die Jagd unterbindet. Der von der Jägerschaft prognostizierte Anstieg der Fuchsdichte um Faktor 2 oder 3 ist also schlicht unseriös und als vorsätzliche Täuschung der Öffentlichkeit zu betrachten.

Allein schon aus diesem Grund ist die gesamte vom FSHCL präsentierte Liste vermeintlicher Folgen einer solchen Bestandsexplosion hinfällig. Im Folgenden soll trotzdem kurz auf die einzelnen Behauptungen der luxemburgischen Jägerschaft eingegangen werden.


1. Dass Fuchsjagd einen Beitrag zur Eindämmung der afrikanischen Schweinepest leisten kann, ist schlichtweg eine unbewiesene Behauptung, die zudem offenkundig der Faktenlage widerspricht. Zunächst einmal können sich Füchse sich mit dieser Krankheit gar nicht infizieren. Dagegen gelten als Hauptrisiken für die Verbreitung der afrikanischen Schweinepest Transport und Einfuhr von Produkten aus nicht durchgegartem Fleisch oder Schlachtabfällen. Wenn Jäger also beispielsweise illegal Fleischreste von Nutztieren zum Anlocken von Beutegreifern einsetzen, besteht darin ein nicht unerhebliches Infektionsrisiko für Wildschweine.

Wenn man unterstellt, dass Aasfresser die Schweinepestviren an Fell oder Pfoten in neue Gebiete einschleppen, würde die Jagd sogar kontraproduktiv wirken: Wie eingangs erläutert, lässt Bejagung die Reproduktionsraten in die Höhe schnellen. Dadurch wird der Anteil an Jungtieren an der Gesamtpopulation deutlich erhöht. Gerade diese Jungtiere sind es jedoch, die sich im Herbst auf die Suche nach einem eigenen Revier machen, auf ihren Wanderungen viele Kilometer zurücklegen und Seuchen damit oft erst in neue Gebiete tragen. Aus diesem Grund breitete sich in den 1970er und 1980er Jahren die Tollwut auch mit zunehmender Geschwindigkeit aus.

2. Am Fuchsbandwurm zu erkranken ist extrem unwahrscheinlich - selbst in Gebieten, in denen ein großer Anteil der Füchse Echinococcus multilocularis in sich trägt. Deutschlandweit infizieren sich pro Jahr etwa 20 bis 30 Menschen mit dem Fuchsbandwurm. Damit ist es wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen zu werden oder bei einem Jagdunfall zu Schaden zu kommen, als an Echninokokkose zu erkranken. Hauptursache für diese Infektionen ist dabei übrigens der Kontakt mit unzureichend entwurmten Haustieren.

Entgegen den Behauptungen der Jägerschaft zeigen wissenschaftliche Studien übrigens, dass trotz wachsender Befallsraten mit dem Fuchsbandwurm seit 1990 keine Zunahme der Krankheitsfälle beim Menschen zu verzeichnen ist. Grund dafür ist das gewachsene Hygienebewusstsein und insbesondere die bessere Entwurmung von Haustieren.

Durch dieselben Mechanismen, die bereits im Hinblick auf die Schweinepest angeführt wurden, begünstigt die Jagd die Ausbreitung des Fuchsbandwurms sogar. Auch wenn man Füchse durch das Auslegen geeigneter Ködern entwurmen möchte, ist die Jagd kontraproduktiv: Jagddruck lässt die Wanderbewegung in Fuchspopulationen ansteigen, wodurch Füchse von außen in das beköderte Gebiet eindringen und dabei den Fuchsbandwurm wieder einschleppen.

3. Was Fuchsjagd in Bezug auf die Tollwut ausrichtet, haben wir in Mitteleuropa in den 1970er und 1980er Jahren schmerzhaft erfahren müssen: Gerade als Füchse intensiver denn je zuvor bejagt wurden, stieg die Fuchspopulation an; die Tollwut breitete sich infolge wachsender Reproduktionsraten und zunehmender Wanderbewegungen immer schneller aus. Die Schweizerische Tollutzentrale konstatierte schließlich, dass das Töten von Füchsen keine geeignete Maßnahme zur Bekämpfung der Tollwut sei.

Erst durch den flächendeckenden Abwurf von Impfködern aus Flugzeugen konnte die Tollwut auf ebenso tierfreundliche wie effiziente Weise eliminiert werden, so dass die meisten Länder Mitteleuropas inzwischen seit vielen Jahren tollwutfrei sind. Die Handauslegung von Ködern durch Jäger zeigte sich dagegen weit weniger effektiv – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Beteiligung und Motivation vieler Jäger zu wünschen übrig ließen.

4. Jäger machen immer wieder den Fuchs für den Rückgang bedrohter Arten verantwortlich. Dabei stellt sich die Frage, warum die Waidmänner selbst jedes Jahr mehr als eine Viertelmillion Hasen und mehrere Tausend Rebhühner erlegen – Wildtiere, die in der „Roten Liste“ der gefährdeten Arten stehen. Zusätzlich schreckt die Jagd auch Wildtiere auf, die selbst nicht geschossen werden, und schadet dadurch auch bedrohten Arten. Dagegen wird keine Tierart in Mitteleuropa durch den Fuchs im Bestand bedroht – vielmehr ist die fortschreitende Zerstörung sensibler Lebensräume dafür verantwortlich. Nur die Renaturierung dieser Habitate wird bedrohten Arten vom Hasen bis zu Bodenbrütern letztlich helfen können. Da eine Reduktion des Fuchses mit jagdlichen Mitteln ohnehin nicht möglich ist, gibt es auch keinen Anlass zu der Annahme, dass die flächendeckende Fuchsjagd bedrohten Arten hilft.

