Skandal: Jagdverband spielt Opferzahlen herunter

Wegen der Häufung von schweren Jagdunfällen bei Treibjagden im Dezember 2012 wird die Jagd in der Presse kritisch beleuchtet. Grund für den Deutschen Jagdschutzverband, die Opferzahlen herunterzuspielen:
In der Pressemeldung „DJV bedauert Jagdunfälle in Süddeutschland“ vom 12.12.2012 klagt DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Deuschle über „Versuche von Jagdgegnern, Einzelschicksale zu instrumentalisieren, um die Jagd schlecht zu machen“. Und weiter: „Mit Fantasiezahlen und haltlosen Behauptungen soll ein negatives Bild gezeichnet werden.“


So behauptet der DJV doch allen Ernstes in seiner Pressemeldung, Statistiken zufolge sei die Jagd sehr sicher: „In den vergangenen sieben Jahren gab es durchschnittlich zwei tödliche Jagdunfälle jährlich".

Das ist 100 Prozent Jägerlatein:
Weder der Jagdverband noch staatliche Behörden führen Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen nur die „Strecke“ der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys.

Die einzige Organisation, die seit 2001 Jahr für Jahr eine Statistik über Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen führt, ist die Initiative zur Abschaffung der Jagd – wobei die Aufstellung lediglich aufgrund vorliegender Presseberichte erstellt wurde und somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

Für das laufende Jahr 2012 sind schon jetzt über 20 Tote durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen dokumentiert [75 KB] .
Lesen Sie: Statistik 2012

Für das Jahr 2011 dokumentierte die Initiative zur Abschaffung der Jagd mindestens 35 Tote durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen [64 KB] .
Lesen Sie: Statistik 2011

Für das Jahr
2010 dokumentierte die Initiative zur Abschaffung der Jagd 10 tödliche Jagdunfälle sowie 15 Tote durch Familientragödien in Jägerhaushalten und Straftaten mit Jägerwaffen. [62 KB]

Es stellt sich die Frage, wer hier Fantasiezahlen verbreitet...

Und es gibt noch mehr Jägermärchen in der Pressemeldung des DJV:

"Jagdunfälle mit Verletzungen unterschiedlichen Schweregrads kommen nach Angaben des LSV mehrere hundert Mal jährlich vor. Allerdings liegt hier die Ursache selten im unsachgemäßen Gebrauch von Schusswaffen, wie Jagdgegner oft glauben machen wollen. Eher sind es Dornen, tief hängende Äste, Baumstümpfe, Steine und Unebenheiten des Bodens, die bei Jägern oder Jagdteilnehmern zu Verletzungen wie Prellungen, Brüchen oder Schnittwunden führen können."

- Wie bitte? Jagdunfälle entstünden aufgrund von Dornen, Ästen oder Steinen?
Lesen Sie eine Zusammstellung über schwere Jagdunfälle durch Schusswaffen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).



Drei schwere Jagdunfälle am Wochenende

Wann endlich schützt der Staat Tiere und Menschen?

Am Samstag, den 8.12.2012 kam es zu drei schweren Jagdunfällen in Bayern:

Bei einer Treibjagd in Unterfranken wurde ein Mann statt eines Wildschweins von einem Jäger erschossen. Der 66-Jährige hatte am Samstagvormittag im Gramschatzer Wald als Treiber bei einer Treibjagd auf Wildschweine teilgenommen.
Laut Polizei hatte er gegen 10.00 Uhr etwa 500 Meter Ortsteil Gramschatz entfernt ein Wildschwein aufgeschreckt, als er von einem Schuss tödlich getroffen wurde. Insgesamt hatten etwas 30 Jäger und 30 Treiber an der Treibjagd teilgenommen.

Bei einer Treibjagd aus Hasen in Mittelfranken wurde ein Treiber von einer Ladung Schrot im Gesicht getroffen.

Bei einer Treibjagd in der Oberpfalz schoss eine Jägerin einem Jäger mit der Schrotflinte in die Beine.


Krieg in Wald und Flur

Seit im Herbst wieder die großen Treib- und Drückjagden begonnen haben, herrscht wieder Krieg in Wald und Flur:
Tiere werden von den Jägern massenhaft abgeknallt. Gliedmaßen werden weggeschossen, Sozialstrukturen auseinandergesprengt, Jungtiere verlieren ihre Eltern, angeschossene Tiere leiden tagelange Qualen. Tiere flüchten über die stark befahrenen Straßen, öffentliche Wege sind gesperrt, überall erdröhnen Schüsse. Haustiere werden mit Wildtieren "verwechselt" und auch auf Menschen wird geschossen...
Siehe hierzu: Menschen als Jägeropfer


Wann endlich schützt der Staat Tiere und Menschen?

Die Politik hat es in den letzten Jahrzehnten zugunsten der Jagdlobby versäumt, die Jagd zu reformieren, sie nach modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gemäß dem Staatsziel Tierschutz auszurichten.
Solange die zuständigen Politiker immer nur den Sinn der Jagd und nicht deren kompletten Widersinn postulieren, wird es weiterhin Tote und Verletzte geben.
Der Gesetzgeber hat es versäumt, die Tiere vor den Jägern zu schützen. Ist es ihm wirklich zuzutrauen, die Bevölkerung vor der Jagd zu schützen - und zwar bevor Menschen erschossen werden?


Wann kommt endlich eine Reform der Jagdgesetzgebung?

Jagd und Jäger geraten zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik.
Seit Jahren kritisieren nicht nur Natur- und Vogelschützer, sondern auch renommierte Wissenschaftler die Jagd mit Zahlen und Fakten. So ist längst erwiesen, dass die Freizeitjagd überflüssig und schädlich ist und sich nicht mit wissenschaftlichen Argumenten rechtfertigen lässt - auch nicht in unserer heimischen Kulturlandschaft. Juristen machen zudem geltend, dass viele Regelungen der Jagdgesetzgebung nicht mehr mit dem Grundgesetz vereinbar sind, seitdem der Tierschutz zum Staatsziel erhoben worden ist (Art. 20a Grundgesetz).
Lesen Sie die Forderungen für die Novellierung der Jagdgesetze



Warum jagen Jäger wirklich?

