Pressemeldungen 2014

Strafanzeige gegen revierübergreifende Drückjagd

 

Verfassungsbeschwerde gegen neues Bundesjagdgesetz

 

Österreich: Erster Antrag auf Jagdverbot

 

BVerG: Null-Promille-Grenze für Jäger

 

Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

 

Immer mehr jagdfreie Grundstücke in Deutschland

 

Baden-Württemberg: Politik kapituliert vor Jägern

 

Niedersachsen: Weiterhin Wasservogeljagd in EU-Vog

 

Schluss mit der Hobbyjagd!

 

Grundstück in Dithmarschen jagdfrei!

 

Grundstück in Höxter/NRW jagdfrei!

 

Grundstück in Eutin ab 1.4.2015 jagdfrei!

 

Jagd kann Wildschweine nicht regulieren

 

4 Waldgrundstücke in Bayern jagdfrei!

 

Schleswig-Holstein: Erste Grundstücke jagdfrei!

 

Immer mehr jagdfreie Grundstücke in Deutschland

 

10 Hektar im Münsterland jagdfrei!

 

Ab 1.4.2014: 25 Hektar im Rheinland jagdfrei!

 

Revierübergreifende Massentötung Füchsen illegal

 

Abartige Auswüchse der Jagd: Strafanzeige

 

Fuchsjagd - ein grausames Hobby

 




Verfassungsbeschwerde gegen neues Bundesjagdgesetz

Neues Jagdgesetz benachteiligt juristische Personen, die nicht zwangsbejagt werden wollen

Seit Jahren wehren sich Grundeigentümer in Deutschland vor Gericht, weil sie nicht wollen, dass auf ihren Flächen gejagt wird. Durch einen gesetzlich verordneten Zwang der Mitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft konnten sie das bis zum Jahr 2012 nicht verhindern. Dann aber entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am 26.06.2012, dass die so genannte Zwangsbejagung menschenrechtswidrig ist, sofern die Eigentümer dies aus ethischen Gründen nicht wollen. Grundstückseigentümer in Deutschland müssen somit die Jagd auf ihren eigenen Flächen nicht mehr länger dulden. Oder etwa doch?




Neuregelung gilt nicht für juristische Personen

Der Bundesgesetzgeber hat in der Zwischenzeit das Bundesjagdgesetz entsprechend geändert und die neue Vorschrift des § 6a eingefügt. Der neue § 6a BJagdG sieht jedoch vor, dass nur natürliche Personen einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Grundflächen stellen können.

Diese Regelung führt zu der absurden gesetzgeberischen Schieflage, dass eine natürliche Person, welche den Beruf des Metzgers ausübt, die Jagd aber aus ethischen Gründen ablehnt, da die Tiere bei der Jagd nicht vor ihrer Tötung betäubt werden, einen Anspruch auf Befriedung ihrer Flächen hat, wohingegen ethische Jagdgegner und Vegetarier, die sich zu einer Organisation mit dem Ziel zusammenschließen, Natur und Tiere zu schützen, und für dieses Ziel unter Aufwendung von erheblichen finanziellen Investitionen tagein und tagaus unter Einsatz ihrer gesamten Arbeitskraft tätig sind, die Jagd auf den Flächen ihrer Organisation weiter dulden müssen.

Diese Schieflage verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass dieses neue Gesetz von der Jagd- und Agrarlobby selbst gestrickt wurde. Ein Bundestagsabgeordneter der CDU gab auch offen zu, dass man Jagdgegnern den Austritt aus der Jagdgenossenschaft so schwer wie möglich machen wollte.

Zwei Stiftungen haben Verfassungsbeschwerde eingereicht

Eine Stiftung aus Niedersachsen sowie eine Stiftung aus Bayern, die ihre Grundflächen nicht für ein derart blutiges Hobby zur Verfügung stellen wollen, haben innerhalb der Jahresfrist am 04.12.2014 Verfassungsbeschwerden gegen die Neuregelung des Bundesjagdgesetzes über die Kanzlei Storr eingelegt. Sie berufen sich auf eine Verletzung des Eigentumsrechts sowie auf eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes. Sollten die Beschwerdeführer vor dem Bundesverfassungsgericht nicht erfolgreich sein, droht unter Umständen ein erneuter Urteilsspruch gegen die Jäger aus Straßburg vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Stromberg, den 19.12.2014

Rechtsanwalt
Dominik Storr

Marderweg 10
D-55442 Stromberg
Telefon: +49 (0)6724-605674-2
Telefax: +49 (0)6724-605674-3
E-Mail: info@buergeranwalt.com
Internetauftritt: www.dominik-storr.de



Strafanzeige gegen revierübergreifende Drückjagd

PETA erstattet Strafanzeige: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz - Wildtiere bei revierübergreifender Drückjagd im Dießener Tal erheblichem Leid ausgesetzt

Am 6. Dezember fand im Dießener Tal eine revierübergreifende Drückjagd der Jagdgemeinschaften Dettingen, Dürrenmettstetten und Ihlhingen sowie der Eigenjagd „Schlattwald“ – ein Jagdgebiet im Besitz der Familie Rebholz – statt, an der 60 Jäger und 30 Treiber mit Hunden teilnahmen. Innerhalb von nur drei Stunden wurden 31 Rehe, fünf Füchse und zwei Wildschweine getötet. Treib- und Drückjagden sind besonders erbarmungslose Jagdpraktiken, die mit enormem Leid für die Wildtiere verbunden sind. Für eine derartige Massentötung, bei der die Tiere über einen längeren Zeitraum erheblichem Stress oder Schmerzen ausgesetzt sind, erschließt sich kein vernünftiger Grund. Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz § 17 hat die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. nun bei der Staatsanwaltschaft Rottweil Strafanzeige gegen alle Teilnehmer der Gesellschaftsjagd erstattet.


„Drückjagden sind eine abartige Form der Freizeitbeschäftigung“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA Deutschland e.V. „Wildtiere werden in Todesangst vor die Gewehre der Schützen getrieben, viele von ihnen sterben durch Fehlschüsse einen langsamen und schmerzhaften Tod.“

Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben – gerade bei Drückjagden – bis zu 70 Prozent der Wildtiere nicht sofort. Selbst ein nicht unerheblicher Teil der Jägerschaft betrachtet Treib- und Drückjagden aufgrund tierschutzrechtlicher Erwägungen als nicht weidgerecht. Die Verstörung der Wildtiere ist enorm und sorgt vor allem im Winter für einen erhöhten Energiebedarf, was zur Zunahme der sogenannten „Wildschäden“ führt.

Gesellschaftsjagden gefährden zudem die öffentliche Sicherheit. Da Wildtiere oft in Panik über befahrene Straßen flüchten, steigt das Risiko für Wildunfälle. Außerdem sollten Spaziergänger bejagte Gebiete unbedingt meiden. Jedes Jahr ereignen sich mehrere Dutzend „Jagdunfälle“, bei denen Menschen von Hobbyjägern verletzt und getötet werden.

PETA setzt sich für die Abschaffung der Jagd ein. Zahlreiche Studien belegen, dass der Abschuss von Tieren nicht dazu geeignet ist, Wildtierpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass in bejagten Wildschweinpopulationen die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere früher eintritt, wodurch die Geburtenrate ansteigt.[1] Demnach bedingt ein hoher Jagddruck, dass in dem bejagten Gebiet die Anzahl der betreffenden Wildtiere ansteigt. Auch Prof. Dr. Josef Reichholf, ein namhafter Biologe der TU München, sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald lebenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet.

[1] Servanty S., Gaillard J., Toigo C., Brandt S. & Baubet E. (2009) Pulsed resources and climate‐induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology 78.6 1278-1290.

Pressemeldung der Tierrechtsorganisation PETA, 19.12.2014



Presseecho: Drückjagd im Visier der Tierschützer

„Drückjagd im Visier der Tierschützer“ titelt der Schwarzwälder Bote am 19.12.2014 und berichtet von der Strafanzeige: „Da schmeckt der Weihnachts-Wildbraten manchen vielleicht nicht mehr so gut: Die Tierschutzorganisation Peta hat Jägern aus Horb und Sulz mit einer Strafanzeige ein nicht so friedliches Weihnachtsfest beschert.“



BVerG: Null-Promille-Grenze für Jäger

"Null-Promille-Grenze für Jäger" titelt tagesschau.de am 22.10.2014 und berichtet, dass ein Jäger hat seinen Waffenschein endgültig verloren hat, weil er alkoholisiert auf seinen Hochsitz gestiegen war und geschossen hatte.

Dies hat das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig am 22.10.2014 entschieden. "Macht ein Waffenbesitzer in alkoholisiertem Zustand von seiner Schusswaffe Gebrauch, rechtfertigt dies die Annahme, dass er im waffenrechtlichen Sinne unzuverlässig ist, auch wenn zum Alkoholkonsum kein weiteres Fehlverhalten hinzutritt", so das
Bundesverwaltungsgericht in seiner Pressemitteilung.

Der betreffende Jäger war mit seinem Kraftfahrzeug von seinem Haus zu einem nahegelegenen Wald zur Jagd gefahren, nachdem er zuvor zwei Gläser Rotwein (0,5 l) und ein Glas Wodka (30 ml) getrunken hatte, so die Pressemitteilung des BVerwG. Weiter heißt es: "Von einem Hochsitz aus erlegte er einen Rehbock mit einem Schuss. Auf der Rückfahrt wurde er von Polizeibeamten angehalten. Ein freiwilliger Alkoholtest vor Ort ergab einen Wert von 0,47 mg/l Atemluftalkoholkonzentration, ein späterer Alkoholtest auf der Wache einen Wert von 0,39 mg/l."


Bild: Karikatur von Bruno Haberzettl aus: "Brunos Jagdfieber", Ueberreuther-Verlag 2013


"Nach der einschlägigen Vorschrift des Waffengesetzes besitzen Personen die erforderliche Zuverlässigkeit nicht, bei denen Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie mit Waffen und Munition nicht vorsichtig oder sachgemäß umgehen", begründet das Bundesverwaltungsgericht seine Entscheidung. "Vorsichtig und sachgemäß geht mit Schusswaffen nur um, wer sie ausschließlich in nüchternem Zustand gebraucht und sicher sein kann, keine alkoholbedingten Ausfallerscheinungen zu erleiden, die zu Gefährdungen Dritter führen können. Bei der vom Kläger konsumierten Alkoholmenge waren solche Ausfallerscheinungen jedenfalls nicht hinreichend sicher ausgeschlossen. Diese war vielmehr geeignet, die Reaktionsgeschwindigkeit sowie die Wahrnehmungsfähigkeit zu mindern und enthemmend zu wirken. Ob und gegebenenfalls in welchem Umfang bei dem Kläger im konkreten Fall alkoholbedingte Ausfallerscheinungen aufgetreten sind, ist unerheblich. Unvorsichtig und unsachgemäß ist der Gebrauch von Schusswaffen bereits dann, wenn ein Waffenbesitzer hierbei das Risiko solcher Ausfallerscheinungen eingegangen ist. Die waffenrechtliche Zuverlässigkeit setzt die Fähigkeit und die Bereitschaft voraus, Risiken mit dem Potential der Schädigung Dritter strikt zu vermeiden, zumal wenn dies problemlos möglich ist."
Aktenzeichen: BVerwG 6 C 30.13 - Urteil vom 22. Oktober 2014




Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Jäger bedrohen Menschen mit der Waffe oder treffen sie »aus Versehen« statt eines Wildtiers, Kugeln schlagen in Häuser oder vorbeifahrende Autos ein oder treffen Radfahrer: Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!
Lesen Sie unsere Dokumentation Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen 2014.