Dadurch, dass Jäger die Schuld an der schwierigen Situation vieler Wildtierarten auf Beutegreifer wie den Fuchs schieben, lenken sie von eigener Mitschuld ab – und versuchen gleichzeitig die Jagd auf Füchse zu rechtfertigen.

5. Die Behauptung der Jägerschaft, Fuchsjagd sei „Tierschutz“ und diene durch die Gesunderhaltung der Bestände auch den Füchsen selbst, ist an Zynismus kaum zu überbieten. Die Fuchsjagd zerstört Familienverbände, verwandelt Populationen mit stabilen Sozialstrukturen in ein ständigen Umwälzungen unterworfenes, konfliktträchtiges soziales Chaos. Die meisten Füchse sterben in intensiv bejagten Populationen noch in ihrem ersten Lebensjahr, und Studien zeigen, dass selbst bei der vergleichsweise ruhigen Ansitzjagd nur etwa jeder zweite Schuss sofort tötet – die übrigen Tiere entkommen schwer verletzt und sterben zumeist qualvoll. Bei Treibjagden, auf denen in Luxemburg die meisten Füchse getötet werden, dürfte die Quote noch deutlich schlechter aussehen. Dass die Kugel eines Jägers ein „gnädigerer“ Tod sei als Krankheiten oder Hunger, gehört also ins Reich des Jägerlateins. Zudem sterben bei intensiver Bejagung infolge steigender Reproduktionsraten in Summe weitaus mehr Tiere als in unbejagten Gebieten. Das Ausmaß des Leides in bejagten Fuchspopulationen ist also ungleich größer als in jagdfreien Gebieten.


Keine Argumente für die Beibehaltung der Fuchsjagd

Die argumentative Position der Jägerschaft in dieser Debatte ist also äußerst schwach – es gibt kein nach wissenschaftlichen Kriterien haltbares Argument für die Beibehaltung der flächendeckenden Fuchsjagd. Wer jedoch Lustgewinn dabei empfindet, Füchse zu töten, wird Argumenten kaum zugänglich sein. Selbst als nach Einführung der sechsmonatigen Fuchsschonzeit im Saarland eindeutige Belege für stagnierende Populationsdichten vorlagen, sprachen die dortigen Jäger noch von ausufernden Fuchsbeständen und um sich greifenden Räudeepidemien. Das zuständige Ministerium forderte die Jäger schließlich auf, jeden räudeverdächtigen Fuchs einzusenden – mit dem Ergebnis, dass in sechs Monaten gerade einmal 13 Füchse zusammenkamen, von denen vier (!) tatsächlich an der Räude erkrankt waren. Zum Schweigen brachte auch dieses peinliche Ergebnis die Jäger nicht. Und nachdem die Regierungskoalition mit grüner Beteiligung im Saarland zerbrochen und durch ein schwarz-rotes Bündnis ersetzt worden war, gaben jagdfreundliche Politiker schließlich dem permanenten Druck des Jagdverbands nach und verkürzten die Fuchsschonzeit kurzerhand auf vier Monate – ohne dass es dafür eine vernünftige Begründung gegeben hätte.

Es ist daher zu erwarten, dass auch die luxemburgischen Jäger sich weiterhin haarsträubender Panikmache und unbewiesener oder unbeweisbarer Behauptungen bedienen werden, um die Fuchsjagd so schnell wie möglich wieder zu etablieren. Nach wissenschaftlichen Kriterien haltbare Belege für ihre Thesen werden sie nicht liefern können. Es ist zu hoffen, dass die zuständigen Politiker in Luxemburg an ihrer wichtigen und richtigen Entscheidung festhalten und dem Druck der auch in Luxemburg sehr einflussreichen Jägerschaft nicht nachgeben werden.
Luxemburg: Europäischer Vorreiter im Wildtierschutz

Für den Schutz von Wildtieren und Natur in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist die Entscheidung Luxemburgs indes richtungsweisend: Sie zeigt, dass man sich bei politischen Entscheidungen zum Thema Jagd und Natur auch an biologischen Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren kann, statt sich den Abschussinteressen einer kleinen, aber mächtigen Lobby zu unterwerfen. Zur Erinnerung: In den meisten deutschen Bundesländern hat der Fuchs nicht einmal eine Schonzeit; selbst grausamste Jagdarten wie die Fallenjagd oder die Baujagd sind in fast ganz Deutschland noch zulässig, und schon Welpen werden am elterlichen Bau zu zehntausenden von Jägern erschossen oder in Fallen gefangen und dann erschlagen. Umso bemerkenswerter und wichtiger ist der Schritt, den Luxemburg unter der Federführung des Staatssekretärs Camille Gira nun gegangen ist.