Trotz beharrlicher Propagandaarbeit der Jagdverbände sinkt das Image der Jäger in der Öffentlichkeit immer mehr: Immer weniger Spaziergänger, Reiter und Mountainbiker lassen es sich gefallen, wenn sie von Jägern angepöbelt und bedroht werden - und sie protestieren gegen Ballerei in Stadtparks, auf Friedhöfen und in Naherholungsgebieten. Immer wieder ist in der Zeitung zu lesen, dass Jäger aus Versehen Menschen oder Ponys auf der Weide mit Wildschweinen verwechseln - das kann einem beim Spaziergang schon Angst machen. Millionen Tierfreunde haben kein Verständnis, wenn ihre Hauskatzen abknallen oder drohen, den Hund zu erschießen. Warum Jäger Hasen tot schießen, obwohl sie auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen, kann irgendwie auch niemand mehr gut finden. Zudem haben 99,7 Prozent der Bevölkerung andere Hobbys, als Tiere tot zu schießen.


Vor diesem Hintergrund wagen immer mehr Jäger die Flucht nach vorne. Wir, die nichtjagende Mehrheit der Bevölkerung, sollen Verständnis für ihr Hobby, ihre „Passion“ entwickeln.


Glaubt man der Jäger-Propaganda in Zeitungen und Fernsehberichten, wäre Deutschland ohne Jagd dem Untergang geweiht: Jäger retten den deutschen Wald vor Rehen und Hirschen. Jäger retten die Landwirtschaft vor der Verwüstung durch Wildschweinhorden. Jäger schützen die Bevölkerung vor Seuchen: vor Fuchsbandwurm, Tollwut und (nachdem es in Deutschland keine Tollwut mehr gibt) vor Räude und Staupe. Ohne Jäger würden die Wildtiere überhand nehmen – schließlich gibt es keine großen Raubtiere mehr. Im Übrigen seien Jäger anerkannte Naturschützer. Wer das nicht verstehe, sei ein naturentfremdeter Städter.

Zum Unglück der Jäger glauben immer weniger Menschen das Jägerlatein – zumal namhafte Biologen und Zoologen in der Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass die Natur sich in unbejagten Gebieten selbst reguliert. Eine großangelegte wissenschaftliche Langzeitstudie wies gar nach, dass starke Bejagung die Vermehrung von Wildschweinen fördert – und somit absolut contraproduktiv ist.

Vor diesem Hintergrund wagen immer mehr Jäger die Flucht nach vorne. Wir, die nichtjagende Mehrheit der Bevölkerung, sollen Verständnis für ihr Hobby, ihre „Passion“ entwickeln.

Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche räumt in seinem Buch „Jagen, Sex und Tiere essen: Die Lust am Archaischen“ (Neumann-Neudamm, 2012) mit den gängigen Begründungen und Rechtfertigungen für die Jagd auf, die da sind: Jäger als Ersatz für Großraubwild, Jäger als Bekämpfer von Wildschäden und Seuchen, Jäger als Naturschützer und Biotop-Pfleger, Waidgerechtigkeit...

Ein Jäger, der diese Gründe für die Jagd anführe, würde lügen, so der jagende Rechtsanwalt. Und er gibt offen zu: „Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen, als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts. Deren Anforderungen regeln höchstens, wie wir jagen, nicht aber ob wir es tun.“
Und weiter: "Wir verwechseln zu gern die erfreulichen und wichtigen Begleiterscheinungen, die unser Tun rechtfertigen sollen, mit dessen wirklichen Gründen.
Sex haben wir, weil er uns Lust und Genuss bereitet.
Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet."
Die Verlags-Informationen zum Buch finden Sie hier

Mit seinen Schilderungen archaischer Jagdabenteuer tritt Florian Asche in die Fußstapfen des berühmten Jagdphilosophen Ortega y Gasset (1883 – 1955), der über die Jagdlust geradezu martialisch schwärmte: "Blut hat eine orgiastische Kraft sondergleichen, wenn es überströmt…. und das herrliche Fell des Tieres befleckt."

Doch trotz Bekenntnis zu archaischer Triebgesteuertheit war für Ortega y Gasset klar: "Fernab davon, eine von Vernunft gelenkte Verfolgung zu sein, kann man vielmehr sagen, dass die größte Gefahr für das Fortbestehen der Jagd die Vernunft ist."

Auch der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, stellte schon vor Jahrzehnten fest: »Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.«



Jagd: Gefährlich nicht nur für Tiere

Dass die Jagd nicht nur für die Wildtiere gefährlich ist, sondern auch für Spaziergänger, Autofahrer und sogar Menschen in ihren Gärten und Wohnungen – und nicht zuletzt für die Jäger selbst – zeigen die Meldungen der letzten Woche:

„NACH TREIBJAGD: Mann in Schlangenlinien auf der B300 unterwegs - Schrotflinte sichergestellt“, titelt die Augsburger Allgemeine am 12.11.2012. Demnach stoppte die Polizei die Fahrt des Jägers - er hatte etwa 1,1 Promille Alkohol im Blut. Der Mann sei auf dem Heimweg von einer Treibjagd gewesen und hatte Doppelbockflinte dabei.

„Spaziergänger bei Treibjagd angeschossen“, titelt der ORF am 11.11.2012. Demnach ist ein 47-jähriger Mann bei einem Spaziergang am Samstagvormittag in eine Treibjagd geraten und wurde von einigen Schrotkugeln getroffen. Die Jäger hätten laut Polizei Erste Hilfe geleistet. "Die Jagd verliert unterdessen immer mehr an Image“, so der ORF.
Denn auch der letzte Zwischenfall mit einem Jäger im Bezirk Braunau hatte in der Öffentlichkeit große Wogen geschlagen: "Ein Jäger hatte zunächst seinen Hund auf einen verletzten Rehbock gehetzt, ihn dann mit einem Revolver zu erschießen versucht und ihm schließlich mit einem Messer die Kehle durchschnitten."