Trotz beharrlicher Propagandaarbeit der Jagdverbände sinkt das Image der Jäger in der Öffentlichkeit immer mehr: Immer weniger Spaziergänger, Reiter und Mountainbiker lassen es sich gefallen, wenn sie von Jägern angepöbelt und bedroht werden - und sie protestieren gegen Ballerei in Stadtparks, auf Friedhöfen und in Naherholungsgebieten. Immer wieder ist in der Zeitung zu lesen, dass Jäger aus Versehen Menschen oder Ponys auf der Weide mit Wildschweinen verwechseln - das kann einem beim Spaziergang schon Angst machen. Millionen Tierfreunde haben kein Verständnis, wenn ihre Hauskatzen abknallen oder drohen, den Hund zu erschießen. Warum Jäger Hasen tot schießen, obwohl sie auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen, kann irgendwie auch niemand mehr gut finden. Zudem haben 99,7 Prozent der Bevölkerung andere Hobbys, als Tiere tot zu schießen.

Die Natur braucht keine Jäger!

Die Mär vom Jäger als Naturschützer ist längst widerlegt. Wissenschaftliche Studien belegen die Selbstregulierungsfähigkeit der Natur. Auch die Erfahrungen in großen europäischen National­parks zeigen: Es geht Natur und Tieren ohne Jagd viel besser!

Ragnar Kinzelbach, Zoologe an der Universität Rostock, ist überzeugt: »Die Jagd ist überflüssig. Wenn man sie einstellt, regulieren sich die Bestände von allein.« (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)

Jagd ist nicht nur überflüssig, sondern sogar contraproduktiv: Obwohl in Deutschland so viele Wildschweine geschossen werden, wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, steigt ihre Anzahl immer weiter. Denn so paradox es klingen mag: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, um so stärker vermehren sie sich. Eine Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. (Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009)

Jagd provoziert vielfach erst so genannte Wildschäden und den »Verbiss« im Wald. Rehe sind von ihrer Natur her Bewohner von Wiesen und dem Waldrand. Die Jagd treibt die Tiere in den Wald hinein, wo sie dann keine - für sie lebenswichtigen - Gräser und Kräuter finden und ihnen nichts anderes bleibt, als an Knospen zu knabbern. Zudem werden die Tiere durch die Jagd unnötig aufgescheucht, was ihren Nahrungsbedarf und damit die Fraßschäden oft weiter erhöht.

Die Jagd auf Füchse versuchen die Jäger gegenüber der Öffentlichkeit mit zwei Argumenten zu rechtfertigen: dem Schutz der Bevölkerung vor Tollwut und Fuchsbandwurm. Der Haken daran: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der »Weltorganisation für Tiergesundheit« als tollwutfrei. Und: Seit Jahren weisen Forscher darauf hin, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm übertrieben ist. In Deutschland ist kein einziger Fall einer Infektion über Waldbeeren dokumentiert.

Der renommierte Ökologie- und Evolutionsbiologe Prof. Dr. Josef Reichholf kam bei seinen langjährigen Forschungen zu dem Ergebnis, dass die Jagd - nach der industriellen Landwirtschaft - der »Artenfeind Nr. 2« ist.

Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!



Hier einige Meldungen aus zwei Monaten:

29.10.14: Deutscher Jäger erschießt Freund in Russland
Ein Jäger aus Wiesbaden war nach Russland geflogen, weil er einen 700-Kilo-Elch schießen wollte. Stattdessen erschoss er aus Versehen seinen Jagdführer. (BILD Frankfurt, 29.10.2014)
27.10.14: 16-Jährigen erschossen - Jäger verurteilt
Ein 81-jähriger Jäger wurde vom Landgericht Stade wegen Totschlags in einem minderschweren Fall für schuldig erachtet, weil er 2010 einen 16-Jährigen erschossen hatte. Das Urteil: Freiheitsstrafe von 9 Monaten auf Bewährung. (SPIEGEL online, 27.10.2014)

26.10.14: Auf Fuchs geschossen, Auto getroffen
Ein Jäger hat bei einer Treibjagd im österreichischen Waizenkirchen auf einen Fuchs geschossen und ein vorbeifahrendes Auto getroffen. Der Fahrer erlitt einen Schock. (Tiroler Tageszeitung)

24.10.14: Jäger traf Kinderzimmerfenster
Der Schuss eines 77-jährigen Jägers hat im österreischischen Bezirk Grieskirchen ein Kinderzimmerfenster getroffen. (heute.at)

18.10.14: Statt Rebhuhn Jäger getroffen
Bei einer Treibjagd im österreichischen Bezirk Neusiedl feuerte ein Jäger auf ein auffliegendes Rebhuhn und traf seinen Jagd­kollegen. (Tiroler Tageszeitung, 18.10.2014)

14.10.14: Bekannte Radrennfahrerin angeschossen
Die bekannte Radrennfahrerin Christiane Koschier-Bitante wurde beim Training vor einem Radrennen nahe der norditalienischen Stadt Vicenza von einem Jäger angeschossen und an einem Bein, am Arm und an der linken Hüfte verletzt. Der Jäger hatte neben der Straße Jagd auf Hasen gemacht. (oe24, 14.10.2014)

10.10.14: Jäger mit Wildschwein verwechselt
Zwei Jäger, die voneinander nichts wussten, waren in einem Jagdrevier im Landkreis Regensburg unterwegs, um Wildschweine zu jagen. In der Dunkelheit hat der eine Jäger den anderen mit einem Wildschwein verwechselt und schwer verletzt. (wochenblatt.de)

4.10.14: Jäger versetzen Anwohner in Angst
In Kirchlinteln fühlen sich Anwohner von zwei Jägern bedroht: Diese würden aggressiv gegenüber den Anwohner auftreten und in Richtung Neubaugebiet schießen. (Weser Kurier, 4.10.2014)

24.9.14: Jäger schießt sich im Maisfeld selbst an
Ein 37-jähriger Jäger hat sich bei der Jagd auf Wildschweine in einem Maisfeld mit seiner Jagdwaffe selbst angeschossen. (Lausitzer Rundschau, 24.9.2014)

23.9.14: Jäger bedroht Taxifahrer mit Waffe
Ein 58-jähriger Jäger wurde in Herzogenrath von einem Sondereinsatzkommando der Polizei verhaftet, weil er mehrfach Taxifahrer mit einer Schusswaffe bedroht hatte. Die Polizei habe zwölf Schusswaffen und Munition beschlagnahmt. Der Jäger durfte seit 1976 Waffen legal führen. (Aachener Zeitung, 23.9.2014)

20.9.14: Jäger schoss Sohn auf der Jagd ins Schienbein
Nachdem ein 54-jähriger Jäger und sein 22-jähriger Sohn in der Schweiz eine Gemse erschossen hatten, löste sich ein Schuss und traf den Sohn ins Schienbein. »In der Schweiz kommt es immer wieder zu Jagdunfällen«, so BLICK am 20.09.2014.

13.9.14: Jäger stirbt bei Unfall mit Gewehr
Im österreichischen Bezirk Mistelbach wurde ein 72-jähriger Jäger beim Hantieren mit seinem Gewehr von einer Schrotladung tödlich getroffen. Offenbar hatte er vor, mit der Waffe auf die Jagd zu gehen. (ORF, 13.9.2014)

5.9.14: Jäger schießt seinem Sohn ins Bein
Ein 59-jähriger Politiker und passionierter Jäger aus Dinslaken hat am 4.9.2014 seinem 29-jährigen Sohn im Streit ins Bein geschossen und schwer verletzt. (BILD, 5.9.2014)

4.9.14: Jäger bedroht Pilzsammler mit der Flinte
Bei einem Streit ums Revier im Tessin drohte ein Jäger, einen Pilzsammler zu erschießen. In einem anderen Waldstück sei es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. (BLICK, 4.9.2014)

1.9.14: Jäger erschoss Finanzbeamten
Ein Jäger hat am 1.9.2014 im Finanzamt Rendsburg im Streit einen 58-jährigen Sachgebietsleiter erschossen. (shz.de, 1.9.2014)

25.8.14: Wildschweinjagd: Jäger erschießt Treiber
Bei einer Jagd auf Wildschweine in einem Maisfeld im Main-Tauber-Kreis hat ein 74-jähriger Jäger einen Treiber erschossen. (Polizeipräsidium Heilbronn) Bereits im Juli 2014 waren bei Erntejagden auf Wildschweine zwei Menschen schwer verletzt worden.



Immer mehr jagdfreie Grundstücke in Deutschland

Von Schleswig-Holstein bis Bayern: In Deutschland gibt es immer mehr jagdfreie Grundstücke! Seit 1. April 2014 sind in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Bayern etliche Hektar Wiesen, Wälder und Felder offiziell jagdfrei. Bereits Anfang 2013 waren in Bayern die ersten Grundstücke durch einen Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs jagdfrei gestellt worden. Mit Ablauf des aktuellen Jagdjahres werden weitere Grundstücke in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein jagdfrei gestellt.
Ein großartiger Erfolg im Sinne der Rechte von Grundstückseigentümern und des Tierschutzes!



Immer mehr Grundstückseigentümer wollen nicht länger hinnehmen, dass Jäger ihre Grundstücke betreten und dort Tiere tot schießen oder Fallen aufstellen. Sie berufen sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012: Dieser hatte mit entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, wenn der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt. Aufgrund dieses Urteils wurde die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, ihre Jagdgesetzgebung entsprechend zu ändern.

Laut der Bürgerinitiative Zwangsbejagung ade haben bundesweit bereits einige Hundert Grundeigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt. „Da ist längst eine Lawine ins Rollen gekommen“, sagt Rechtsanwalt Dominik Storr, der über 60 ethische Jagdgegner aus ganz Deutschland vertritt.

Laut der Bürgerinitiative Zwangsbejagung ade haben bundesweit bereits einige Hundert Grundeigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt. „Da ist längst eine Lawine ins Rollen gekommen“, sagt Rechtsanwalt Dominik Storr, der über 60 ethische Jagdgegner aus ganz Deutschland vertritt. weiterlesen

Eine aktuelle Dokumentation über jagdfreie Grundstücke und laufende Anträge auf jagdrechtliche Befriedung finden Sie hier.



Österreich: Erster Antrag auf Jagdverbot

Österreich: Grundstückseigentümer stellt Antrag auf Jagdverbot
»Keine Jagd auf meinem Grundstück!«

Nach inzwischen vier Urteilen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte müssen Jagdgegner auf ihrem Grundstück keine Jagd dulden: Das höchste europäische Gericht stellte in Urteilen 1999 gegen Frankreich, 2007 gegen Luxemburg, 2012 und erneut 2013 gegen Deutschland fest, dass die Zwangsbejagung gegen die Menschenrechte verstößt.