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Literarurnachweis



Treibjagd: Spaziergänger in Panik vor Schüssen

Am Samstag, den 14.2.2015, erlebten Spaziergänger im Kempener Ortsteil St.Hubert (NRW) mit ihren Hunden sowie Reiter mit ihren Pferden Momente von Angst und Panik, als den ganzen Tag über immer wieder Schüsse fielen.
Ein betroffener Spaziergänger, der an dem Tag mit seinen beiden Hunden unterwegs war, wandte sich daraufhin in einem Schreiben an das zuständige Ministerium des Landes Nordrhein-Westfalen und an die untere Jagdbehörde. Was er erlebt habe, sei „unbeschreiblich“ gewesen:


„Es knallte dort bereits seit Sonnenaufgang. Man konnte die Schüsse jedoch nicht einwandfrei einordnen. Woher kamen die Schüsse? In welche Richtung zielen diese? Alle Spaziergänger, die ich auf meinem Weg traf, waren alle sehr erschrocken über die Schüsse im Morgengrauen.“
Weiter heißt es in dem Schreiben des betroffenen Bürgers vom 16.2.2015 an das Ministerium:
„Als ich am Nachmittag unterwegs war, kamen mir zwei Reiter entgegen, die Ihre Pferde aufgrund der andauernden Schüsse kaum halten konnten.
Einer Spaziergängerin war der Hund weggelaufen, da sich dieser vor lauter Angst aus den Halsband gezogen hatte.
Nachdem es im Bereich St. Hubert, während einer Jagd, bereits im Dezember 2014 zu einem Jagdunfall kam, frage ich mich, warum derartige Jagdtätigkeit nicht vorab z.B. durch Aufstellen von Warn- oder Hinweisschildern angezeigt wird.
Alle Leute, die ich in dem Bereich getroffen habe, waren empört über die ganztägige Jagdtätigkeit.
Es wurde mehrfach von Angst gesprochen, von einer verirrten Kugel getroffen zu werden.
Muss es erst wieder zu einem dann "bedauerlichen" Unfall kommen?
Bürgerrechte zählen anscheinend heute wenig.
Hätte man am Samstag die Spaziergänger befragt, wäre mit Sicherheit 90% für eine Abschaffung der Jagd gewesen.“

Bereits einen Tag später erhielt der betroffene Bürger ein Antwortschreiben des zuständigen Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.
Hier heißt es: „Zunächst möchte ich ausdrücklich betonen, das ich Ihre Situation und die damit ausgelösten Ängste durch die Jagdausübung anlässlich Ihres Spaziergangs verstehen und nachvollziehen kann. Plötzliche Schussabgaben werden unweigerlich von Passanten unvorbereitet als Gefahr wahrgenommen. Ich begrüße es daher sehr, dass Sie geschrieben haben und damit für das Thema aus Sicht Betroffener sensibilisieren.“
Anschließend geht der Behördenmitarbeiter darauf ein, dass bei jeder Jagd der Jagdleiter für einen gefahrlosen Ablauf der Jagd zuständig sei.
„Ich stimme Ihnen zu, dass das Aufstellen von Warnschildern über eine stattfindende Gesellschaftsjagd zweckmäßig ist. Eine Verpflichtung zum Aufstellen von Warnschildern besteht jedoch nicht.“
Die zuständige untere Jagdbehörde werde gebeten, die Jagdausübungsberechtigten darauf hinzuweisen, über stattfindende Gesellschaftsjagden in geeigneter Weise zu informieren, so der Schluss des Schreibens aus dem Ministerium.

Ob dies die Spaziergänger, die an diesem Samstag Angst vor den Schüssen hatten und fürchteten, von verirrten Kugeln getroffen zu werden, beruhigt?



Jäger blasen geplantes Massaker nach Protesten ab

Den (Fuchs-)Schwanz eingeklemmt: Jäger blasen geplantes Massaker nach wütenden Protesten ab

Von Jürgen Heimann

Da hatten die wackeren Nimrods die Rechnung ganz offensichtlich ohne den Wirt gemacht. Im südwestlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen, im Kreis Euskirchen, ist nach massiven bundesweiten Protesten der von Jägern am 7./8. Februar geplante Massenabschuss von Füchsen abgesagt worden. Ein Erfolg für die Tierschützer vor Ort, aber auch für ihre vielen, nach Tausenden zählenden Unterstützer aus allen Teilen der deutschen Michel-Republik. Womit sich zeigt, dass Widerstand lohnt, zumal dann, wenn er sich gegen völlig unsinnige Vorhaben richtet. Er muss aber gebündelt und entsprechend kanalisiert werden. Und das ist in diesem Fall beispielhaft geschehen.
Der Wind beginnt sich zu drehen. Weite Bevölkerungskreise reagieren zunehmend ablehnend, was solche blutigen und überkommenen „Freizeitvergnügungen“ wie die Fuchsjagd anbelangt, die ihre Legitimation ausschließlich auf eine diffuse Tradition gründet. weiterlesen


Neues Jagdgesetz widerspricht der Verfassung

Fuchskinder & Co. in Gefahr: Für das im April 2015 in Kraft tretende neue Jagd- und Wildtiermanagementgesetz hat die baden-württembergische Landesregierung aktuell einen Entwurf zur Durchführungsverordnung vorgelegt. PETA Deutschland e.V. übt nun scharfe Kritik an dem Vorschlag, da mit ihm zahlreiche Wildtierarten wie Füchse und andere Beutegreifer ohne vernünftigen Grund weiterhin zur Jagd freigegeben sind. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation verstößt dies gegen Art. 20a GG in Verbindung mit § 17 des Tierschutzgesetzes und ist somit verfassungswidrig.
Zudem soll die Jagd auf Fuchswelpen mit Drahtgitterfallen künftig vorbehaltlos zulässig sein, für die bislang eine Sondergenehmigung nötig war.