Die Märkische Allgemeine berichtet am 7.11.2012 von einem Jagdunfall auf einem Erlebnishof. Demnach hat sich am Morgen ein im dortigen Wildgehege arbeitender Jäger in den Oberarm geschossen, nach dem der zuvor ein Reh erlegt hatte. Die Betreiberin des Hofes sagte gegenüber der Zeitung: "Wenn man bedenkt, was hätte alles passieren können, will man gar nicht weiterdenken.“

„Jäger schoss durch Wohnungswand“, titelt die Kleine Zeitung am 6.11.2012. Demnach wurde ein 48-jähriger Mann durch Schüsse aus dem Schlaf geschreckt. Als die Polizei kam, stellten die Beamten Schusslöcher in der Wand fest. Eine Kugel war nur 10 Zentimeter neben dem Bett eingeschlagen. Die Polizei wusste, dass der Nachbar Jäger ist und mehrere Waffen im Haus hat. „Bei der Vernehmung gab der offensichtlich verwirrte Mann an, seine Waffen für eine bevorstehende Jagd gereinigt zu haben. Dabei hätte sich ein Schuss gelöst“, so die Kleine Zeitung.

In Holland hat offenbar ein Jäger bei der Jagd auf Fasane drei Männern mit der Schrotflinte ins Gesicht geschossen, die im Garten eines Bauernhauses standen. Dies berichtet www.bndestem.nl am 6.11.2012. Alle drei Männer mussten im Krankenhaus behandelt werden. Aus ihren Gesichtern müssen Schrotkugeln entfernt werden. Einer der angeschossenen Männer hatte Glück, dass er eine Brille trug, die Schrotkugeln abhielt.

Das Hauptzollamt Singen hat laut einem Bericht des Südkurier vom 6.11.2012 zahlreiche Waffen und auch Munition aus dem Verkehr gezogen, darunter eine Pump-Gun. „Bei der Kontrolle gab der 65-Jährige an, dass er gerade umziehe. Die Waffen benötige er ausschließlich zur Jagd und zum Selbstschutz“, so die Zeitung.



Winzer jammern: Millionenschäden durch Wildtiere?

In den letzten Wochen kursierten immer wieder Meldungen, wonach Wildtiere - insbesondere Wildschweine - angeblich hohe Schäden im Weinbau anrichten. Wildtierschutz Deutschland ist dem nachgegangen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Ertragseinbuße gerade einmal 20 Cent pro 100 Euro beträgt - und dass die Jagd alles noch schlimmer macht.
weiterlesen


Mal sind es die Landwirte, heute wieder einmal die Winzer: man befürchte in den Weinlagen Wildschäden in Millionenhöhe! Die Anzahl der Wildschweine und damit einhergehende Schäden seien viel zu hoch. Die Jagd werde ihrer Aufgabe der Bestandsregulierung nicht gerecht.

„Was ist das für ein Szenario, welches da Jahr für Jahr an die Wand gemalt wird?“ Diese Frage stellt sich Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland. Die Probleme seien Großteils hausgemacht, die Schäden viel geringer als Lobbyisten uns das weißmachen wollen und Lösungsansätze gebe es ebenfalls.

Es geht um einen Minderprofit von 0,2 Prozent

Doch eines nach dem anderen: Fällt eine Wildschweinrotte in einen Wingert ein, so kann das ganz empfindliche finanzielle Schäden nach sich ziehen. Mitunter ist die Arbeit eines ganzen Jahres dahin. Was für den einzelnen Winzer eine Katastrophe ist, muss man allerdings relativieren. Beispiel Rheinland-Pfalz: der Weinbau befürchtet für 2012 Schäden in Millionenhöhe – sagen wir mal 2 Millionen Euro. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn die Schäden werden nicht zentral erfasst. In Rheinland-Pfalz werden ca. zwei Drittel des deutschen Weines produziert. Das entspricht in 2012 einer Menge von etwa 6 Millionen Hektolitern. Bei einem Preis von durchschnittlich € 200 pro Hektoliter hat der rheinland-pfälzische Jahresproduktion einen Wert von 1,2 Milliarden Euro. Die durch Wildschweine erwarteten Schäden betragen demnach im größten deutschen Weinanbaugebiet weniger als 0,2 % der Produktion.

Um es etwas zugespitzt zu formulieren: Für eine potentielle Ertragssteigerung von gerade einmal 20 Cent auf 100 Euro müssen in Rheinland-Pfalz jedes Jahr etwa 60.000 Wildschweine sterben – und das unter zum Teil tierschutzwidrigen Bedingungen. Und selbst die 20 Cent Profitsteigerung können nicht einmal annäherungsweise erreicht werden. Denn die Jagd auf Wildschweine ist trotz aller Intensivierungsbemühungen der letzten Jahre vollkommen ineffizient, was auch die Anzahl der erlegten Tiere veranschaulicht: in den 1980er Jahren wurden in Deutschland durch die Jagd pro Jahr bis zu 240.000 Wildschweine (in Rheinland-Pfalz bis zu 25.000) getötet, in der darauffolgenden Dekade bis über 400.000 (RP 40.000) und in den 2000er Jahren wurde erstmals die Marke von 600.000 Tieren (RP 80.000) überschritten – Tendenz weiter steigend.

Mehr Jagd - mehr Wildschweine

Die gefühlte Zunahme der Wildschweinbestände - genaue Bestandszahlen gibt es nicht, Wildschweine lassen sich nicht zählen - hat verschiedene Gründe. Die wohl bedeutendsten sind das Nahrungsangebot und die Jagd selbst. Die Tiere finden leichter Nahrung, weil die Natur möglicherweise aufgrund klimatischer Veränderungen mehr hergibt, weil die landwirtschaftlichen Strukturen reichhaltiges Futter bieten und last but not least, weil Jäger durch ganzjähriges Zufüttern (zu einem großen Teil illegal – aber eben nicht kontrolliert) und das Anfüttern zur Jagd signifikant dazu beitragen. Durch die gute Ernährung wird eine höhere Reproduktion der Wildtiere und eine geringere Sterblichkeit gefördert.