In Deutschland sind aufgrund der mittlerweile gefestigten Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes schon etliche Grundstücke mit Wiesen, Wäldern und Feldern offiziell jagdfrei: in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Hunderte Anträge auf jagdrechtliche Befriedung sind außerdem anhängig.


In Deutschland losgetretene Lawine kommt auch in Österreich ins Rollen

Auch in Österreich wollen nun Grundstückseigentümer die Jagd auf ihrem Grund und Boden nicht länger dulden.

»Die Jägerschaft hält Österreich in einer eisernen Umklammer­ung, überall in den Landtagen haben sie ihre Lobbyisten sitzen«, erklärt Dr. Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken VGT. Wie anders lasse es sich erklären, dass die österreichische Rechtsordnung noch immer die totale Zwangsbejagung aller Grundstücke vorsehe? Die Zwangsbejagung stelle eine große Belastung für die Grundeigentümer dar. »Auf europäischer Ebene längst entschieden, ist Österreich wieder einmal hinten nach«, kritisiert der VGT-Obmann. »Doch ein beherzter Grundbesitzer, selbst Rechtsanwalt, hat die Sache nun in die Hand genommen. Wir vom VGT werden diesen couragierten Grundeigentümer in jeder Hinsicht unterstützen, um eine Änderung des Jagdrechts zu erwirken, die nicht nur auf das ethische Empfinden der Menschen, sondern auch auf das ökologische Gleichgewicht im Wald Rücksicht nimmt. Die Jagdlust auf viele Abschüsse und große Trophäen darf nicht mehr Vorrang haben!«

Antrag für Grundstück in Kärnten

Der Grundstückseigentümer, der rund 6,5 Hektar Wald im Bezirk Spittal an der Drau in Kärnten besitzt, beantragte am 27.10.2014 die Freistellung seiner Flächen von der Jagd. In seinem Antrag führt der Rechtsanwalt aus, dass er beinahe vegan (unter Verzicht auf beinahe alle Tierprodukte) lebe. Die auf seinen Grundstücken durchgeführte Jagd sei nicht mit seinen ethischen Grundsätzen vereinbar: »Ich bin der Meinung, dass der Mensch im Einklang mit der Natur leben soll«. Aus diesem Grund stellte er für seine Waldgrundstücke den Antrag, dass Tiere nicht erschossen werden dürfen, alle jagdlichen Maßnahmen zu unterlassen sind, die Errichtung von Schieß- oder Hochständen untersagt wird und alle jagdlichen Einrichtungen entfernt werden.

Lesen Sie hier den Antrag des Waldbesitzers im Originaltext

Weitere Grundstückseigentümer aus Österreich haben bereits angekündigt, ebenfalls einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks zu stellen.

Eindeutige Rechtslage

Die Rechtslage ist klar: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte am 26.06.2012 zulasten von Deutschland entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in Jagdgenossen­schaften gegen die Menschenrechte verstößt. Damit folgte das höchste europäische Gericht seinen Schlussfolgerungen in zwei früheren Urteilen: Bereits 1999 stellte der Gerichtshof im Falle französischer Kläger und 2007 im Falle einer luxemburgischen Klägerin fest, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn Grundstückseigentümer dazu verpflichtet werden, einer Jagdgenossenschaft zwangsweise beizutreten und die Jagd auf ihren Grundstücken zu dulden, obwohl die Jagd ihrer eigenen Überzeugung widerspricht. Am 11.12.2013 stellte der Europäische Gerichtshof erneut eine Verletzung der Menschenrechte eines Grundstückseigentümers fest und verurteilte die Bundesrepublik Deutschland zur Zahlung einer Entschädigung.

Die Europäische Menschenrechtskonvention als Vertragsvölkerrecht und ihre von der Republik Österreich unterzeichneten Zusatzprotokolle entfalten auch in Österreich Wirksamkeit. Die Konvention wird ausgefüllt durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Und dieser hat der Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen den Willen der Grundeigentümer eine klare Absage erteilt.


Informationen:

Verein Gegen Tierfabriken
DDr. Martin Balluch
Meidlinger Hauptstraße 63/6 · A-1120 Wien
e-mail: vgt@vgt.at
www.vgt.at

Initiative zur Abschaffung der Jagd Österreich
Dr. Christian Nittmann
Postfach 21 · A-1090 Wien
e-mail: info@abschaffung-der-jagd.at
www.abschaffung-der-jagd.at
www.zwangsbejagung-ade.at



Baden-Württemberg: Politik kapituliert vor Jägern

Der vor der Sommerpause vorgestellte Referentenentwurf zum baden-württembergischen Landesjagdgesetz blieb aus Sicht des Tier- und Naturschutzes bereits weit hinter den Erwartungen zurück. Wie nun an die Öffentlichkeit drang, sollen die bereits äußerst überschaubaren Verbesserungen nun weiter aufgeweicht werden. Was übrig bleibt, ist eine weiterhin einseitig an den Abschussinteressen der Jägerschaft orientierte Politik, die die ursprünglichen Ziele der Jagdrechtsreform ad absurdum führt.




So setzte die Jägerschaft beispielsweise durch, dass die Jagd sich auch weiterhin nicht an wildtierökologischen Anforderungen auszurichten braucht. Ob die Bejagung einer Tierart erforderlich ist oder nicht – aus ökologischen, ökonomischen oder aus epidemiologischen Gründen -  spielt also auch weiterhin keine Rolle. Beutegreifer wie Fuchs und Dachs, aber auch Vögel werden weiterhin aus bloßer Jagdlust getötet. Wissenschaftliche Studien zeigen bereits seit geraumer Zeit auf, dass eine flächendeckende „Regulierung“ dieser Tierarten durch die Jagd weder nötig noch – wie im Falle des Fuchses – überhaupt möglich ist.

Bei den Jagd- und Schonzeiten gibt es praktisch keine Verbesserungen gegenüber den derzeitigen Regelungen. Von den Forderungen der Naturschutzverbände nach einer mindestens achtmonatigen vollständigen Jagdruhe sind gerade noch zwei Monate übrig geblieben, diese zudem im März und April, in denen auch bisher nur wenig gejagt wird. Selbst in dieser Zeit dürfen Wildschweine in der offenen Landschaft sowie im Wald innerhalb von 200 Metern vom Waldrand entfernt getötet werden. Auch gefährdete Arten wie der Feldhase, die im Rahmen des so genannten „Entwicklungsmanagements“ zunächst geschützt werden sollten, bleiben nun jagdbar; dasselbe gilt für Rabenvögel, für die Naturschützer schon seit langem einen Schutz gemäß den Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtlinie fordern.

Die zunächst vorgesehenen Einschränkungen von Fütterung und Kirrung wurden massiv aufgeweicht. Somit werden Jäger auch weiterhin über das Einbringen großer Futtermengen in die Reh- und Wildschweinbestände diese künstlich hoch halten, um bessere Jagdstrecken zu erzielen.

Ein Schlag ins Gesicht für den Tier- und Naturschutz ist zudem, dass Tier- und Naturschutzverbände es weiterhin dulden müssen, dass auf ihrem eigenen Grundbesitz gegen ihren Willen gejagt wird. Die Jägerschaft will hiermit konsequent verhindern, dass größere jagdfreie Areale entstehen – schließlich würden diese der Öffentlichkeit unmittelbar vor Augen führen, dass es ohne Jagd und Jäger besser geht. Weitgehend jagdfreie Gebiete wie etwa Nationalparks oder der Schweizer Kanton Genf belegen dies bereits eindrucksvoll.

Grüne und SPD müssen sich angesichts all dessen fragen lassen, ob sie es mit dem Natur-, vor allem aber dem Tierschutz auch nur ansatzweise ernst meinen. Während man der Jägerschaft in nahezu allen Punkten entgegengekommen ist, findet das Tier als leidensfähiges Individuum, aber auch der aktuelle Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse kaum Berücksichtigung. Das ursprünglich ausgegebene Ziel der Landesregierung, den Tierschutz zu stärken und die Jagdgesetzgebung an ökologischen Erfordernissen auszurichten, wurde jedenfalls voll und ganz verfehlt.

Pressemeldung von Wildtierschutz Deutschland, 1.10.2014 

Pressekontakt : Lovis Kauertz | Vorsitzender  Wildtierschutz Deutschland e.V. |  Am Goldberg 5 | 55435 Gau-Algesheim | Tel. (0177) 7230086 | wildtierschutz@gmail.com



Niedersachsen:

Weiterhin Wasservogeljagd in EU-Vogelschutzgebieten

Niedersachsens rot-grüne Landesregierung hat das Landesjagdgesetz novelliert. Doch die Wasservogeljagd in EU-Vogelschutzgebieten bleibt weiterhin erlaubt - entgegen der Versprechen des grünen Landwirtschaftsministers Meyer vor der Wahl.#
Bild: Illegal geschossene Nonnengans (diese Art darf nicht bejagt werden), NSG "Petkumer Deichvorland", Ems, EU-Vogelschutzgebiet


Der Wattenrat schreibt in einer Pressemitteilung vom 1.10.2014:

„Bezogen auf die Wasservogeljagd ist nur die Einstellung der Jagd auf Bläss- und Saatgänse zu begrüßen, das war aber auch schon zu Zeiten der CDU-FDP-Landesregierung bis Dezember 2007 so, erst dann wurde die Gänsejagd vor der Landtagswahl 2008 auf diese beiden Arten wieder ausgeweitet. Die nun beabsichtigte Verkürzung der Jagdzeiten auf Wasservögel (Enten und Gänse) in EU-Vogelschutzgebieten bis zum 30. November als “fairen Kompromiss” zu bezeichnen, ist völlig verfehlt.

“Kompromisse” beim Artenschutz gibt es nicht, die Tiere sind nach der Jagd im Ergebnis kompromisslos tot oder verletzt, auch die nicht jagdbare Arten werden weiträumig von ihren Rast-, Nahrungs- und
Schlafplätzen durch die Jagd vertrieben, in Vogelschutzgebieten, daran ist auch nichts “ökologisch”! Die Flächen dürfen von Normalbürgern
nicht betreten werden, Jäger dürfen darin töten.

Der “Kompromiss” wurde auf den Druck der gut organisierten Freizeitjäger, die die Jagd auf Wasservögel als Hobby betreiben, durchgesetzt. Die Landesjägerschaft in Niedersachsen darf sich “anerkannter Naturschutzverband” nennen, das ist der eigentliche Skandal!“



Sachsen-Anhalt: Erstes Grundstück jagdfrei!

In Sachsen-Anhalt ist das erste Grundstück mit Ablauf des Jagdjahres ab 1.4.2015 offiziell jagdfrei! Damit kam die zuständige Jagdbehörde einer anhängigen Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht zuvor.
Bereits 2002 hatte Ludwig Weyhe einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung seiner beiden Grundstücke in der Gemarkung Schielo im Landkreis Quedlinburg gestellt. Er hat auf seinen Flächen ein Biotop geschaffen, um wild lebenden Tieren ein Rückzugsgebiet zu geben. Durch Renaturierungsmaßnahmen wie die Anlage von Hecken ist auf den Flächen bereits ein aus Naturschutzsicht wertvolles, ursprüngliches Brachland entstanden.
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Ostfriesland: Ulmenhof ab 1.4.215 jagdfrei!