PETA fordert Umweltminister Bonde auf, die Bejagung von Füchsen sowie aller Tierarten, für deren Tötung nicht der vom Gesetz geforderte vernünftige Grund vorliegt, zu untersagen.
„Das Tierschutzgesetz schreibt vor, dass ein Tier nicht ohne einen vernünftigen Grund getötet werden darf – ein solcher liegt sicher nicht vor, wenn Fuchskinder von Hobbyjägern aus purer Lust am Töten scharenweise gefangen und erschossen werden“, so die Tierrechtsorganisation.
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In einer Pressemitteilung von PETA heißt es: „In Luxemburg ist die Fuchsjagd aus diesem Grund ab April 2015 für mindestens ein Jahr verboten. Baden-Württemberg hingegen scheitert offensichtlich an dem Versuch, ein neues Jagdgesetz zu entwerfen, das sich auch nur ansatzweise an den heutigen wildbiologischen Erkenntnissen und dem Tierschutz orientiert.“

PETA Deutschland e.V. weist daraufhin, dass der Tierschutz seit 2002 als Staatsschutzziel im Grundgesetz verankert und somit als bindendes Gut mit Verfassungsrang anzusehen ist.

Grund für die massenhafte Bejagung der Füchse besteht weder aus wildbiologischer Sicht noch zur Gesundheitsprävention. Zudem werden die getöteten Beutegreifer für gewöhnlich nicht verwertet. Die zum Teil noch immer geäußerten Bedenken gegenüber den Tieren beruhen auf längst widerlegten Annahmen: So gilt beispielsweise die Tollwut seit 2008 in Deutschland offiziell als ausgemerzt. Der Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen Europas. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Parasit zu infizieren, ist laut Prof. Klaus Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg heutzutage geringer als ein Sechser im Lotto. Die Tierrechtsorganisation betont, dass die Jagd nicht nur unnötig, sondern sogar kontraproduktiv ist: Im Familienverband eines Fuchsrudels bekommt nur die älteste Fähe Jungtiere. Werden diese Verbände regelmäßig durch Jäger auseinandergerissen, zerbricht die Sozialstruktur. Die Männchen haben kaum noch feste Reviere mit stetiger Paarbindung, wandern in andere Gebiete ab und pflanzen sich unkontrolliert fort. So bedingt die Jagd nicht nur einen Anstieg der Geburtenrate, sondern auch die potenzielle Verbreitung von Krankheiten.



Schützt Jagd vor Tollwut und Fuchsbandwurm?

Füchse werden in Deutschland ganzjährig bejagt und haben keine Schonzeit. Da Füchse nicht essbar und die Pelze schwer zu vermarkten sind, werden die Kadaver meist kurzerhand in der Tierkörperbeseitigung entsorgt. Diese gnadenlose Jagd auf Füchse versuchen die Jäger gegenüber der Öffentlichkeit mit zwei Argumenten zu rechtfertigen: dem angeblichen Schutz der Bevölkerung vor Tollwut und Fuchsbandwurm.

Der Haken daran: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der »Weltorganisation für Tiergesundheit« als tollwutfrei. (Quelle: Ärzte Zeitung, 7.8.2008)

Mit der angeblichen Gefahr durch den Fuchsbandwurm an Waldbeeren rechtfertigen Jäger in der Öffentlichkeit gerne den massenhaften Abschuss von Füchsen. Doch das ist Jägerlatein: In Deutschland ist kein einziger Fall einer Infektion über Waldbeeren dokumentiert.

Spätestens seit der Anfang 2010 veröffentlichten Untersuchung des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der Technischen Universität München kann auch das Argument »Fuchsbandwurm« getrost in die Kategorie »Jägerlatein« eingeordnet werden. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass durch das konsequente Auslegen von Entwurmungsködern die Infektionsrate dauerhaft auf ein Minimum gesenkt werden kann. Bei einem Projekt im Landkreis Starnberg wurde die Befallsrate der Füchse innerhalb weniger Jahre auf unter 3 Prozent gesenkt. (Quelle: Pressemeldung des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München, Januar 2010)

Schon in den vergangenen Jahren hatten Forscher immer wieder darauf hingewiesen, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm übertrieben sei. Laut Robert-Koch-Insitut gibt es in Deutschland pro Jahr im Schnitt weniger als 20 bestätigte Fälle von Neuinfektionen. Und Professor Peter Kern, der das Europäische Echinokokkose-Register koordiniert, in dem alle bekannt gewordenen Infektionen mit dem Fuchsbandwurm dokumentiert werden, weist darauf hin, dass das größte Risiko der Ansteckung für den Menschen gar nicht der Fuchs ist, sondern der Hund. (Quelle: Kölner Stadtanzeiger, 14.6.2009)

»Mediziner vom Uniklinikum Ulm und von der Universität Würzburg haben offiziell Entwarnung gegeben. Eine Infektion beim Verzehr von Waldbeeren mit dem Fuchsbandwurm sei nicht erwiesen, erklärten sie«, berichtet das Magazin Welt der Wunder (18.6.2012). Und: »Selbst Ärzte sagen: Dass man sich auf diese Weise mit dem Fuchsbandwurm infizieren kann, darf endgültig ins Reich der Legenden verbannt werden.«

Zudem gibt es keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Jagd die Befallsrate der Füchse mit dem Bandwurm reduzieren kann. Auch bei der Tollwut führten einzig flächendeckende Impfaktionen mit Auslegung von Impfködern zum Erfolg - die Fuchsjagd hatte sich Studien zufolge als kontraproduktiv erwiesen und zur Ausbreitung der Tollwut sogar beigetragen.