Wildschweine haben untereinander eine starkes Sozialgefüge, welches in einem unbejagten Bestand dafür sorgt, dass es nicht zu unkontrollierter Vermehrung kommt. Genau diese soziale Ordnung aber wird durch die Jagd, wie sie in Deutschland betrieben wird, auf den Kopf gestellt. Eine Langzeitstudie, die 2009 im renommierten Journal of Animal Ecology erschienen ist, kommt zu den Schluss, dass in wenig bejagten Gebieten die Geburtenzahlen der Wildschweine viel geringer sind, als in intensiv bejagten Revieren.

Es gibt Lösungsansätze

„Ich sehe diverse Ansatzpunkte, die Situation zu entschärfen, sowohl aus Sicht der Winzer wie aus der der Jäger und der Tierschützer,“ erläutert Kauertz. Ein Lösungsansatz sei die Änderung der Regelung von Entschädigungsleistungen für betroffene Winzer. Heute werde der Jagdpächter zur Entschädigung herangezogen, auch hier mit der möglichen Konsequenz eines „Totalschadens“. Die Erstattung der Kosten durch einen Wildschadensfond, gespeist mit relativ kleinen Beträgen aus der gesamten Winzerschaft könnte dazu beitragen, den Weinbauern einen wesentlichen Teil des Verlustrisikos zu nehmen und die Jäger aus der Verantwortung dafür zu entlassen.

Ein wesentlicher Gesichtspunkt wäre des Weiteren die Einschränkung der teilweise ganzjährigen Jagd. Ebenso sei das Verbot von häufig tierschutzwidrigen Bewegungsjagden mit Dutzenden von Jägern, Hunden und Treibern erforderlich. Damit wäre auch dem Tierschutz gedient. Insgesamt würden weniger Tiere während der Jagd nur verletzt werden und das Wild in seiner Gesamtheit würde weniger Störungen ausgesetzt. Die durch eine intensive Jagd provozierte Reproduktion könne gebremst werden. Auch auf die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung würde sich eine weniger intensive Jagd möglicherweise positiv auswirken können. Wanderbewegungen werden häufig durch die Jagd verursacht, sei es, dass Tiere auf der Flucht sind oder sei es, dass leergeschossene Reviere neu besetzt werden.

Kauertz ist sich sicher, dass mittelfristig daraus keine Explosion des Wildschweinbestandes resultiere. Die Bestände würden sich vielmehr stabilisieren oder sogar zurückgehen. In Problemzonen, zum Beispiel in den Grüngürteln der Städte, könne man darüber hinaus über Schwarzkittel-Empfängnisverhütung nachdenken. Schließlich seien die EU-zugelassenen Impfstoffe dazu aus der Ferkelzucht vorhanden. Der Vorsitzende des Vereins Wildtierschutz Deutschland sieht auch Vorteile für die Jägerschaft. Erfolgsdruck und Schadenrisiko würden genommen, durch die Verabschiedung von der Jagd als Bestandsregulativ könne dieses Thema nicht mehr am Image der Jäger nagen und eine 8-monatige Jagdruhe steigere schließlich die Vorfreude auf die Jagd im Herbst des Jahres.

Lesen Sie auch:
Rheinland-Pfalz – mehr Jagd, mehr Wildschweine
Empfängnisverhütung bei Wildschweinen


Wildtierschutz Deutschland e.V.

Lovis Kauertz (Vorsitzender)
Am Goldberg 5, 55435 Gau-Algesheim
e-mail: wildtierschutz@gmail.com
www.wildtierschutz-deutschland.de



22.10.12: Wildschweinhetze - Anwalt eingeschaltet

Wildschweine in Rheinland-Pfalz
Tierschutzorganisationen schalten wegen ministerieller „Wildschweinhetze“ Anwaltskanzlei ein

Derzeit ist in allen Zeitungen von einer „Wildschweinschwemme“, gar von einer „Wildschwein-Plage“ zu lesen. Am 18.10.2012 hat die so genannte „Wildschweinproblematik“ in Rheinland-Pfalz auch das SWR-Fernsehen erreicht. Jäger und Landwirte bezeichnen die Wildschweinzunahme als dramatisch und plädieren für eine weitere Verschärfung der Jagd auf Schwarzwild. Insbesondere durch großflächige revierübergreifende Bewegungsjagden und die Aufhebung der Schonzeit – also die Jagd auf Wildschweine das ganze Jahr hindurch, auch während der Aufzucht der Jungen - soll dieser heimischen Wildtierart der Garaus gemacht werden. Auf dieses Szenario stimmt auch das rheinland-pfälzische Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten die Jäger ein, wie jüngst in dem „Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einer Ausbreitung von Tierseuchen für die Jagdjahre 2012/2013 und 2013/2014“ [28 KB] geschehen.
Hiergegen schlagen jedoch zahlreiche Natur- und Tierschutzorganisationen, darunter die international bekannte Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V., Alarm und schalteten einen Rechtsanwalt ein.
Lesen Sie das Schreiben an das Ministerium in Rheinland-Pfalz [68 KB]


Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz

Rechtsanwalt Dominik Storr hat beim verantwortlichen Ministerium Akteneinsicht nach dem Landesumweltinformationsgesetz beantragt. „Die Tierschutzorganisationen wollen wissen, auf welche Informationen sich das Ministerium bei dessen umstrittener Aufforderung zur drastischen Reduzierung der Schwarzwildbestände beruft“, so Rechtsanwalt Dominik Storr, der das Auskunftsersuchen für die Natur- und Tierschützer gestellt hat.

