Am Mittwoch, den 12.2.2014, abends ist unser elfjähriger Hovawardrüde ausgebüxt (läufige Hündinnen). Am Sonntagnachmittag (nach vier Tagen und vier Nächten) wurde der Rüde völlig apathisch und dehydriert an der Kreisstraße in der Nähe unseres Hofes auf dem Grünstreifen aufgefunden. Der Rüde war vollkommen bewegungsunfähig. Wie er dort hingekommen ist, bleibt völlig unklar. Er hat sich eine lebensgefährliche Knochen- und Gelenkverletzung am linken Vorderlauf zugezogen. Auch nach Meinung der Tierärzte stammt diese mit größter Wahrscheinlichkeit von einer Schlagfalle. Andere Ursachen wären hypothetisch denkbar, aber nicht plausibel aufgrund des Befundes und der Sachlage.



 



 



Diese tierquälerische Sitte des Fallenstellens, die immer noch gegen Füchse, Marder und ähnliche Wildtiere eingesetzt wird auf den Dörfern und für große Tiere und Kinder gleichermaßen zugänglich und gefährlich ist, ist äußerst verantwortungslos und gefährlich dazu. Tiere, die darin geraten, verrecken auf übelste Weise oder werden erschlagen - und nur die wenigsten Fälle werden bekannt.
Es ist nicht meine Absicht, pauschal Jäger zu verunglimpfen. Fälle wie dieser sollten aber schon zum Anlass genommen werden, äußerst kritisch über die heute übliche Form des Jagens zu berichten, ob diese nun von jagdberechtigten oder anderen Personen ausgeführt wird.
Insbesondere hege ich persönlich inzwischen eine tiefe Abscheu gegen die Jagd auf Prädatoren (Beutegreifer) jeder Art, da diese immer noch von Jägern für das Wildsterben, Seuchen und die Notwendigkeit der Jagd im Allgemeinen verantwortlich gemacht wird, wo die Gründe doch eher in einer immer rücksichtsloseren Landbewirtschaftung, mangelnden Rückzugsräumen und erheblichen Einträgen und Emissionen von Industrie, Verkehr und Besiedlung liegen.

Daher halte ich die Einrichtung der Zwangsbejagung und deren Beibehaltung für eine unkluge Klientelpolitik, die einen Dialogprozess von Gegnern und Befürwortern der Jagd nahezu unmöglich macht. Auch heute schon gibt es unter Jägern vorbildliche Reformkräfte; leider sind sie jedoch noch eine Ausnahme ohne Meinungs- und Richtlinienkompetenz. Die Einrichtung von Schutzräumen und Inseln für Tiere halte ich für dringend geboten, da wie unser Fall zeigt, allerorten auf Tiere Jagd gemacht wird. Auch Tiere haben ein Recht auf Frieden und Räume, in denen die Natur ohne kulturelle Einflüsse wie z.B. die Jagd lebt. Und das auch außerhalb der wenigen großen Naturschutzgebiete in Deutschland. Der Mythos von Hege und Pflege, den die Jägerschaft sich so gerne zu eigen macht - wo gibt es das in der Realität? Ob und wie die Jägerschaft einen zeitgemäßen Zugang zu diesen hehren Zielen findet, daran wird sich zeigen, ob und inwiefern diese Jagd noch eine Berechtigung hat in der heutigen Zeit.

Die Zwangsbejagung der Grundstücke gehört in die ewigen Jagdgründe und ist Zeichen für die Anmaßung und Hybris derjenigen, die auf allen Grundstücken über Leben und Tod der Mitgeschöpfe entscheiden wollen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Jägerschaft endlich um substanzielle Maßnahmen und Reformen bemüht anstatt PR-wirksam mit aufgeblähten Einzelprojekten (Insektenhotels, Kompensationsblühstreifen, Kinderaktionen etc.), die zwar die Öffentlichkeit und Medien einlullen, aber nur einen marginalen Einfluss auf die komplexen Lebensräume haben, die notwendig wären, um natürliche Gleichgewichte herzustellen.

Johann Meyer
49637 Herbergen




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