Somit kann festgestellt werden, dass die angebliche Bedrohung der Volksgesundheit mit Tollwut und Fuchsbandwurm nicht existiert – und nur als Rechtfertigung der Jäger für ihr Hobby dient.



Die wahren Gründe für die Jagd auf Füchse

Wenn nun aber »Tollwut« und »Fuchsbandwurm« als Jägermär entlarvt sind - was sind dann die wahren Gründe für die Fuchsjagd? Hier geben die einschlägigen Jagdzeitschriften und Jäger-Foren im Internet schnell Aufschluss: Von »Lust am Nachstellen und Erbeuten« ist dort die Rede, von der »Waidmannsfreude, einen Fuchs im Schrotschuss rollieren (sich überschlagen) zu lassen«, vom »Reiz der winterlichen Fuchsjagd«, vom »Jagdtrieb«, vom »Jagdfieber« und vom »Kick«, den der Jäger beim tödlichen Schuss erlebt.

Anders, als von Jägern oft behauptet, nehmen unbejagte Fuchsbestände keinesfalls überhand. Komplexe Sozialstrukturen, in denen bei hoher Populationsdichte und geringem Jagddruck deutlich weniger Welpen zur Welt kommen, beschränken die Vermehrungsrate. Der renommierte Biologe und Fuchsforscher Erik Zimen kommentierte dieses Phänomen plakativ mit den Worten »Geburtenbeschränkung statt Massenelend«. Im Normalfall bringt eine Füchsin drei bis fünf Junge zur Welt; in Gebieten, in denen Füchse stark verfolgt werden oder die Mortalitätsrate durch Seuchen stark angestiegen ist, können es jedoch doppelt so viele sein. Auf diese Weise können Verluste schnell wieder ausgeglichen werden.

Füchse erfüllen eine wichtige Rolle als »Gesundheitspolizei«: Sie fangen hauptsächlich Mäuse - zum Nutzen der Landwirtschaft -, vertilgen Aas und erbeuten meist kranke oder verletzte Tiere und tragen somit zur Gesunderhaltung der Tierpopulationen bei. Doch der Fuchs ist nicht nur »Gesundheitspolizei« in der Natur, sondern trägt auch zum Schutz des Waldes, da er Waldwühlmäuse vertilgt.



Fuchsjagd der Kreisjägerschaft Euskirchen abgesagt

Aufgrund der heftigen Reaktionen der Öffentlichkeit und 15.000 Unterschriften in kürzester Zeit gegen das geplante Fuchsmassaker im Kreis Euskirchen hat das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen als oberste Jagdbehörde ein Gespräch mit der Kreisjägerschaft geführt.
Die Kreisjägerschaft Euskirchen sei nach eingehender Überlegung und Abwägung zu dem Ergebnis gekommen, die für das Wochenende kreisweit angekündigte Fuchsbejagung abzusagen.


Die Demo am 5.2.2015 findet statt - als Protest gegen die Fuchsjagd im Allgemeinen!



Offene Briefe an Minister Remmel und den Landrat

Fuchsjagd im Kreis Euskirchen: NRW zeigt sich beim Thema Fuchsjagd als Vertreter der Steinzeit

Lesen Sie den Offenen Brief von Rechtanwalt Storr an Minister Remmel

Lesen Sie den Offenen Brief von Rechtanwalt Storr an den zuständigen Landrat Rosenke



Während die Fuchsjagd in Luxemburg aufgrund überzeugender wissenschaftlicher Argumente verboten wurde, zeigt sich das Bundesland NRW bei diesem Thema einmal mehr als Vertreter der Steinzeit bzw. der Jäger. In über 300 Revieren im Kreis Euskirchen sollen am 07. und 08.02 2015 über 100 Füchse abgeschossen werden, berichtet die Kölnische Rundschau.

Als Begründung wird von Hegeringleiter Johann Jütten die hohe Bestandsdichte genannt. Diese müsse zur Bekämpfung der Tollwut und zur Eindämmung des Fuchsbandwurmes verringert werden. Das gewohnte Jägerlatein also!

Die geplante Fuchsjagd wird unter anderem vom Tierschutzverein Kall und Umgebung e.V. heftig kritisiert. Diese Maßnahme würde nicht nur für die Füchse, sondern für alle Wildtiere einen enormen Stress bedeuten. Dabei ist die Tollwut ausgerottet und eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen in Europa. Auch PETA Deutschland e.V. kritisiert neben vielen anderen Tierschutzorganisationen die geplante Fuchsjagd in Euskirchen und hat Strafanzeige für den Fall angekündigt, dass diese Jagd stattfindet.