„Wildschweinhetze“ des Ministeriums ignoriert Tierschutz vollends

Die Tierschutzorganisationen werfen dem Ministerium in einem gemeinsamen Schreiben vor, sich bei der „Wildschweinproblematik“ allein von wirtschaftlichen Aspekten und Jagdinteressen leiten zu lassen und dabei den Tierschutz willentlich außen vor zu lassen. Niemand dürfe einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen (§ 1 Tierschutzgesetz). Das gelte selbstverständlich auch für Wildtiere. Gerade bei großflächigen revierübergreifenden Bewegungsjagden und bei Jagden bei Schneelage, zu denen das Ministerium aufrufe, seien die tierschutzrechtlichen Aspekte, die sich stellten, immens und wegen des Tierschutzgesetzes auch zwingend von dem Ministerium zu beachten. Dies zeige auch eine Stellungnahme der "Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz" (TVT), Arbeitskreis Wildtiere und Jagd (AK 6) [51 KB] , welche die tierschutzrechtliche Problematik von Bewegungsjagden bestätige: Großflächige Jagden - gerade im Winter - würden nicht nur zu Verletzungen der Tiere führen, sondern auch die Energiereserven der Tiere aufbrauchen, was zur Zunahme von Wildschäden führe. Zudem bestünde die Gefahr, Bachen von ihrem unselbstständigen Nachwuchs zu trennen. Das könne zum leidvollen Erfrieren der Frischlinge führen. Zudem seien bei Bewegungsjagden tödliche Treffer schwieriger, viele Tiere würden „nur“ angeschossen. Statistiken aus Hessen zeigen, dass bei Drückjagden auf Schwarzwild nur etwa ein Drittel mit Blattschuss erlegt werde, der Rest der Strecke weise Waidwund-, Keulen- oder Laufschüsse auf. In der eingangs erwähnten „Aufforderung“ des Ministeriums spielten jedoch all diese Aspekte überhaupt keine Rolle.

Langzeitstudie zeigt: Je mehr Jagd, desto mehr Wildschweine

„Rheinland-Pfalz möchte auf allen Gebieten modern, fortschrittlich und innovativ sein. Nur bei der Jagd verschließt sich Rheinland-Pfalz wohl willentlich den wissenschaftlichen Fakten“, sagt Harald Hoos von der Initiative „pro jure animalis“, die ihren Sitz in Rheinland-Pfalz hat. Anhand einer im renommierten „Journal of Animal Ecology“ veröffentlichten Langzeitstudie, die auf zahlreiche weitere universitäre Arbeiten und Untersuchungen Bezug nehme, sei es wissenschaftlich erwiesen, dass der hohe Jagddruck hauptverantwortlich für die hohe Wildschweinpopulation ist. Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht werde, desto stärker vermehrten sie sich (Journal of Animal Ecology 2009, 78, 1278-1290).

Zahlen zeigen: Wildschweinjagd in Rheinland-Pfalz ist kontraproduktiv

Lovis Kauertz, Vorsitzender des Vereins „Wildtierschutz Deutschland“, zeigt anhand der offiziellen Zahlen, dass dies auch für Rheinland-Pfalz zutrifft. Die Anzahl der getöteten Wildschweine steige dort im langjährigen Durchschnitt trotz einer Intensivierung der Bejagung kontinuierlich an. Wurden im Jagdjahr 1991/92 noch etwa 20.000 Wildschweine im langjährigen Jahresschnitt zur Strecke gebracht, so sind es 19 Jahre später bereits 55.000 erlegte Tiere - Tendenz steigend, wie das Rekordjahresergebnis von 2008/09 mit über 80.000 erlegten Wildschweinen zeige.

Die Tierschutzorganisationen haben das rheinland-pfälzische Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten aufgefordert, das "Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einer Ausbreitung von Tierseuchen für die Jagdjahre 2012/2013 und 2013/2014" umgehend zurückzunehmen. Andernfalls würden sie sich rechtliche Schritte vorbehalten.


Neustadt, den 22.10.2012


Rechtsanwalt
Dominik Storr
Erlacherstraße 9
97845 Neustadt am Main OT Erlach
Telefon: +49 (0) 9393-99320-3
Telefax: +49 (0) 9393-99320-9
Email: info@buergeranwalt.com
Internetauftritt: www.buergeranwalt.com



Erfolg vor dem Europäischen Gerichtshof:

Großer Erfolg vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte:
„Keine Jagd auf meinem Grundstück!“

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verkündete am 26.6.2012 sein Urteil, dass die Zwangsmitgliedschaft in Jagdgenossenschaften gegen die Menschenrechte verstößt.
Lesen Sie die Pressemitteilung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [141 KB]
Lesen Sie das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (in englischer Sprache)


"Keine Jagd auf meinem Grundstück!"

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat am 26.6.2012 das Urteil im Fall “Herrmann gegen die Bundesrepublik Deutschland” verkündet. In seinem Urteil der Großen Kammer (Beschwerdenummer 9300/07), das rechtskräftig ist, stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte heute mit einer Mehrheit der Stimmen eine Verletzung von Artikel 1 Protokoll Nr. 1 (Schutz des Eigentums) zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) fest.

Das Verfahren betraf die Beschwerde eines Grundstückseigentümers darüber, dass er die Jagd auf seinem Land dulden muss, obwohl er sie aus ethischen Gründen ablehnt.

Der Gerichtshof befand insbesondere, dass diese Verpflichtung Grundstücksbesitzern in Deutschland, die die Jagd ablehnen, eine unverhältnismäßige Belastung auferlegt. Damit folgte der Gerichtshof seinen Schlussfolgerungen in zwei früheren Urteilen, die das Jagdrecht in Frankreich und Luxemburg betrafen.

Der Fall "Herrmann gegen die Bundesrepublik Deutschland" war bereits am 30.11.2011 vor der Großen Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verhandelt worden.

Grundstückseigentümer kann Jagd auf seinem Grundstück nicht mit seinem Gewissen vereinbaren

Rechtsanwalt Günter Herrmann aus Stutensee in Baden-Württemberg ist Eigentümer zweier Waldgrundstücke in Rheinland-Pfalz. Dadurch ist er automatisch Mitglied in einer Jagdgenossenschaft - gegen seinen Willen und ohne Möglichkeit, aus der Jagdgenossenschaft auszutreten. Hiergegen hat er vor den deutschen Verwaltungsgerichten und vor dem Bundesverfassungsgericht erfolglos geklagt, so dass er im Jahr 2007 den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrief. Denn der Tier- und Naturfreund kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, dass Jäger sein Grundstück gegen seinen Willen betreten, um dort Tiere zu töten.