Ab 1.4.2015 sind die Flächen des Ulmenhofs, einem Tierheim und Gnadenhof im Kreis Aurich in Ostfriesland, offiziell jagdrechtlich befriedet!
Der Ulmenhof e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich die aktive Tierhilfe zur Aufgabe gemacht hat. Auf dem ehemaligen Bauernhof in Uttum, in der Krummhörn (zwischen Emden und Greetsiel) wurde in Eigeninitiative und Eigenarbeit ein kleines Tierheim mit Gnadenhof aufgebaut. Gnadenbrottiere wie Pferde, Ziegen, Mini-Schweine, Gänse und Fundtiere wie zahlreiche Katzen dürfen hier ihren Lebensabend verbringen. Zum Ulmenhof gehören knapp 5 Hektar Land.
Der Jagdpächter hatet einen Hochsitz in Sichtweite des Grundstücks aufgestellt, das Grundstück mit Jagdfreunden betreten, um dort die Jagd auszuüben. weiterlesen


Grundstück im Bodenseekreis jagdfrei

Das zwei Hektar große Grundstück von Rudolf Moser bei Markdorf im Bodenseekreis ist jetzt jagdrechtlich befriedet. Dies berichtet die Schwäbische Zeitung am 19.8.2014 unter dem Titel „Tierfreund setzt sich gegen Jäger durch“.

Rudolf Moser und seine Frau haben auf dem Grundstück ein Biotop errichtet, ein eingetragenes Naturschutzgebiet mit geschützten Pflanzenarten, einem Tümpel und Streuobstwiese. „Meine Frau und ich wollten, dass das Grundstück auch ein Refugium für Tiere und nicht nur für Pflanzen ist“, zitiert die Schwäbische Zeitung den 83-jähringen Tierfreund, der die Jagd aus tiefster Überzeugung ablehnt.

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012, der entschieden hatte, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, wenn der Grundstückseigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt, beantragte Rudolf Moser die jagdrechtliche Befriedung seines Grundstücks. Im Juli 2014 genehmigte das Kreisjagdamt seinen Antrag.

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Schluss mit der Hobbyjagd!

Bei einer Jagd auf Wildschweine im Main-Tauber-Kreis hat ein 74-jähriger Jäger am Sonntagabend (24.8.2014) einen 44-jährigen Mann erschossen. „Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können“, fordert Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd. Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd jetzt!


Gerade bei den so genannten Erntejagden, bei denen Jäger ein Feld umstellen, um auf flüchtende Tiere zu schießen, kommt es immer wieder zu Unfällen. Bereits im Juli 2014 waren bei Erntejagden auf Wildschweine zwei Menschen schwer verletzt worden: In der Wetterau hatte ein 52-jähriger Jäger statt eines Wildschweins eine Jagdkollegin angeschossen und schwer verletzt. Und bei einem Jagdunfall bei Wildsachsen bekam ein 37 jähriger Landwirt, der mit seinem Mähdrescher ein Rapsfeld mähte, eine Kugel ins Knie. (Frankfurter Neue Presse, 18.7.2014)

Bei dem aktuellen Jagdunfall nahe Weikersheim hatte der 74-jährige Jäger in ein Maisfeld geschossen, in dem er offenbar Wildschweine vermutete. Der Getötete sollte als Treiber die Wildschweine aus dem Maisfeld treiben. Dies geht aus der gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Ellwangen und des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 25.08.2014 hervor.
„Bei Soldaten und Polizisten gibt es Altersgrenzen für den Umgang mit Waffen. Nur die Jäger dürfen bis ins Greisenalter hinein Waffen tragen und damit rumballern!“, so Kurt Eicher. „Müsste nicht zumindest aus Sicherheitsgründen ein Höchstalter für Jäger festgesetzt werden?“

Hunderte Menschen starben in den letzten Jahren durch Jäger und Jägerwaffen

Wieder und wieder erschüttern Meldungen über Jagdunfälle, Straftaten mit Jägerwaffen und Bedrohungen durch Jäger die Öffentlichkeit. Wer weiß schon, dass hunderte Menschen in den letzten zehn Jahren in durch Jäger und Jägerwaffen starben? Offizielle Statistiken gibt es darüber nicht – Jäger zählen nur die Anzahl der Tiere, die sie erschießen. Die Initiative zur Abschaffung der Jagd dokumentiert seit 2002 bis zu jährlich 40 Tote durch Jäger und Jägerwaffen. Diese Dokumentation über Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen ist allgemein zugänglich im Internet einzusehen. Jeder kann dort selbst die Zahl der Toten und Verletzten nachzählen. Die Dokumentation wurde aufgrund von Presseberichten erstellt. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

Die Natur braucht keine Jäger!

Die Mär vom Jäger als Naturschützer ist längst widerlegt. Immer mehr Biologen gelangen zu der wissenschaftlich untermauerten Ansicht, dass die Tiere ihre Populationsdichte am besten selbst regeln und Überpopulationen vor allem dadurch entstehen, weil bestimmte Tierarten wie Rehe und Hirsche von den Jägern durch »Hege« und Fütterung besonders gefördert werden. 

Die Auffassung, dass sich die richtige Wilddichte ganz von selbst einstellt, vertritt beispielsweise der renommierte Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf: „Die richtige Wilddichte könnte sich ganz von selbst einstellen, wenn die Tiere, wie z.B. das Reh, nicht durch Bejagung und Wildfütterung in den Wald hineingedrängt würden.“ 
Ragnar Kinzelbach, Zoologe an der Universität Rostock, ist überzeugt: »Die Jagd ist überflüssig. Wenn man sie einstellt, regulieren sich die Bestände von allein.« (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)
Auch die Erfahrungen in großen europäischen Nationalparks zeigen: Es geht Natur und Tieren ohne Jagd viel besser!

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Grundstück in Dithmarschen jagdfrei!

Dieter Grade aus Dithmarschen hat auf seiner 8259 Quadratmeter großen Wiese ein Biotop geschaffen, auf dem auch seltene Pflanzen wie wilde Orchideen wachsen. Der Naturschützer kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, die Jagd auf seinem Grund und Boden zuzulassen. Er beruft sich dabei auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Nach mehrfachen Verzögerungen wurde seinem Antrag auf jagdrechtliche Befriedung Anfang August 2014 zugestimmt.


»Seit vielen Jahren bin ich im Naturschutz tätig und habe immer wieder erlebt, dass Tiere durch die Jagd gequält wurden«. Schon vor vielen Jahren hatte er miterleben müssen, wie ein Jäger eine Falle, in der er ein Hermelin gefangen hatte, vor den Auspuff seines Autos hielt und so das Tier vergaste. »Noch heute werde ich immer wieder an diese grausame Art des Tiertötens erinnert, insbesondere, wenn ich wieder einmal eine der vielen Fallen finde«, so der Tier- und Naturfreund. »Und wenn ich bedenke, dass mein Grundstück für die in meinen Augen sehr oft tierquälerische Jagd genutzt wird, dann hätte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich das nicht zumindest dort unterbinden würde.«

Dieter Grade kritisiert, dass er im Antragsverfahren nicht nur für jedes einzelne seiner Grundstücke Grundbuchauszüge, Karten und Angaben vorlegen musste, sondern auch für die Grundstücke seiner Nachbarn.
Zudem ist die jagdrechtliche Befriedung seines Grundstücks mit einem Zugeständnis an die Jägerschaft verbunden: "In einer so genannten „Nebenbestimmung“ wurde mir auferlegt, in Fällen von Jagdschäden, die in dem Jagdbezirk zu verzeichnen sind (nicht auf meinem Grund und Boden!), die Kosten anteilig zu übernehmen. Das ist für mich umso unverständlicher, als die Jäger unerlaubterweise immer wieder schwache Tiere über den Winter füttern, um dann „festzustellen“, dass die immer größer werdende Zahl von Wildtieren diese Schäden verursachen. Dieser Nebenbestimmung werde ich nicht zustimmen und dieses gegebenenfalls gerichtlich klären lassen."

Dieter Grade hat den Verlauf seines Antragsverfahrens auf seiner Internetseite www.natur-in-not-dithmarschen.de ausführlich dokumentiert.

Mehr Informationen: www.zwangsbejagung-ade.de



Grundstück in Höxter/NRW jagdfrei!

Detlef Korsawe freut sich über sein jagdfreies Grundstück im Kreis Höxter beim Naturschutzgebiet Desenberg in der Nähe von Warburg: Mit Ende des laufenden Jagdjahres zum 1.4.2015 ist sein viertel Hektar Land offiziell jagdrechtlich befriedet!

»Das Grundstück ist natürlich sehr klein, aber mir ging es ums Prinzip. Und jede Reise beginnt mit einem kleinen Schritt...«, berichtet der Tier- und Naturfreund. Er besitzt eine Grünfläche unterhalb der Desenburg (rechs im Bild).


Den Antrag auf jagdrechtliche Befriedung hatte er schon Mitte 2013 gestellt, wurde aber vertröstet, weil das neue Jagdgesetz noch nicht verabschiedet war. »Im Dezember 2013 wurde ich von der Jagdbehörde angeschrieben und gebeten, meine Beweggründe für die jagdrechtliche Befriedung zu nennen. Das habe ich Ende Dezember getan. Als ich mich jetzt, nach 6 Monaten Bearbeitungszeit, nach dem Stand der Dinge erkundigt habe, wurde mir mitgeteilt, dass meinem Antrag stattgegeben wurde.«

Detlef Korsawe möchte auch anderen Grundstückseigentümern Mut machen. »Ohne die zahlreichen Informationen der Bürgerinitiative Zwangsbejagung ade hätte ich den Antrag nicht gestellt oder vielleicht weniger Argumente gehabt.«

Diesen Mut wünschen auch wir den zahlreichen Grundstückseigentümern, die schon lange darauf warten, dass sie Behörden ihrem Antrag auf jagdrechtliche Befreidung statt geben und all denen, die ebenfalls einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung stellen möchten. Hier finden Sie dazu alle nötigen Informationen.



Grundstück in Eutin ab 1.4.2015 jagdfrei!

Familie Karcher besitzt ein malerisches Grundstück im schleswig-holsteinischen Eutin: Eine natürliche Wiese mit Streuobst, Erlenbruch und einem Teich. Ab 1.4.2015 sind die 1,6 Hektar offiziell jagdfrei.


»Wir haben schon lange versucht, unser Grundstück jagdfrei zu bekommen«, erzählt Adolf Karcher, ein pensionierter Richter. Das Grundstück hat vier Eigentümer: Ihn, seine Frau Ute und den Sohn mit Schwiegertochter. Vor über 15 Jahren hatte die Familie eine Wiese mit einem Erlenbruch erworben, um einen Lebensraum für verschiedene Tiere zu schaffen.