Der Tierschutzverein Kall und Umgebung e.V. hat wegen der Fuchsjagd am 05.02.105 in 53909 Zülpich eine Demo geplant.



5.2.2015: Demo vor der Kreisjägerschaft Euskirchen

um 18 Uhr Demo in 53909 Zülpich (Sitz der Kreisjägerschaft Euskirchen)
Treffpunkt: Marktplatz
Die Demo wird organisiert vom Tierschutzverein Kall und Umgebung e.V., um das geplante Fuchsmassaker vielleicht doch noch zu verhindern: „Wir treffen uns am Marktplatz und werden die Unterschriften anschließend nach einem kurzen Fußmarsch in der Kölnstr. 16 abgeben. Neben verschiedenen lokalen Printmedien hat jetzt auch der WDR Interesse an einer Berichterstattung bekundet.“

Kontakt: Tierschutzverein Kall und Umgebung e.V. · Markus Schmitz-Bongard · Tel.: 02441-778664
e-mail: mail@tsv-kall.de
www.tsv-kall.de


Fuchsjagd Euskirchen: PETA kündigt Strafanzeige an

Jägerschaft in Euskirchen plant Massentötung von Füchsen – Sinnlose Jagd verstößt gegen das Tierschutzgesetz

Fuchsjagd in der Kritik: Laut Medienberichten plant die Jägerschaft des Kreis Euskirchen für den 7. und 8. Februar eine großflächige Jagd auf Füchse. Dabei sollen in insgesamt 300 Revieren mehr als 100 Füchse getötet werden. Ziel sei es, dem Anstieg der Fuchspopulation entgegenzuwirken sowie eine veterinärmedizinische Untersuchung der Tiere auf Krankheiten durchzuführen. In einem aktuellen Schreiben übt PETA Deutschland e.V. scharfe Kritik und fordert die Untere Jagdbehörde Euskirchen auf, das Vorhaben umgehend zu stoppen. Da die Gefahr einer Krankheitsübertragung durch Füchse nahezu auszuschließen ist und auch aus wildbiologischer Sicht kein Grund für die Jagd besteht, verstößt die Tötung der Tiere nach Auffassung von PETA gegen § 17 des Tierschutzgesetzes. Sollte das Vorhaben dennoch durchgeführt werden, wird die Tierrechtsorganisation die nötigen rechtlichen Schritte einleiten und Strafanzeige erstatten.


„Laut Tierschutzgesetz muss es für das Töten eines Tieres einen vernünftigen Grund geben – ein solcher liegt sicher nicht vor, wenn sich Hobbyjäger von Beuteneid und der Lust am Töten leiten lassen“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA Deutschland e.V. „Um den Vernichtungsfeldzug gegen Füchse zu rechtfertigen, wurde den Tieren kurzerhand das Image eines Krankheitsüberträgers verpasst – dabei sprechen die Fakten eine völlig andere Sprache.“

Die zum Teil noch immer geäußerten gesundheitlichen Bedenken in Verbindung mit Füchsen beruhen auf veralteten Überlieferungen: So gilt beispielsweise die Tollwut seit 2008 in Deutschland offiziell als ausgemerzt. Der Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen Europas. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Parasit zu infizieren, ist laut Prof. Klaus Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg heutzutage geringer als ein Sechser im Lotto. [1] Die Tierrechtsorganisation betont, dass die Jagd nicht nur unnötig, sondern sogar kontraproduktiv ist: Im Familienverband eines Fuchsrudels bekommt nur die älteste Fähe Jungtiere. Werden diese Verbände regelmäßig durch Jäger auseinandergerissen, zerbricht die Sozialstruktur. Die Männchen haben kaum noch feste Reviere mit stetiger Paarbindung, wandern in andere Gebiete ab und pflanzen sich unkontrolliert fort. [2] So bedingt die Jagd nicht nur einen Anstieg der Geburtenrate, sondern auch die potenzielle Verbreitung von Krankheiten.

PETA weist darauf hin, dass eine veterinärmedizinische Untersuchung ebenso anhand von Proben der mehreren tausend Füchse, die in Nordrhein-Westfalen jedes Jahr dem Straßenverkehr zum Opfer fallen, durchgeführt werden kann.

[1] Brehm, K. zitiert in: Fersch, B. (2012): Fuchsbandwurm: Keine Angst vor Waldbeeren. In:Apothekenumschau online (abgerufen am 15.05.2014).
[2] Frommhold, D. (2007): Füchse im Fadenkreuz – über Sinn und Unsinn der Fuchsjagd.www.fuechse.info (abgerufen am 15.05.2014).

Weitere Informationen:
PETA.de/Jagd-Hintergrundwissen



Grün-Rot ermöglicht Fallenjagd auf Fuchswelpen

Wildtierschutz Deutschland kritisiert den nun vorgelegten Entwurf zur Durchführungsverordnung zum neuen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz für Baden-Württemberg. Die Verordnung soll am 1. April des Jahres in Kraft treten. Nach dem Willen der grün-roten Landesregierung können Jäger Fuchswelpen künftig ohne weiteres bereits am Bau mit der Falle fangen und töten. Wildtierschutz Deutschland moniert des Weiteren, dass auch die neue Jagd- und Schonzeitenregelung nicht dem Stand der aktuellen Wildtierforschung entspreche.


