Wildverbiss durch Rehe?! 



Wenn die Jäger ihr blutiges Hobby in der Öffentlichkeit rechtfertigen möchten, malen sie Schreckensszenarien von Waldschäden durch „Wildverbiss“.
In letzter Zeit macht die Forstlobby von sich reden - und fordert so hohe Abschüsse, dass es selbst den Jägern graut. Doch sind des wirklich die Wildtiere, die den deutschen Wald gefährden?


Anfang 5. Mai 2010 wurde in Berlin ein Gutachten über "Ökologische und ökonomische Schäden durch Wildtiere" vorgestellt. Urheber dieses Gutachtens sind das Bundesamt für Naturschutz, der Deutsche Forstwirtschaftsrat und die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft. In dem Gutachten heißt es,
der Wildverbiss behindere großflächig die Anlage von naturnahen Mischwäldern und den Umbau herkömmlicher Forsten, der wegen des Klimawandels besonders dringlich sei.
Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats, Georg Schirmbeck, sagte bei der Vorstellung des Gutachtens in Berlin: „Mit dem Verlust von Mischbaumarten durch Wildverbiss entsteht ein an Baumarten ärmerer Wald, der das ökonomische Risiko für den Waldbesitzer deutlich erhöht.“
Und alle drei Organisationen forderten: Der Grundsatz „Wald vor Wild“ müsse dringend auf der Fläche umgesetzt werden.




Eine „naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung“ ist zwar in aller „Förster Munde“, doch die Realität sieht anders aus!



"Naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung“?! 



Peter Wohlleben : "Wald ohne Hüter"
Im Würgegriff von Jagdinteressen und Forstwirtschaft

Ein Förster erzählt:
„Einer der letzten Urwaldriesen fällt rauschend zu Boden. Mit ihm verschwinden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Schachbrettartige Plantagen mit fremden Baumarten beanspruchen plötzlich tausende von Quadratkilometern. Das Holz wird von Großmaschinen geerntet, deren Reifen verwüsteten Boden hinterlassen. Insekten, die in diesen tristen Monokulturen siedeln, werden mit der Giftspritze bekämpft. Sie glauben, wir sprechen über Urwaldvernichtung in der Dritten Welt? Nein, wir sprechen von Deutschland.“


In „Wald ohne Hüter“ berichtet der Autor Peter Wohlleben sachkundig und fundiert vom Verschwinden der heimischen Urwälder, dem Zusammenspiel von Wald, Wild und Wetter und der unheilvollen Rolle, die Jagdinteressen und Forstwirtschaft dabei spielen. Mit viel Courage benennt er Ross und Reiter einer erschreckenden Misswirtschaft, die im Namen des Bürgers und Steuerzahlers ausgeübt wird, und die angesichts des vielleicht drohenden Klimawandel umso brisanter wird. Doch den Förster haben Optimismus und Humor noch nicht verlassen. „Noch nie gab es für den Einzelnen so viele Möglichkeiten, politische Prozesse zu beeinflussen wie heute. Grund zur Besorgnis gibt es nur dann, wenn diese Möglichkeiten nicht genutzt werden“.

Das Buch “Wald ohne Hüter” wurde – und das ist bemerkenswert – von einem jungen Forstingenieur geschrieben, der in seinem öffentlichen Wald nicht mehr mit ansehen wollte, was die so genannte „ordnungsgemäße Forstwirtschaft“ dem Buchenwald im Namen aller (Steuer-) Bürger antut.

Sprechen wir über Buchenwälder in Deutschland, sprechen wir also vor allem über Wälder im Eigentum der öffentlichen Hand, das sind der Bund, die Bundesländer, die Kommunen und die Kirchen. Sie zusammen besitzen und bewirtschaften ca. 70 % aller verbliebenen Buchenwälder. Sie sollten darum an erster Stelle ihr öffentlicher Hüter und Treuhänder sein, denn der Buchenwald nimmt nur noch max. 15 % der deutschen Waldfläche ein. 15 % der Waldfläche entsprechen aber weniger als 5 % seiner ursprünglichen Verbreitung im kontinentalen Zentrum des europäischen Buchenwaldareals. Das (einstmals) Landschaftsprägende Biotop Kontinentaleuropas ist also auf einen kümmerlichen Rest zusammengeschrumpft – trotz allseits gelobter forstlicher Nachhaltigkeit im Geburtsland dieses Begriffes, nämlich in Deutschland!
"Die spannende und hochaktuelle Geschichte über die Krise der Urwälder im 'Entwicklungsland' Deutschland ist wärmstens zu empfehlen." (Martin Kaiser, Greenpeace)



Peter Wohlleben: "Wald ohne Hüter" - Im Würgegriff von Jagdinteressen und Forstwirtschaft (2007)
ca. 140 Seiten
Preis ca. 12,90 €
ISBN: 978-3-940461-01-8


Für die Forstwirtschaft zählt der Profit "Schachbrettartige Plantagen mit fremden Baumarten beanspruchen tausende von Quadratkilometern."



Das Holz wird von Großmaschinen geerntet, deren Reifen verwüsteten Boden hinterlassen."



"Insekten, die in diesen tristen Monokulturen siedeln, werden mit der Giftspritze bekämpft."



Für das Verschwinden der Urwälder in Deutschland sind nicht die Wildtiere veranwortlich - sondern die Jagdinteressen und die Interessen der Forstwirtschaft.



Am Ende steht der Holzacker, der den Massenrohstoff Holz produziert und der längst Realität in unseren Buchenwäldern geworden ist.