Ein Biotop für Hasen, Fasane, Wasservögel, Rehe...

»Wir haben ein Biotop geschaffen, das eine große Attraktivität für viele Tiere hat: Entlang eines Wasserlaufs haben wir zehn Kopf­weiden gepflanzt und eine Streuobstwiese angelegt«, berichtet der Naturfreund. »Auf unserem Grundstück beobachten wir Hasen, Fasane, Adler und Reiher. Wir haben einem Teich mit verschiedenen Uferzonen angelegt, der die Tiere anzieht: nicht nur die verschiedensten Wasservögel, auch Rehe und Wildschweine kommen zum Trinken. Die Jäger haben direkt vor unserem Teich einen Jagdsitz errichtet. Und das wollten wir nicht. Wir wollten nicht, dass die Jäger die Tiere schießen, für die wir ein Biotop geschaffen haben.«

»Wir haben schon lange versucht, unser Grundstück jagdfrei zu bekommen«

Gleich nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 haben die Karchers einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks gestellt. Denn das höchste europäische Gericht hatte entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, sofern der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt.

»Leider wurde das Urteil aus unserer Sicht in Deutschland nicht so umgesetzt, wie es der Europäische Gerichtshof vorgegeben hatte - und ich kenne mich aus, schließlich war ich Richter und auch mein Sohn ist Jurist«, erklärt Adolf Karcher. »Das Urteil war ganz eindeutig: Grundstückseigentümer, welche die Jagd auf ihrem Grundstück aus ethischen Gründen ablehen, müssen diese nicht länger dulden. Und zwar ohne jegliche Einschränkungen, Auflagen oder eine Gewissensprüfung.«

Mit der Jagdrechtsänderung befasste Politiker hatten sogar zugegeben, dass die gesetzlichen Regelungen Grundeigentümern den Austritt aus der Jagdgenossenschaft möglichst schwer machen sollen.

»Unser Beispiel soll anderen Grundstückseigentümern Mut machen«

Zwei Jahre musste Familie Karcher auf den Bescheid über ihren Antrag warten. Im Juni 2014 kam dann das Schreiben von der Behörde: Das Grundstück ist zum Ablauf des aktuellen Jagdjahres ab 1.4.2015 offiziell jagdfrei. Die Kosten: 100,- Euro. Jeder der vier Eigentümer musste 25 Euro bezahlen.



Jäger geben zu:



Jagd kann Wildschweine nicht regulieren

Jägerlatein lehrt: Wildschweine müssen massiv bejagt werden. Die Realität zeigt: Je mehr Wildschweine geschossen werden, desto mehr vermehren sie sich.

Inzwischen scheinen die Jäger mit ihrem Latein am Ende zu sein: »Sind die Jäger überhaupt in der Lage, die Schwarzkittel dauerhaft zu regulieren?«, fragt die
Jägerzeitschrift WILD UND HUND Anfang Mai im Editorial und gibt auch gleich die Antwort: »Insgesamt haben jedoch alle Bemühungen der vergangenen Jahre keinen Erfolg gebracht. Die Sauen vermehren sich unaufhaltsam weiter.«

Um ihr blutiges Hobby zu rechtfertigen, behaupten die Jäger, sie müssten Tierbestände durch Abschuss »regulieren«. Ohne Jagd würde zu einer »Wildschweinschwemme«, gar zu einer »Wildschwein-Plage« kommen. Doch obwohl in Deutschland so viele Wildschweine geschossen werden, wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, steigt die Anzahl der Wildschweine weiter und weiter.

Jagdzeitschrift: »Die Sauen vermehren sich unaufhaltsam weiter«

Dass Jagd die Zahl der Wildschweine nicht nachhaltig regulieren kann, gibt Deutschlands größte Jagdzeitschrift jetzt offen zu: »Bis Ende der 1980er-Jahre belief sich die gesamteuropäische Schwarzwildstrecke auf 550 000 Stück. Im Jagdjahr 2012/13 wurden alleine in Deutschland 644 239 Sauen erlegt«, heißt es in WILD UND HUND 9/2014. Und weiter: »Angesichts dieser Zahlen wird klar, dass wir die Sauen mit jagdlichen Mitteln offenbar nicht mehr nachhaltig regulieren können«.


Jägerlatein am Ende

Deutlicher könnte das Eingeständnis der Jäger nicht sein: Jagd kann Wildschweine nicht regulieren. Dabei weisen Wissenschaftler und sogar einige kritische Jäger bereits seit Jahren darauf hin, dass das »Wildschwein-Problem« hausgemacht ist: Die massive Jagd fördert die unkontrollierte Vermehrung von Wildschweinen. Die Jagd ist somit nicht nur nutzlos, sondern sogar kontraproduktiv!

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Wissenschaft entlarvt Jägerlatein: Jagd fördert die unkontrollierte Vermehrung von Wildschweinen
Die Ursachen der Wildschweinschwemme
Warum jagen Jäger wirklich?



Jagd reguliert nicht

»Jagd reguliert nicht. Sie schafft überhöhte und unterdrückte Bestände« - so bringt es der renommierte Zoologe und Ökologe Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der an beiden Münchner Universitäten lehrte und Leiter der Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung München war, auf den Punkt.

Wissenschaftler: Jagd fördert die unkontrollierte Vermehrung von Wildschweinen

Eine französische Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. Die Wissenschaftler um Sabrina Servanty verglichen in einem Zeitraum von 22 Jahren die Vermehrung von Wildschweinen in einem Waldgebiet im Departement Haute Marne, in dem sehr intensiv gejagt wird, mit einem wenig bejagten Gebiet in den Pyrenäen. Das Ergebnis wurde nun im renommierten Journal of Animal Ecology veröffentlicht: Wenn hoher Jagddruck herrscht, ist die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen wesentlich höher als in Gebieten, in denen kaum gejagt wird. Weiterhin tritt bei intensiver Bejagung die Geschlechtsreife deutlich früher - vor Ende des ersten Lebensjahres - ein, so dass bereits Frischlingsbachen trächtig werden. Auch das Durchschnittsgewicht der erstmalig fruchtbaren Wildschweine ist bei hohem Jagddruck geringer. In Gebieten, in denen wenig Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein. (vgl. Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009) Mit dieser Studie ist bewiesen, dass die starke Vermehrung bei Wildschweinen nicht auf nur vom Futterangebot abhängt, sondern auch von der intensiven Bejagung.

Wildschweine: »gemästet wie ein Hausschwein«

Hinzu kommt, dass die Jäger tonnenweise Futter in den Wald karren. Der NABU-Jagdexperte Michael Hug kritisierte bereits vor 12 Jahren, dass Wildschweine »gemästet werden wie ein Hausschwein«. (Reform der Jagd, NABU 2002) Die Wildforschungsstelle Aulendorf ermittelte, dass allein in Baden-Württembergs jährlich 4000 Tonnen Mais als »Kirrung« ausgebracht werden - das sind für ein erlegtes Wildschwein im Schnitt etwa 100 Kilo (!) Mais. Hinzu kommt die massenhafte Fütterung mit Kraftfutter im Winter.



Warum jagen Jäger wirklich?

Die Frage "Warum jagen wir?" wird im Editorial der Jägerzeitschrift WILD UND HUND 22/2012 gestellt. Einige Jäger würden die Jagd als Kick beschreiben, andere von großer innerer Zufriedenheit sprechen. "Die Gefühle bei der Jagd sind ebenso subjektiv wie in der Liebe", so die Redakteurin. "Warum genießen wir sie nicht einfach, ohne sie ständig rechtfertigen zu wollen?"
Doch der Tod, der mit dem Beutemachen verbunden ist, sei in der Öffentlichkeit verpönt. "Deswegen suchen die Jäger Begründungen in Begriffen wie Nachhaltigkeit, Hege und Naturschutz."
Die Jägerin bedauert, dass die Lust am Jagen dadurch in den Hintergrund gedrängt werde: "Weshalb die Freude leugnen, die uns so gut tut und die uns zu dem macht, was wir sind - Menschen. ... Jagen ist etwas zutiefst Menschliches."

Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche räumt in seinem Buch Jagen, Sex und Tiere essen: Die Lust am Archaischen (Neumann-Neudamm, 2012) mit den gängigen Begründungen und Rechtfertigungen für die Jagd auf, die da sind: Jäger als Ersatz für Großraubwild, Jäger als Bekämpfer von Wildschäden und Seuchen, Jäger als Naturschützer und Biotop-Pfleger, Waidgerechtigkeit...
Ein Jäger, der diese Gründe für die Jagd anführe, würde lügen, so der jagende Rechtsanwalt. Und er gibt offen zu:
»Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen, als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts. Deren Anforderungen regeln höchstens, wie wir jagen, nicht aber ob wir es tun.«
Und weiter: »Wir verwechseln zu gern die erfreulichen und wichtigen Begleiterscheinungen, die unser Tun rechtfertigen sollen, mit dessen wirklichen Gründen.
Sex haben wir, weil er uns Lust und Genuss bereitet.
Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.«



Schleswig-Holstein: Erste Grundstücke jagdfrei!

Seit Beginn des neuen Jagdjahres am 1.4.2014 sind auch in Schleswig-Holstein die ersten Grundstücke jagdfrei. Zu Beginn des Jahres 2014 hatten bereits über 20 Grundstückseigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt - und es werden immer mehr.
Das 6,5 Hektar große Grundstück Jutta Reichardt in Neuendorf-Sachsenbande im Kreis Steinburg nördlich von Hamburg wird seit 1.4.2014 offiziell nicht mehr bejagt.
Das Hofgrundstück ist von einem großen Garten und vielen Anpflanzungen umgeben, daran schließt sich feuchtes Grünland an, wie es in der Küstenregion typisch ist. weiterlesen


»Wir haben den Resthof 1994 gekauft und uns auf dem Land niedergelassen, um hier als Freiberufler in Ruhe leben und arbeiten zu können«, berichtet Jutta Reichardt. Die Tierfreunde und Vegetarier renaturierten das Grünland und schufen Biotope: »Wir legten Feldhecken und Gehölze mit Nahrungssträuchern für die Tiere an. Wir ließen einen Teich baggern mit Brutinseln für Wildgänse und Enten und für unsere tierischen Schützlinge.«

Die erste Begegnung mit den Jägern war für die Reichardts ein Schock: »Kurz vor Weihnachten 1995 standen plötzlich zum ersten Mal gut 20 bewaffnete Jäger plus ebenso viele Treiber, die sogar Kinder im Vorschulalter dabei hatten, auf unserem Land direkt hinter dem Hof und begannen wortlos, aber mit Vehemenz, alles, was Beine und Flügel hatte, vor sich her von unserem Hof weg zu treiben. Da die Tiere unseres Tierschutzbestandes solch einen Übergriff aus dem Nichts ebenso wenig erwartet hatten wie wir, herrschte das Chaos und die Angst. Wir riefen sofort die Polizei in der Annahme, diese würde uns vor den Bewaffneten schützen. Wie naiv von uns - und so waren wir als unerfahrene Großstädter umgehend zur Lachnummer der Jagdgesellschaft geworden. Anschließend habe ich mich dann informiert und musste zu meinem Entsetzen feststellen, dass diese Übergriffe Bewaffneter zum Alltag zwangsbejagter Grundbesitzer gehören.«

In den letzten Jahren stellten sich die Jäger während der alljährlichen Treibjagd sogar rund um den Teich auf und schossen die Gänse vom Himmel - ihre Hunde jagten alles, was flugunfähig war - auch die Tierpfleglinge der Reichardts.