Die Jungtiere werden mittels Drahtgitterfalle am Ausgang des Fuchsbaus gefangen, wenn die Elterntiere auf Nahrungssuche sind. Wenn die arglosen Welpen sich zum Spiel ins Freie begeben, versperrt ihnen die Klapptür der Falle den Weg zurück in den Bau. So müssen sie oft stundenlang ausharren, bis der Jäger sie erschlägt oder in der Falle erschießt. Bisher war für den Einsatz derartiger Fallen eine Sondergenehmigung erforderlich; diese soll künftig wegfallen.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien sowie Erfahrungen aus jagdfreien Gebieten zeigen schon seit geraumer Zeit, dass die Fuchsjagd überflüssig ist. Fuchsbestände regeln sich aufgrund sozialer Mechanismen und durch das verfügbare Nahrungsangebot selbständig. Die Fuchsjagd ist alles andere als nachhaltig – Bestandverluste werden durch höhere Geburtenraten schnell wieder wettgemacht. „Fuchsjagd ist reine Spaßjagd, es gibt weder ökologische noch seuchenrelevante Gründe, den Rotkitteln nachzustellen“, erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

Ebenso unverständlich wie die pauschale Legalisierung der Fallenjagd ist die nur marginale Anpassung der Jagdzeiten: Während Wildschweine nun nahezu ganzjährig bejagt werden dürfen – zuvor galt dies lediglich für Frischlinge -, gibt es bei den meisten anderen Tierarten nur geringfügige Verkürzungen der Jagdzeiten. Die Verordnung ermöglicht selbst den Abschuss von Hockerschwänen und selten gewordenen Waldschnepfen. Die ursprünglich verkündete Absicht, Wildtieren eine angemessene Ruhephase vor menschlichen Nachstellungen zu verschaffen, verkommt damit zur Farce.

„Es ist erschreckend, wie massiv die baden-württembergische Landesregierung bislang einseitig den Abschussinteressen der Jäger gefolgt ist und dabei wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie Belange des Tier- und Naturschutzes weitestgehend ignoriert hat“ bemerkt Kauertz weiter. „Wir fordern Grün-Rot nachdrücklich auf, jetzt wenigstens die gröbsten Auswüchse dieser einseitigen Politik zu korrigieren.“



Sinnloses Fuchsmassaker in Euskirchen

Wildtierschutz Deutschland kritisiert sinnloses Fuchsmassaker in Euskirchen

Wie die Kölnische Rundschau in ihrer Online-Ausgabe am 21.Januar berichtet, sollen bei einer durch Hegeringleiter Johann Jütten (Hellenthal) anberaumten revierübergreifenden Fuchsjagd am 7./8. Februar in 300 Revieren im Kreis Euskirchen etwa 100 Füchse erschossen werden. Der Jägermeister „halte des Fuchsbestand für zu hoch“. Ziel sei es die Verbreitung des Fuchsbandwurms einzudämmen.

Dazu erklärt Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland: „Die Argumentation des Hegeringleiters ist hanebüchen! Es gibt keine haltbaren Belege dafür, dass durch jagdliche Mittel der Befall des Fuchses mit dem Fuchsbandwurm eingeschränkt werden könnte. Was hier hilft, ist allein eine Entwurmungsaktion, wie sie erfolgreich und nachhaltig im Rahmen eines Projektes des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München am Starnberger See vorgenommen wurde. Gründe der Risikoprävention halten wir für vorgeschoben: die Krankheitshäufigkeit der Fuchsbandwurmerkrankung (aveoläre Echinokokkose) liegt in Europa bei 0,5 Fällen pro 100.000 Menschen. In Deutschland liegt die Anzahl der Neuerkrankungen durchschnittlich bei etwa 20-25 pro Jahr.
Wie wenig sinnvoll die Jagd im Hinblick auf die Eindämmung von Fuchskrankheiten ist wissen wir nicht zuletzt aus den 1960er und 70er Jahren, als man die Tiere sogar in den Bauen vergaste, um die Tollwut auszumerzen. Geholfen hat die Massenvernichtung der Füchse nicht. Erst mittels der Tollwutköder konnte man Herr der Situation werden.


Was Jütten auf Feldern und Wäldern rund um Euskirchen veranstaltet, bedeutet für Füchse und für viele andere Wildtiere Stress und Qualen. Die weiblichen Füchse sind zu der Zeit bereits tragend und erwarten in wenigen Wochen ihre Welpen. Jungtiere, die dennoch das Licht der Welt erblicken, haben geringere Überlebenschancen als in unbejagten Revieren – ihr Fuchsvater, der als Nahrungsbeschaffer eine wichtige Rolle in der Aufzucht übernimmt, ist tot. Manche Tiere werden nicht unmittelbar getötet, sie schleppen sich mit schweren Verletzungen ins Dickicht und sterben qualvoll. In 300 Revieren wird Jütten sämtliche Wildtiere unter Stress setzen, was je nach Wetterlage mit Verletzung einhergehen kann und insbesondere für Rehe einen kritischen Energieverlust bedeutet.

Die toten Füchse werden entsorgt werden. Nachfolgende Fuchsgenerationen werden mit höheren Geburtenraten die entstandenen Verluste kompensieren.