Urteil des Europäischen Gerichtshofsvon 1999 im Falle französischer Kläger: Zwangsmitgliedschaft in Jagdgenossenschaften verstößt gegen Menschenrechte

1999 stellte die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Falle französischer Kläger mit 16:1 Richterstimmen fest, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn Grundstückseigentümer dazu verpflichtet werden, einer Jagdgenossenschaft zwangsweise beizutreten und die Jagd auf ihren Grundstücken zu dulden, obwohl die Jagd ihrer eigenen Überzeugung widerspricht. In unserem Nachbarland Frankreich ist es daher möglich, dass Grundstückseigentümer an der Grundstücksgrenze Schilder aufstellen: "Privateigentum - Jagen verboten".
Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2007 gegen Luxemburg:

Im Jahr 2007 entschied die Kleine Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Falle einer luxemburgischen Klägerin einstimmig mit 7:0 Richterstimmen erneut, dass es Eigentümern kleinerer Grundstücke in einer demokratischen Gesellschaft nicht zugemutet werden kann, die Hobbyjagd auf ihren Grundstücken gegen ihren Willen auszuüben.
Weitere Infos: www.zwangsbejagung-ade.de



2011: Über 40 Tote durch Jäger und Jägerwaffen

Jäger fürchten um ihr Image und spielen Opferzahlen herunter

Die Initiative zur Abschaffung der Jagd hat 2011 über 40 Tote sowie Hunderte Verletzte durch Jäger und Jägerwaffen in Deutschland dokumentiert – aufgrund vorliegender Presseberichte und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Darunter sind klassische Jagdunfälle, bei denen Jäger, Treiber oder Spaziergänger aus Versehen statt eines Wildtiers erschossen werden. Hinzu kommen die Familientragödien und Straftaten mit Jägerwaffen: Gerade in Jägerhaushalten, wo Waffen leicht verfügbar sind, kommt es immer wieder zu tödlichen Familientragödien, wenn ein Jäger seine Frau, die Ex-Frau oder einen Nebenbuhler erschießt. Auch Nachbarn oder Mieter wurden 2011 von Jägern erschossen.

Jäger spielen Opferzahlen herunter

Offizielle Statistiken gibt es nicht – Jäger zählen nur die Zahl der Wildtiere, die sie erschießen.
Und weil in den letzten Wochen und Monaten immer wieder in den Medien über Tote und Verletzte durch Jäger und Jägerwaffen berichtet wurde, spielen der Deutsche Jagdschutzverband sowie die einschlägigen Jägerzeitschriften die Opferzahlen nun herunter:

„Jagdunfälle – Weniger als behauptet“, titelt die Jägerzeitschrift WILD UND HUND Anfang Februar (Ausgabe 3/2012) und schreibt: „Angaben des Statistischen Bundesamtes widerlegen Behauptungen von Jagdgegnern, dass überproportional viele Unfälle auf der Jagd passieren.“

Der Deutsche Jagdschutzverband veröffentlichte eigens eine Pressemitteilung mit dem Titel: „Daten zu Unfallrisiken widerlegen Behauptungen von Jagdgegnern“ (9.12.2011). Darin hießt es: „Die Bundesgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften listet für das Jahr 2010 zwei Tote durch Schusswaffen – bei 350.500 Jagdscheininhabern in Deutschland“.

Alles Jägerlatein! Das Statistische Bundesamt führt gar keine Statistik über Tote und Verletzte durch Jäger und Jägerwaffen – sondern zählt lediglich „tödliche Unfälle mit Feuerwaffen“ (für 2010 werden 11 Tote genannt). In die Rubrik „tödliche Unfälle mit Feuerwaffen“ fällt allerdings höchstens der klassische Jagdunfall, also wenn ein Jäger bei der Jagd einen Jägerkollegen aus Versehen erschießt und es wirklich ein Unfall und keine fahrlässige Tötung war. Fahrlässige Tötung und natürlich alle Familientragödien („Jäger erschießt Ehefrau“) sowie andere Straftaten mit Jägerwaffen („Jäger erschießt Mieter“) fallen nicht in die Rubrik „Unfälle“. Deswegen tauchen diese Fälle auch nicht bei den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften auf, die jedes Jahr immerhin um die 1.000 Verletzte durch Jagdunfälle zählen. Betroffen von den „Unfällen“ sind immer wieder auch unbeteiligte Menschen wie Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer oder Landwirte auf dem Feld, die von Jägerkugeln getroffen und verletzt werden.


Hunderte Menschen starben in den letzten Jahren durch Jäger und Jägerwaffen

Die Initiative zur Abschaffung der Jagd dokumentiert seit 2002 – also inzwischen seit zehn Jahren – Fälle von Toten und Verletzten durch Jäger und Jägerwaffen.
Diese Dokumentation über Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen ist allgemein zugänglich im Internet einzusehen. Jeder kann dort selbst die Zahl der Toten und Verletzten nachzählen. Die Dokumentation wurde aufgrund von Presseberichten erstellt. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.


Beispiele von Jäger-Opfern der letzten Wochen:

„66-jähriger bei Jagd angeschossen“,
meldet die Polizei Borken am 5.2.2012.

„Ehefrau mit Gewehr getötet", titelt die Heilbronner Stimme am 19.01.2012. Demnach muss sich ein 50-jähriger Jäger wegen Totschlags vor dem Landgericht Heilbronn verantworten. Er soll seine Lebensgefährtin erschossen haben, weil sie sich von ihm trennen wollte.

„Eifersuchtsstreit: Jäger schießt versehentlich Ehefrau an", titelt das Nachrichtenportal www.ka-news.de am 10.1.2012.

„Jäger lebensgefährlich angeschossen“, titelt die Augsburger Allgemeine am 5.1.2012.

Jäger erschießt Ehefrau: "Drei Monate nach einem blutigen Ehedrama im Münsterland hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen einen Hobbyjäger erhoben", meldet bild.de am 5.1.2012.