Vor einigen Jahren wurde Jutta Reichardt auf die Initiative Zwangsbejagung ade aufmerksam. Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 2012 stellte sie über ihren Rechtsanwalt einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks. Zunächst sah es so aus, als würde den Reichardts die Befriedung ihres Grundstücks von den Behörden so schwer wie möglich gemacht: Es wurde mit einer Gewissensprüfung gedroht und Gebühren für die Bearbeitung des Antrags in Höhe von 2000 bis 4.000 Euro angekündigt. Doch dann kam es doch anders: Die Gewissensprüfung wurde trotz mehrfacher Ankündigung in diversen Zeitungsartikeln abgesagt und Ende März 2014 kam auf einmal der Bescheid, dass dem Antrag auf jagdrechtliche Befriedung stattgegeben wurde. Die Kosten: 250 Euro.



NRW: 10 Hektar im Münsterland jagdfrei!

André Hölscher hat es geschafft: Seine beiden landwirtschaftlichen Grundstücke im Münsterland mit insgesamt 10 Hektar Fläche sind mit Beginn des neuen Jagdjahres am 1.4.2014 jagdfrei.

André Hölscher ist als Comedian alias „Bauer Heinrich Schulte-Brömmelkamp“ bekannt. Presse und Fernsehen haben immer wieder über sein Engagement gegen die Jagd auf seinem Grundstück berichtet.

Am 7. März 2014 erhielt der 39-jährige Ladberger den Bescheid der Unteren Jagdbehörde des Kreises Steinfurt. "Gleich nach Bekanntwerden des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) im Sommer 2012 habe ich den Antrag auf jagdrechtliche Befriedung meiner Flächen gestellt. Aufgrund der Bindung an die deutsche Gesetzesgebung teilte mir die Behörde damals mit, derzeit nicht über mein Anliegen entscheiden zu können, den Antrag aber zurückzustellen."


Als das Urteil aus Straßbourg in das Deutsche Jagdgesetz eingeflossen war, ging alles ganz schnell. "Ich musste meine Gewissensgründe schriftlich darlegen, parallel wurden im Beteiligungsverfahren die Träger öffentlicher Belange, wie Forstbehörde, Landwirtschaftskammer, Jagdgenossenschaft und Jagdpächter angehört, dann erhielt ich umgehend den entsprechenden Bescheid."

In ihrem Schreiben attestiert die Behörde dem Antragsteller, seine Gewissengründe gegen den Jagdbetrieb auf seinem Grundstück glaubhaft dargelegt zu haben.

Das Amt hat zudem von dem Sonderrecht Gebrauch gemacht, die Grundstücke noch vor Ablauf des Jagdpachtvertrages, also zum Ende des Jagdjahres, jagdfrei zu stellen. Dazu erfolgt die Befriedung ohne weitere Beschränkungen. Der Jagdpachtvertrag läuft noch bis 2018.

In den vergangenen Jahren gab es zwischen dem Grundeigentümer und dem Jagdpächter immer wieder Auseinandersetzungen im Rahmen der Treibjagden. So wurde die Partnerin des Ladbergers auf dem Balkon sitzend von Schrot getroffen, gleich zweimal brachen Pferde von einer Nachbarweide aus und liefen zur Bundesstraße bzw. Eisenbahnstrecke.

Im Herbst 2012 berichteten das WDR-Fernsehen und die Westfälischen Nachrichten von einer polizeilich angemeldeten Demonstration des unfreiwilligen Jagdgenossen. Er stellte sich während einer Treibjagd mit einem Schild in der Hand "Keine Jagd auf meinem Grundstück" mitten auf seine eigene Wiese. Vor den Augen der Journalisten musste die Jagdgesellschaft abziehen, ohne, dass auch nur ein Schuss fiel.

Noch am 27. Februar 2014 haben sich André Hölscher und der Jagdpächter vor dem Amtsgericht in Münster getroffen. Der Grundstückseigentümer hatte den Jäger angezeigt. Der Vorwurf: Er habe im Juli vergangenen Jahres 12 Wildenten aus einer Zucht, denen ein Flügel angeschnitten worden war, auf dem See des Grundstückseigentümers als Lockvögel ausgesetzt. Das Gericht konnte nicht klären, ob der Jagdpächter selbst die Flügel angeschnitten hatte, sah es aber als erwiesen an, dass er hierfür verantwortlich war und bestätigte ein Ordnungsgeld des Kreises Steinfurt von EUR 500,-- (siehe Original-Foto)

"Ich bin überglücklich und erleichtert, dass meine Grundstücke bald jagdfrei sind", sagt André Hölscher. Er muss nun die Kosten für die jagdrechtliche Befriedung tragen. Diese belaufen sich laut Bescheid auf EUR 115,--.



Auf dem See des Grundeigentümers wurden im Juli 2013 zwölf Wildenten aus einer Zucht, denen ein Flügel angeschnitten worden war, als Lockvögel ausgesetzt. Bild: André Hölscher



25 Hektar im Rheinland jagdfrei!

Das gut 25 Hektar große Grundstück von Margot Scheibe in Hohenöllen-Sulzhof ist seit dem 1. April 2014 offiziell jagdfrei.
Margot Scheibe, die vor Jahrzehnten selbst Jägerin gewesen war, ist seit vielen Jahren überzeugte Vegetarierin und Tierschützerin. Mit ihrem gut 25 Hektar großem Grundstück war sie automatisch und gegen ihren Willen Mitglied in der Jagdgenossenschaft. Das Grundstück ist ein kleines Paradies mit viel Wald, umgeben von einem 50 Jahre alten und insgesamt 5 km langen Zaun, der kein Wildtier davon abhält, hinein- oder herauszuschlüpfen. Sehr zum Unmut der Jäger, welche bei Treibjagden verhindern wollten, dass sich die Tiere hinter den Zaun flüchten. Sogar ein Loch wurde in den Zaun geschnitten.

Der SWR berichtete am 22.8.2013 von dem Streit der Jäger mit der Rentnerin.

Margot Scheibe wollte nicht länger hinnehmen müssen, dass Jäger ihr Grundstück betreten und dort Tiere tot schießen. Sie stellte einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen und berief sich dabei auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012. Mit Bescheid vom 3.3.2014 hat die untere Jagdbehörde dem Antrag von Margot Scheibe stattgegeben - trotz massiven Widerstands der Jägerschaft und ihren zahlreichen Einsprüchen während der öffentlichen Anhörung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens.


Der SWR berichtete am 22.8.2013 von dem Streit der Jäger mit der Rentnerin.

Margot Scheibe wollte nicht länger hinnehmen müssen, dass Jäger ihr Grundstück betreten und dort Tiere tot schießen. Sie stellte einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen und berief sich dabei auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012. Dieser hatte mit entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, wenn der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt.

Mit Bescheid vom 3.3.2014 hat die untere Jagdbehörde dem Antrag von Margot Scheibe stattgegeben – trotz massiven Widerstands der Jägerschaft und ihren zahlreichen Einsprüchen während der öffentlichen Anhörung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens.



2 Hektar in der Pfalz jagdfrei!

In Rheinland-Pfalz wurden die Flächen weiterer Grundstückseigentümer jagdrechtlich befriedet: Frank Schlimbach aus Kusel freut sich über 2 Hektar jagdfreies Grundstück in der Pfalz.

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Rheinland Pfalz: Europäischer Gerichtshof entscheidet gegen Zwangsbejagung von Grundstücken im Landkreis Pirmasens

Rheinland-Pfalz: Bio-Winzer will Jagd nicht dulden


Bayern: 4 Waldgrundstücke jagdfrei!

Seit Beginn des Jagdjahres 2014/15 am 1.4.2014 sind die vier Waldgrundstücke von Familie Vilsmaier in Niederbayern offiziell jagdfrei. »Das ging ohne Probleme, die Kosten hierfür waren nur 150 Euro«, berichtet Fred Vilsmaier.

2008 kauften Susanne und Fred Vilsmaier vier Waldgrundstücke in Niederbayern. »Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir mit diesem Kauf automatisch Zwangsmitglieder der örtlichen Jagdgenossenschaft waren. Da wir uns seit vielen Jahrzehnten für den Tierschutz engagieren, waren wir entsetzt. Wir sind, was dieses Thema betrifft, dann ständig am Laufenden geblieben und so kam es dann Schlag auf Schlag, zuerst das Urteil vom Europäischen Gerichtshof, dann das Grundsatzurteil vom Bayerischen Verwaltungsgericht und zum Schluss unser Antrag beim Landratsamt in Kelheim.«


Nach dem Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 30.1.2013 stellten die Tierfreunde einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung beim Landratsamt in Kelheim. Sie sind überzeugt: »Tiere haben die gleichen Gefühle wie der Mensch und sie können Freude und Leid genauso zum Ausdruck bringen.« Und: »Die heutige Form der Jagd dient ausschließlich der Freude am Töten.«



Wildtiere brauchen Ruhezonen

Entgegen der von den Jagdverbänden verbreiteten Befürchtungen, werde es laut Wildtierschutz Deutschland aufgrund der jagdlichen Befriedung vieler kleinerer Grundstücke wohl kaum zu höheren Wildschäden kommen. »Das Argument höherer Wildschäden war von Anfang vorgeschoben, wohl auch um Gesetzgeber und Behörden hinsichtlich Ihrer Handlungen im Sinne der Jagd zu beeinflussen«, erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.


Unmissverständlich erklärte der renommierte Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf im Bayerischen Fernsehen, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sei längst überfällig: »Für das Wild ist das Urteil gut, weil es da und dort Ruhezonen schafft, die das Wild bei uns dringend braucht.« Ruhezonen könnten die gefürchteten Wildschäden vermindern: »Weniger Jagddruck, mehr Ruhezone, bedeutet für das Wild weniger Energieausgabe. Also muss es weniger Nahrung zu sich nehmen, weil es weniger herumwandern muss.« (»Unser Land« vom 16.11.2012)
In seinem Grundsatzartikel »Warum Jagd? Folgen des Jagens für Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften« der Zeitschrift TIERethik (2-2013) legt Prof. Dr. Josef H. Reichholf überzeugend dar, weshalb die Regulation von frei lebenden Tierbeständen durch die Jagd nicht funktioniert und auch nicht nötig ist. Vor dem Hintergrund des Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte von 2012 mit seinen Folgen für das Revierjagdsystem stellt der Zoologe in aller Deutlichkeit fest, dass Jagd in der Kulturlandschaft aus ökologischen Gründen nicht sein muss. Der dichtbesiedelte Kanton Genf (Jagdverbot seit 40 Jahren) und der Schweizerische Nationalpark (Jagdverbot seit 100 Jahren) beweisen laut Reichholf, dass weder im Siedlungsraum der Menschen noch in besonders naturnahen Naturschutzgebieten eine Kontrolle der Bestände durch die Jagd notwendig ist.
mehr Informationen

Eine aktuelle Dokumentation über jagdfreie Grundstücke und laufende Anträge auf jagdrechtliche Befriedung finden Sie hier.