Wir halten diese Art der Jagd für sinnlos und für nicht tierschutzkonform. Sie ist nicht einmal nachhaltig. In unbejagten Gebieten dagegen bilden Füchse stabile Sozialstrukturen aus. Diese sorgen dafür, dass Geburtenzahlen extrem niedrig sind und Bestandsgrößen stabil bleiben. Wildtierschutz Deutschland setzt sich deshalb für eine Abschaffung der Fuchsjagd ein."



Luxemburg: Fuchsjagd wird verboten

Der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel teilte mit, dass die Fuchsjagd komplett verboten wird. Man gehe davon aus, dass sich die Fuchspopulation am besten selbst reguliere, so ein Sprecher des luxemburgischen Umweltministeriums (Volksfreund, 20.1.2015). »Wenn es zu wenig Nahrung gibt, gebe es weniger Nachwuchs. Werden die Bestände zu klein, würden die Füchse mehr Nachwuchs bekommen«, so ein Bericht in der Zeitung Luxemburger Wort am 16.1.2015.

Der Jagdverband ist empört und malt das Gespenst einer Fuchsplage an die Wand: Ein Verbot der Fuchsjagd würde die Verbreitung von Tollwut und Fuchsbandwurm nach sich ziehen.
»Das ist ein Schauermärchen, das die Jäger gerne erzählen«, so Camille Gira, Staatssekretär im Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur. »Die Chance, sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken, ist so minimal wie die, das einem ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.«
(l'essentiel online, 16.1.2015)
Es gebe aktuell »keinen objektiven Grund«, Füchse zu jagen, so Gira auf einer Pressekonferenz am 22.1.2015. Die geschossenen Füchse hätten »keine nützliche Verwendung« mehr, sei es als Nahrung oder als Pelz. Jedes Jahr würden »rund 3.000 dieser sympathischen Lebewesen« abgeschossen und dann in die Mülltonne geschmissen. Zudem sei die Tollwut bereits seit über zehn Jahren »ausgemerzt«.
Die Leitlinie der Regierung sei, eine »andere Umgangsweise mit Tieren« zu fördern, die einer »aufgeklärten Gesellschaft im 21. Jahrhundert gerecht werde, so Staatssekretär Gira. »Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die Gefühle haben und Schmerz empfinden«.
(Luxemburger Wort, 22.1.2015)


Seit Jahren weisen Forscher darauf hin, dass Infektion beim Verzehr von Waldbeeren mit dem Fuchsbandwurm ins Reich der Legenden gehört. Und: Sowohl Luxemburg als auch Deutschland sind seit Jahren offiziell tollwutfrei. Studien belegen, dass Fuchsbestände, die nicht bejagt würden, weniger Nachwuchs haben.



Neues Jagdgesetz widerspricht der Verfassung

Fuchskinder & Co. in Gefahr: Für das im April 2015 in Kraft tretende neue Jagd- und Wildtiermanagementgesetz hat die baden-württembergische Landesregierung aktuell einen Entwurf zur Durchführungsverordnung vorgelegt. PETA Deutschland e.V. übt nun scharfe Kritik an dem Vorschlag, da mit ihm zahlreiche Wildtierarten wie Füchse und andere Beutegreifer ohne vernünftigen Grund weiterhin zur Jagd freigegeben sind. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation verstößt dies gegen Art. 20a GG in Verbindung mit § 17 des Tierschutzgesetzes und ist somit verfassungswidrig.
Zudem soll die Jagd auf Fuchswelpen mit Drahtgitterfallen künftig vorbehaltlos zulässig sein, für die bislang eine Sondergenehmigung nötig war.

PETA fordert Umweltminister Bonde auf, die Bejagung von Füchsen sowie aller Tierarten, für deren Tötung nicht der vom Gesetz geforderte vernünftige Grund vorliegt, zu untersagen.
„Das Tierschutzgesetz schreibt vor, dass ein Tier nicht ohne einen vernünftigen Grund getötet werden darf – ein solcher liegt sicher nicht vor, wenn Fuchskinder von Hobbyjägern aus purer Lust am Töten scharenweise gefangen und erschossen werden“, so die Tierrechtsorganisation.
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Jäger blasen geplantes Massaker nach Protesten ab

Den (Fuchs-)Schwanz eingeklemmt: Jäger blasen geplantes Massaker nach wütenden Protesten ab

Von Jürgen Heimann

Da hatten die wackeren Nimrods die Rechnung ganz offensichtlich ohne den Wirt gemacht. Im südwestlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen, im Kreis Euskirchen, ist nach massiven bundesweiten Protesten der von Jägern am 7./8. Februar geplante Massenabschuss von Füchsen abgesagt worden. Ein Erfolg für die Tierschützer vor Ort, aber auch für ihre vielen, nach Tausenden zählenden Unterstützer aus allen Teilen der deutschen Michel-Republik. Womit sich zeigt, dass Widerstand lohnt, zumal dann, wenn er sich gegen völlig unsinnige Vorhaben richtet. Er muss aber gebündelt und entsprechend kanalisiert werden. Und das ist in diesem Fall beispielhaft geschehen.

Der Wind beginnt sich zu drehen. Weite Bevölkerungskreise reagieren zunehmend ablehnend, was solche blutigen und überkommenen „Freizeitvergnügungen“ wie die Fuchsjagd anbelangt, die ihre Legitimation ausschließlich auf eine diffuse Tradition gründet. weiterlesen



Luxemburg: Fuchsjagd wird verboten