Schusswaffe im Haus erhöht Risiko von Familientragödien

Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts, die sich über einen Zeitraum von 10 Jahren erstreckt, kommt es zu 100 Toten bei Familiendramen jährlich in Deutschland - meist mit legalen Waffen.
Der Kriminologe Dietrich Oberwittler vom Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, der ein Projekt zum Thema Familiendramen leitet, sagte in der Sendung TV Südbaden aktuell vom 8.7.2011: „Denn allein die Tatsache, dass man eine Schusswaffe besitzt, kann dazu führen, dass es dann im Konfliktfall eher mal zu so einer Gewalttat kommt, die vielleicht nicht passiert wäre, wenn es eben keine Waffe gegeben hätte.“

Im Vergleich zu den Vorjahren gab es im Jahr 2011 etwas weniger klassische Jagdunfälle („Jäger erschießt bei der Jagd aus Versehen Jäger/Treiber“), dafür aber umso mehr tödliche Familiendramen mit Jägerwaffen („Jäger erschießt Ehefrau/Ex-Frau“).

Und warum das alles? Weil eine Minderheit von 0,4 Prozent der Bevölkerung ein blutiges Hobby hat und gerne schwer bewaffnet durch die Natur läuft und wild lebende Tiere tot schießt. In Jagdzeitschriften und auf Jägertagungen geben die Hobbyjäger die „Freude am Beutemachen“ und ihre „Lust am Töten“ offen zu. Dagegen weisen namhafte Wissenschaftler, Biologen und Ökologen seit Jahren auf den Widersinn der Jagd hin.

Lesen Sie hierzu die Fakten



Zählen Sie selbst:

Über 40 Tote durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen im Jahr 2011

Jäger erschießt Mieter (fuldainfo.de, 5.12.2011) – Nach Ermittlungen der Polizei Bad Hersfeld war der Jäger stark alkoholisiert und der Mieter mit der Miete im Rückstand.
(1 Toter)

Mieter und Partnerin mit Schrotgewehr erschossen (nachrichten.t-online.de,5.12.2012). Demnach kam es in Völklingen (Saarland) zwischen einem Vermieter und seinen Mietern zu einem Streit um Miete und Nebenkosten. Daraufhin nahm der 81-jährige Vermieter sein Schrotgewehr und erschoss seine Mieter, einen 35-jährigen Mann und dessen 49-jährige Partnerin - vor den Augen der beiden Kinder (neun und zehn Jahre alt).
(2 Tote)

40-Jähriger von Jäger erschossen (Leipziger Volkszeitung, 26.11.2011) Ein 40-jähriger Mann, der am Samstagvormittag mit seinem Hund unterwegs war, wurde bei einem Jagdunfall tödlich verletzt.
(1 Toter)

77-jähriger Jäger erschießt Ehefrau und sich selbst (Online-Ausgabe der Rheinischen Post,2.11.2011). Demnach hat ein 77-jähriger Jäger vor einer Jagdhütte im Teutoburger Wald seine Ehefrau, zwei Jagdhunde und sich selbst erschossen.
(2 Tote)

Mutter mit Jagdgewehr erschossen (NDR, 2.11.2011) Ein 40-jähriger Mann steht wegen Mordes an seiner Mutter vor dem Osnabrücker Landgericht. Dies berichtet der. "Er gab zu, seine Mutter mit dem Jagdgewehr seines verstorbenen Vaters erschossen zu haben", so der NDR.
(1 Tote)

Frau bedroht und sich selbst erschossen (Generalanzeiger Bonn, 25.10.2011) - Großeinsatz für das SEK in Niederdollendorf
(1 Toter)

Jäger stürzt und erschießt sich selbst (Kölner Express,20.10.2011) "Der Jäger war mit seiner Frau Annett in seinem Revier unterwegs. Während er mit seinem Hund auf die Pirsch ging, wollte sie Pilze sammeln. Doch plötzlich hallte ein Schuss durch den Wald."
(1 Toter)

Jäger auf Polizeistation: "Ich habe gerade meine Frau erschossen" (Polizei Münster, 11.10.2011) Ein Jäger geht morgens kurz vor 7 Uhr mit seinem Gewehr zur Polizei, legt die Jagdbüchse auf den Tresen und teilt den Polizeibeamten mit: "Ich habe gerade meine Frau erschossen". "Für die 49-jährige Ehefrau kam jede Hilfe zu spät", melden die Staatsanwaltschaft und die Polizei Münster in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
(1 Tote)

Beziehungsdrama mit zwei Toten (nordbayern.de, 10.10.2011) „Vermutlich aus Eifersucht hat ein Rentner seine Ehefrau und deren neuen Lebenspartner erschossen. Dann versuchte er, sich selbst zu töten.“ Der mutmaßliche Täter schwebt noch in Lebensgefahr.
(2 Tote)

„Fangschuss“ für Ehefrau (Thüringer Allgemeine, 8.10.2011) Prozess um die »Bluttat von Wiehe«: Im April hatte ein 63-jähriger Jäger nach einem Streit seine 61-jährige Ex-Frau mit einem Revolver zunächst in die Schulter und dann aus kurzer Distanz in den Kopf geschossen. »Ich denke, dass ich wie ein Jäger gehandelt habe«, sagte der Angeklagte vor Gericht dazu aus. »Der Jäger und Schützenbruder interpretierte den zweiten Revolverschuss als sogenannten `Fangschuss´. Ein aufgesetzter Schuss sei es nicht gewesen«, so die Zeitung.  
(1 Tote)

63-jähriger Jäger erschießt seine Ex-Frau (dpa 14.9.2011) „Der Jäger soll nach einem Streit mit seiner geschiedenen Frau einen Revolver aus seinem Waffenschrank geholt und ihr zunächst in die linke Schulter geschossen haben. Danach habe er die schwer verletzte 61-Jährige geohrfeigt und ihr aus kurzer Distanz in den Kopf geschossen.“ Der Jäger sei stark betrunken gewesen.
(1 Tote)

»Lebensgefährtin mit Jagdgewehr erschossen« (BILD, 1.8.2011) Laut Polizei habe ein Jäger am 29.7.2011 in Lauffen (Kreis Heilbronn) seine 46-jährige Frau mit seinem Jagdgewehr in die Brust geschossen - wohl, weil sie sich von ihm trennen wollte.
(1 Tote)

Ehefrau und sich selbst erschossen (Volksfreund, 17.7.2011) Ein 72-Jähriger erschoss im Westerwald zuerst seine 69-jährige Ehefrau und dann sich selbst erschossen.
(2 Tote)