Niedersachsen und Schleswig-Holstein:

Schikanen für Grundstückseigentümer, welche die Jagd nicht dulden wollen

In Niedersachsen haben bereits über 30, in Schleswig-Holstein über 20 Grundstückseigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt – Tendenz steigend. Doch der Austritt aus der Jagdgenossenschaft ist in Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit einem aufwändigen Antragsverfahren und unverhältnismäßigen Kosten verbunden. Die Grundstückseigentümer müssen sich nicht nur einer Gewissensprüfung unterziehen, sondern für die Befriedung ihrer Grundstücke auch noch eine Menge Geld hinblättern: Alleine für das Antragsverfahren sollen Gebühren zwischen 1.000 und 2.000 Euro erhoben werden.

Umwelt- und Naturschützer Dieter Grade aus Dithmarschen in Schleswig-Holstein kritisiert, dass er nicht nur seine ethischen Motive „glaubhaft machen“ musste – „wie früher bei der Wehrdienstverweigerung“. Zudem musste er nicht nur für jedes einzelne seiner Grundstücke Grundbuchauszüge, Karten und Angaben vorlegen sondern auch für die Grundstücke seiner Nachbarn. Dieter Grade hat den Verlauf seines Antragsverfahrens auf seiner Internetseite natur-in-not-dithmarschen.de ausführlich dokumentiert. „Immer neue Forderungen zu stellen, wenn alle bisherigen geliefert worden sind, halte ich für eine üble Hinhaltetechnik... Ich denke, dass die Untere Jagdbehörde auf Fehler meinerseits hofft, die dann zu der endgültigen Ablehnung des Antrages führen würden.“ Zudem wurde für den Antrag eine Bearbeitungsgebühr von bis zu 2.000 Euro angekündigt.

Der für die Jagd zuständige Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hatte im NDR Schleswig-Holstein Magazin geäußert, er finde es befremdlich, dass eine Gewissensentscheidung etwas kosten solle. „Niemand, der aus ethischen Gründen die Jagd grundsätzlich ablehnt, sollte dazu gezwungen werden, einer Jagdgenossenschaft anzugehören“, zitiert dpa am 16.3.2014 den Minister und fügt hinzu: „Die Realität sieht womöglich anders aus.“



Revierübergreifende Massentötung von Füchsen



war illegal

Beschwerde gegen Einstellung des Ermittlungsverfahrens

Mehrere Tierschutzorganisationen hatten im Februar 2013 Strafanzeige gestellt wegen einer Massentötung von mindestens 71 Füchsen bei einer vom 25.01. bis 27.1.2013 veranstalteten »Schwarzwildschwerpunktjagd« in Hessen. Wie ging es damit weiter?



Das Tierschutz verbietet bekanntlich das Töten von Wirbeltieren »ohne vernünftigen Grund«. So hatte die Staatsanwaltschaft Kassel zunächst die Frage nach dem »vernünftigen Grund« gestellt:
»Zwar stellt die waidgerecht durchgeführte Jagd grundsätzlich einen ‘vernünftigen Grund’ i.S.d. § 17 Tierschutzgesetz dar; auch gibt es für den Beschuss von freilebenden Füchsen in Hessen ersichtlich weder Einschränkungen im Sinne einer Schonzeit oder das Einhalten von Abschussregelungen; es ist gleichwohl fraglich, worin der ‘vernünftige Grund’ des Schießens einer großen Anzahl von Füchsen im Rahmen einer revierübergreifenden Jagd auf Schwarzwild gelegen haben soll.«

Dennoch stellte die Staatsanwaltschaft Kassel das Ermittlungsverfahren ein, da angeblich ein strafbares Verhalten nicht nachgewiesen werden könne.

Tierschützer legen Beschwerde gegen Einstellung des Ermittlungsverfahrens ein

Die Tierschutzorganisationen legten gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens Beschwerde ein. In der Beschwerdebegründung vom 17.2.2014 im Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz führt Rechtsanwalt Dominik Storr aus, die Staatsanwaltschaft hätte ermitteln und prüfen müssen, ob die vorliegende Jagdausübungsmaßnahme, die ganz offensichtlich das gesetzlich verankerte »Revierprinzip« sprengt, überhaupt mit dem geltenden Jagdrecht zu vereinbaren ist. Die Jäger hätten in ihren Einlassungen zugegeben, dass es sich um eine »revierübergreifende Jagdsausübungsmaßnahme« gehandelt habe. Nach Angaben der Jäger sollen sich an dieser Jagd ganze 59 (!) Jagdreviere auf einer Fläche von 29.000 Hektar beteiligt haben.

Dazu heißt es in der Beschwerdebegründung:
»Es wird daher mit dieser Strafanzeige nicht beanstandet, dass Füchse, die in Deutschland eine jagdbare Art darstellen, von Jägern erlegt wurden. Was vorliegend beanstandet wird, ist ein abartiger, nicht weidgerechter Auswuchs der Jagd, der gar nicht erst salonfähig gemacht werden darf, weil dieser Auswuchs im wahrsten Sinne des Wortes als ‘kriminell’ zu bezeichnen ist, da er weder mit dem Bundesjagdgesetz noch mit dem Tierschutzgesetz zu vereinbaren ist. Das Mittelalter, in dem vergleichbare Menschenmengen über riesige Gebiete hinweg den Wildtieren nachstellten, ist - Gott sei Dank - aufgrund des gesetzlich verankerten »Reviersystems« vorbei. In unserer modernen Gesellschaft ist der Tierschutz zur Staatszielbestimmung (vgl. Art. 20 a GG) erhoben worden. Es ist daher vorliegend Aufgabe der Staatsanwaltschaft als Teil der öffentlichen Gewalt, dafür zu sorgen, dass dieser Staatszielbestimmung Geltung verschafft wird, indem das vorliegende rechtswidrige Verhalten sanktioniert wird.«

Denn: »Nach § 17 Nr. 1 TierSchG macht sich strafbar, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet. Im vorliegenden Fall könnte die Jagdausübung einen vernünftigen Grund im Sinne des § 17 Nr. 1 TierSchG darstellen. Hierzu müsste die Jagd gesetzeskonform und insbesondere weidgerecht im Sinne des § 1 Abs. 3 BJagdG ausgeübt worden sein.«

Die von den Hegeringsleitern vorgenommene Zusammenlegung von 59 Jagdrevieren zu einem »Superjagdrevier« sei nicht vom Bundesjagdgesetz gedeckt und somit ungesetzlich. Es gibt in Hessen keine Gesetzesgrundlage für revierübergreifende Jagdausübungsmaßnahmen.

»Allein dieser Verstoß gegen das Jagdrecht lässt die Rechtfertigung der Tötung entfallen, denn allein die gesetzeskonforme Jagdausübung schafft die Berechtigung, Tiere im Rahmen der Jagdausübung zu töten.«

Somit ist diese revierübergreifende Massentötung von Füchsen ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die Staatsanwaltschaft Kassel wird mit der Beschwerde der Tierschutzorganisationen aufgefordert, die Ermittlungen wieder aufzunehmen.



Tierschutzorganisationen stellen Strafanzeige

Im Auftrag von mehreren Tierschutzorganisationen, darunter der Initiative zur Abschaffung der Jagd und PETA Deutschland e.V., wurde am 5.2.2014 Strafanzeige [186 KB] gegen die Verantwortlichen einer riesigen revierübergreifenden Treibjagd bei der Staatsanwaltschaft Hechingen eingereicht. Bei der ganze 11 (!) Reviere umfassenden Treibjagd im Waldgebiet zwischen Inzigkofen, Göggingen und Meßkirch hatten 181 Jäger, 100 Treiber und 60 Hunde am 7.12.2013 innerhalb von drei Stunden 81 Wildschweine zur Strecke gebracht. Dabei wurden so viele Wildschweine abgeschossen wie sonst in einem ganzen Jahr!
Lesen Sie die Strafanzeige [186 KB]

Die Medien hatten bereits im Vorfeld über die geplante Strafanzeige berichtet:
"Tierschützer bereiten nach Drückjagd Strafanzeige vor" (Südkurier, 17.12.2013)
"Tierschutzorganisation „Peta“ sieht Verstöße gegen Jagdrecht und das Tierschutzgesetz" (Südkurier, 18.12.2013)
"Rechtsanwalt will Jäger anzeigen - Die Drückjagd in und um Meßkirch ruft Tierschützer und die Justiz auf den Plan" (Schwäbische Post, 23.12.2013)


Abartige Auswüchse der Jagd

Meßkirch: 181 Jäger und 100 Treiber erlegen 81 Wildschweine
Tierschutzorganisationen reichen Strafanzeige ein
 
Wie einem Pressebericht in der Schwäbischen Zeitung vom 12.12.2013 zu entnehmen war, sind bei einer revierübergreifenden Treibjagd am 07.12.2013 im Waldgebiet zwischen Inzigkofen, Göggingen und Meßkirch 81 Wildschweine erlegt worden. Das entspreche dem durchschnittlichen Streckenergebnis eines ganzen Jagdjahres in diesem Raum. Das heißt: Innerhalb von drei Stunden wurden so viele Wildschweine abgeschossen wie sonst in einem ganzen Jahr. An der Jagd beteiligt haben sich Presseberichten zufolge 181 Jäger und 100 Treiber. Zudem kamen 60 Jagdhunde zum Einsatz. Die Hegeringe Sigmaringen und Meßkirch und der Bauernverband hatten zu dieser revierübergreifenden Drückjagd aufgerufen. Insoweit wurde von einem „Pilotprojekt“ gesprochen.
 
PETA Deutschland e.V.: „Abartige Auswüchse der Jagd“
 
Bei einer Jagd mit 181 Jägern, 100 Treibern und 60 Hunden handelt es sich um einen abartigen Auswuchs der Jagd, der nicht weidgerecht sein kann, sagt Dr. Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. „Statt derartige Massaker an Wildschweinen zu begehen, sollten die Jäger erst einmal damit aufhören, das Schwarzwild mit Tonnen von Futter zu mästen“, so Dr. Haferbeck.
 
Verstöße gegen geltendes Recht! Strafanzeige eingereicht 
 
Die Tierschutzorganisationen haben heute bei der Staatsanwaltschaft Hechingen Strafanzeige gegen die Verantwortlichen dieser Treibjagd eingereicht. Ihr Rechtsanwalt Dominik Storr ist der Auffassung, dass die von den Hegeringen Sigmaringen und Meßkirch sowie dem Bauernverband organisierte Jagd gleich in mehreren Punkten gegen das geltende Jagdrecht und das Tierschutzgesetz verstößt: Zum einen würden Wildschweine wie Schädlinge behandelt werden. Für Schädlingsbekämpfung seien die Jäger aber gar nicht zuständig. Zudem gebe es für revierübergreifende Jagdausübungsmaßnahmen keine gesetzliche Grundlage, da in Deutschland nach dem ausdrücklichen Willen des Gesetzgebers das strenge Revierprinzip gelte. Folgerichtig habe daher der Gesetzgeber in Rheinland-Pfalz als erstes Bundesland sein Jagdgesetz entsprechend geändert und darin explizit aufgenommen, dass Hegegemeinschaften auch "jagdbezirksübergreifende Bejagungen" durchführen können. Hinzu komme, dass bei Jagden dieser Größenordnung nicht von einer weidgerechten Jagdausübung ausgegangen werden könne. Durch diese Verstöße sei kein rechtfertigender Grund für die Tötung von Wirbeltieren vorhanden. Dadurch hätten sich die verantwortlichen Personen mutmaßlich nach § 17 TierSchG strafbar gemacht.
 
Auch Blumberger Jäger kritisieren revierübergreifende Drückjagden
 
Ausgerechnet von Jägern erhalten die Tierschutzorganisationen Schützenhilfe: Im benachbarten Hegering Blumberg haben 13 langjährige Jagdpächter ihre auslaufenden Jagdpachtverträge aus Protest gegen die revierübergreifenden Drückjagden nicht verlängert: Sie prangern die großen revierübergreifenden Drückjagden als "nicht waidgerecht" und "unethisch" an, weil "nur noch der Abschuss des Wildes" zähle. Dies berichteten der Südkurier und der Schwarzwälder Bote am 04.02.2014. Die 13 langjährigen Jagdpächter begründen dies in einem Offenen Brief, aus dem der Südkurier wie folgt zitiert:
 
"Wir lehnen diese Art der Jagd aus ethischen Gründen ab." Lesen Sie hierzu:
"13 langjährige Jagdpächter werfen ihre Flinten ins Korn" (Südkurier, 4.4.2014)
"Regiejagd bleibt Stein des Anstoßes" (Schwarzwälder Bote, 4.4.2014)

 
Neustadt am Main, den 05.02.2014
  
Rechtsanwalt 
Dominik Storr
Erlacherstraße 9
97845 Neustadt am Main OT Erlach
Telefon: +49 (0) 9393-99320-3
Telefax: +49 (0) 9393-99320-9
Email: info@buergeranwalt.com
Internetauftritt: www.dominik-storr.de



Fuchsjagd - ein grausames Hobby

Seit einigen Wochen rufen Hegeringleiter wieder zu sogenannten Fuchswochen auf! Über den Zeitraum einiger Tage sollen Jäger gemeinsam und revierübergreifend dem Fuchs "nachstellen". Das geschieht zu einer Zeit, in welcher die Fuchsrüden um die Gunst der Fähen werben.




Niemals ist der Fuchs so unvorsichtig wie während der Paarungszeit - die Jäger sprechen von der "Ranz" - auch wegen der Spuren im Schnee ist Reineke dann für den Jäger eine leichte Beute. Während dieser Zeit sind aber auch viele Fähen schon schwanger - mit der Konsequenz, dass später im Jahr zahlreiche Jungtiere verhungern, weil der Rüde nicht mehr zur Ernährung beitragen kann; er ist tot.

Das vermeintliche Ziel ist die Reduzierung des Fuchsbestandes. Den Fuchs will man klein halten, um Krankheiten unter den Tieren vorzubeugen und Restbestände von Rebhühnern und Auerhähnen zu schützen. Wissenschaft und Forschungsberichte kommen zu anderen Schlüssen: Die Jagd begünstige hohe Fuchsbestände und habe keinen oder nur marginalen Einfluss auf den Bestand von Bodenbrütern.

Entgegen der Behauptungen von Jägern spielen auch vom Fuchs ausgehende Krankheiten für den Menschen und sein Umfeld nur eine untergeordnete Rolle. Die Tollwut ist ausgemerzt, die Wahrscheinlichkeit sich über den Fuchsbandwurm zu infizieren ist weitaus geringer als ein 6er im Lotto (Daten zu Neuerkrankungen durch den Fuchsbandwurm beim Robert-Koch-Institut).
Die Jagd spielt hinsichtlich der Prävention überhaupt keine Rolle - eher ist das Gegenteil der Fall, dass durch die Jagd Krankheiten unter unseren Füchsen noch verbreitet werden.

Wildtierschutz Deutschland ist der Meinung, dass es keinen sachlichen Grund gibt, Füchse zu jagen. "Wir halten es für moralisch zutiefst verwerflich, diese anmutigen Tiere letztlich nur zu töten, nur um seinen Spaß gehabt zu haben", so Lovis Kauertz, der Pressesprecher der Organisation.

Nachfolgend u.a. einige Fundstellen aus der Forschung:

- Bestandsregulierung: Durch den jagdlichen Eingriff in den Fuchsbestand wird dieser keineswegs reduziert. Jäger erreichen dadurch lediglich, dass die durchschnittliche Anzahl der Nachkommen von verbleibenden Fähen etwa dreimal so hoch ist, wie in unbejagten Revieren. Im Nationalpark Bayerischer Wald - hier werden Beutegreifer nicht bejagt - liegt der durchschnittliche Nachwuchs pro Fähe bei 1,8 Welpen (Quelle: Forschungsberichte Bayerischer Nationalpark).

Hinzu kommt, dass leer geschossene Reviere schnell durch zugewanderte Füchse besetzt werden. Damit einher geht das Risiko des Einschleppens von Krankheiten. Die Fuchsjagd destabilisiert das Sozialgefüge des vorhandenen Fuchsbestandes und führt im Hinblick auf das Ziel Bestandsregulierung allenfalls dazu, dass im kommenden Jahr wieder genauso viele Füchse in heiterer Runde abgeknallt werden können. Ein kontinuierlicher Verzicht auf die Fuchsjagd würde dagegen zu einer langfristig stabilen und gesunden Fuchspopulation führen - der als Fuchsexperte geltende Biologe Erik Zimen beschrieb das Phänomen der füchsischen Geburtenregulierung mit den Worten "Geburtenbeschränkung statt Massenelend".

- Tollwut: Deutschland ist frei von terrestrischer Tollwut. Da sich kein Tollwuterreger in den Fuchsbeständen befindet, kann dieser sich auch nicht mehr verbreiten. Das Argument, die Jagd könne durch Bestandsregulierung die erneute Ausbreitung der Tollwut verhindern, ist nicht nur deshalb falsch, sondern auch weil mittels der Jagd eine dauerhafte Bestandsregulierung nicht stattfindet, die Sozialgefüge der Füchse zerstört werden, die Bestände anfällig für Krankheiten werden.

- Fuchsbandwurm: Es gibt nicht einen wissenschaftlich haltbaren Beleg dafür, dass sich die Jagd positiv auf die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm auswirkt. Eher ist das Gegenteil der Fall, da das Risiko der Einschleppung durch infizierte Füchse besteht (siehe oben). Der Fuchsbandwurm kann dauerhaft nur durch Entwurmung auf fast Null reduziert werden (FH Weihenstephan / TU München).

- Der Fuchs als vermeintliche Gefahr für Bodenbrüter - es gibt einige wenige Beispiele dafür, dass auf sehr kleinem, abgeschlossenem Territorium (z.B. Friesische Inseln) die Fuchsjagd mit großem Aufwand neben der intensiven Biotop-Pflege zu geringerer Prädation von Bodenbrüterbeständen geführt hat. In aller Regel jedoch hat die Bejagung des Fuchses fast überhaupt keine Auswirkung auf die Prädation von Bodenbrütern. Hierzu und zur Bestandreduzierung von Prädatoren im Allgemeinen finden sich bei Langgemach, T. & J. Bellebaum 2005 zahlreiche Belege:

- "Diese Schwierigkeiten auf Inseln deuten an, wie viel schwieriger es auf dem Festland bei uneingeschränkter Zuwanderung ist, Raubsäuger zu reduzieren. Die Ausbreitung und rapide Bestandszunahme von Marderhund und Waschbär wurden auch durch eine Bejagung ohne Schonzeit nicht ansatzweise verhindert, wahrscheinlich nicht einmal verlangsamt."

- "Für den Fuchs nehmen HEYDON & REYNOLDS (2000) an, dass die in Großbritannien üblichen Formen der Bekämpfung, die deutlich weiter gehen als die deutschen Jagdmethoden, die Dichte regional begrenzen können. Nach HEWSON (1986) dagegen konnten vergleichbare Methoden die Fuchsfamiliendichten in einem schottischen Gebiet nicht verringern."

- "Auch bei Zahlung von Abschussprämien an Jäger ließen sich tollwutfreie Fuchsbestände nach der Erfahrung in verschiedenen Ländern nicht nachhaltig reduzieren (z. B. Schweiz: KAPHEGYI & BREITENMOSER 1995; Australien: ANONYMUS 2003)."

- "In anderen Ländern ist mehrfach versucht worden, zumindest lokal die relevanten Prädatoren zu dezimieren, wobei die meist jagdlich motivierten Maßnahmen die Vernichtung einer möglichst großen Zahl potenzieller Nesträuber (v. a. Raubsäuger und Rabenvögel) unabhängig von deren Anteilen an Nestverlusten anstrebten, z. B. in der nordamerikanischen Prärie (SARGEANT et al. 1995; SOVADA et al. 2001) oder in England (z. B. TAPPER et al. 1996). Die meisten Maßnahmen konnten wenigstens die Bruterfolge steigern, aber nur selten die Brutbestände im darauffolgenden Frühjahr (Übersicht: CÔTÉ & SUTHERLAND 1997)."

- "An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins hat die Fuchsbejagung in Schutzgebieten die Präsenz von Füchsen nicht merklich verringert. Auf dem Graswarder blieb z. B. die Prädation auf Gelege und Jungvögel der Sturmmöwe unverändert hoch (KUBETZKI 2002). Am Bottsand wurden Erfolge nur erzielt, wenn gleichzeitig ein Elektrozaun betrieben wurde (BEHMANN 1998)."

- "In Deutschland fanden Versuche zur Fuchsreduzierung bisher gewöhnlich mit Hilfe der örtlichen Jagdpächter statt. Trotz gesteigerter Abschüsse in Projektgebieten wurden aber keine oder nur kurzfristige Erfolge erzielt. Auch bei intensiver Kooperation mit den Jägern und Zahlung von Prämien über zehn Jahre in zwei Trappenschongebieten in Brandenburg ließen sich keine messbaren Veränderungen der Prädationsverluste erzielen (SCHWARZ et al. 2005)."

Kauertz weiter: "Fuchsjagd ist eine reine Spaß-Jagd auf eines unserer schönsten Wildtiere. Sie zerstört Sozialgefüge, erhöht das Krankheitsrisiko der Tiere und trägt nicht zu einer Reduzierung der Bestände bei. Die Jagd führt unter den verbleibenden Füchsen vielmehr zu Leid und Elend, sie ist Tierquälerei und würde - wenn nicht die "weidgerechte" Jagd vom Tierschutz ausgenommen wäre - den Kriterien des Tierschutzgesetzes nicht standhalten."

Quelle: Wildtierschutz Deutschland e.V.




Immer mehr jagdfreie Grundstücke in Deutschland