Jäger erschießt 16-jährigen Einbrecher (Weser-Kurier,14.7.2011) Eine Gruppe von Jugendlichen wollte bei dem Rentner Geld und Wertgegenstände klauen und löste die Alarmanlage aus. Der Jäger erschoss einen flüchtenden 16-Jährigen. "Gegen den Rentner, der als Jäger über mehrere Waffen verfügt, wird wegen Totschlagverdachts ermittelt."
(1 Toter)

Erst Ehefrau erschossen, dann Waffe gegen sich selbst gerichtet (Schwäbische Zeitung, 8.07.2011) Ein 90 Jahre alter Rentner hat im Schwarzwald seine 86 Jahre alte Frau erschossen. Anschließend richtete er die Waffe gegen sich selbst und wurde lebensgefährlich verletzt.
(1 Tote)

"Mann stirbt bei Jagd-Unfall" (bild.de, 15.6.2011). Der Jäger hat sich aus Versehen selbst erschossen: "Wie die örtliche Polizei mitteilte, hatte ein 68-jähriger Mann zunächst ein Reh erlegt", so newsburger.de am 15.6.2011. Als der Jäger nach dem erschossenen Reh sehen wollte, sei er offenbar so unglücklich gestürzt, dass sich dabei ein Schuss aus seinem Gewehr löste.
(1 Toter)

Jäger erschoss Frau und sich selbst (WELT online am 9.6.2011) "Millionär tötet seine Frau und richtet sich selbst", titelte WELT online am 9.6.2011. Zwei Tage später, am 11.6.2011, meldete az-web.de: "Als Jäger habe der Mann auch die Berechtigung gehabt, über Waffen zu verfügen."
(2 Tote)

Jäger erschießt Nachbarn (bild.de, 23.5.2011) Ein 64-Jähriger ist im niedersächsischen Emlichheim von seinem Nachbarn erschossen worden. Nach einem kurzen Streitgespräch habe der Mann eine Pistole gezogen und einen Schuss auf das Opfer abgegeben. Der mutmaßliche Täter sei Polizeiangaben zufolge Jäger.
(1 Toter)

Familiendrama mit drei Toten (stern.de, 20.5.2011). Die Polizei vermutet, dass ein 85-jähriger Mann in Kassel erst seine 84-jährige Ehefrau und die 55-jährigen Tochter und dann sich selbst erschossen hat.
(3 Tote)

"Mann gesteht tödliche Schüsse auf Ex-Frau" (bild.de, 9.5.2011) Der 39-Jährige habe zugegeben, seine Ex-Frau in Bad Arolsen erschossen zu haben - in ihrer Garageneinfahrt.
(1 Tote)

Ehefrau und sich selbst erschossen (Augsburger Allgemeine, 20.4.2011) "Nach Informationen der Polizei hat der 64-jährige Ehemann seine 51-jährige Frau im Bett erschossen und sich dann selbst mit der Waffe gerichtet", so die Zeitung. Bei der verwendeten Tatwaffe habe es sich um einen Revolver, Kaliber 38 gehandelt, den der Mann legal in seinem Besitz hatte.
(2 Tote)

Jäger erschießt sich selbst (Aachener Zeitung, 6.4.2011) Der ehemalige Vorsitzende der Kreisjägerschaft Aachen hat sich auf einem Hochsitz bei der Jagd erschossen. Wenige Tage zuvor habe sich der Jäger bei der Aachener Polizei wegen Veruntreuung selbst angezeigt.
(1 Toter)

Jäger erschießt Ex-Frau (dpa, 4.4.2011) Im Streit holte ein 63-jähriger Jäger aus Thüringen seinen Revolver aus dem Waffenschrank und schoss mehrmals auf seine 61-jährige Ex-Frau.
(1 Tote)

3 Tote auf Jäger-Schießplatz (MDR, 4.3.2011) Ein 28-Jähriger hat auf einem Schießplatz der Jägerschaft Genthin erst drei Menschen erschossen und dann sich selbst auf der Flucht mit einem Kopfschutz selbst gerichtet. Der Schießplatz der Jäger sei gut umzäunt, ohne Schlüssel komme hier niemand herein, berichtet die Märkische Allgemeine am 05.03.2011.
Bei den Opfern handelte es sich um 25-jährigen Jagdschüler (25) aus der Stadt Brandenburg, dessen Mutter (44) und den Schießplatzwart (62). "Wie die Polizei mitteilte, hatten die 44-Jährige und ihr 25 Jahre alter Sohn den Schießstand der Jägerschaft oft für ihr Training genutzt.“
(3 Tote)

Jäger erschießt Mutter und sich (dpa, 9.2.2011). In der Nähe von Ingolstadt hat ein 53-jähriger Sohn seine 83-jährige Mutter mit einer Pistole erschossen, anschließnd erschoss er sich selbst. "Für die Pistole besaß der 53-Jährige die waffenrechtliche Erlaubnis. Wie es hieß, war er Jäger".
(2 Tote)

„Klassischer“ Jagdunfall: Jäger stürzt von Hochsitz (Trierischer Volksfreund, 26.1.11) "Ein 84-jähriger Jäger ist in einem Waldstück der Gemeinde Merschbach von einem Hochsitz gestürzt und hat sich dabei tödlich verletzt." Es läge kein Fremdverschulden vor.
(1 Toter)

84-jähriger Jäger erschießt Ehefrau und sich selbst (Rhein-Zeitung, 12.1.2011) Ehedrama im Kreis Bad Kreuznach: Ein 84 Jahre alter Jäger erschoss mit einem 38er-Revolver zunächst seine 71-jährige Frau und dann sich selbst. "Der Jäger hatte den Revolver, mit dem er sich und seine Frau erschoss, legal besessen."
(2 Tote)

61-jähriger Jäger erschießt Ehefrau und sich selbst (bild.de am 3.1.2011) Ein 61-jähriger Zahnarzt und Jäger hat erst seine zwei Jahre jüngere Frau erschossen und dann sich selbst. "Der passionierte Jäger und Waffenbesitzer war noch am Sonntag lebend gesehen worden und am Montag nicht zur Arbeit in seiner Praxis erschienen".
(2 Tote)

Die Dokumentation wurde aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.