Rings umher die Welt ist anders -
Bambi sieht´s und wundert sich -
Kalter Wind weht in den Nächten,
mählich wird es winterlich.

Blätter fallen von den Bäumen
und die Zweige ragen steif,
Nebelschleier steigen morgens,
auf der Wiese liegt der Reif.

Ja, verändert ist die Umwelt
und das Leben wird jetzt schwer,
Blätter, Gräser sind verschwunden -
manchmal hungert Bambi sehr.

Bittre Kälte lernt er kennen
und vom Himmel fällt der Schnee.
Weißbedeckt sind alle Fluren -
mühevoll nährt sich das Reh.

Doch der schlimmste Winterschrecken
ist nicht Hunger, ist nicht Schnee,
sondern Menschen sind´s, die bringen
in den Wald das große Weh.

Viele Jäger mit Gewehren
rings den ganzen Wald umstellen,
dringen ein von allen Seiten,
johlen laut und Hunde bellen.

Rehe, Hirsche, Hasen, Vögel,
alle flüchten voll Entsetzen,
während rings die Jägersmänner
sie mit lauten Rufen hetzen.

Bambi zittert und er taumelt,
voller Ängste pocht sein Herz;
manches Tier in seiner Nähe
bricht zusammen, schreit vor Schmerz.

»Bleib nicht stehen!«, ruft die Mutter,
»Bambi, lauf, entflieh der Not!
Acht auf niemand, selbst auf mich nicht,
du entrinnst nur so dem Tod!«

Schon am nächsten Tag sieht Bambi,
dass der Jäger bringt Verderben,
denn er trägt bei sich die Flinte
aus der Flinte kommt das Sterben.

Feuer sprühet aus dem Rohre,
krachend dröhnt der Donnerknall,
und aus allen Waldesecken
tönt erschreckter Widerhall.

Bambi duckt sich voll Entsetzen
zwischen grünen Haselzweigen;
allenthalben flüchten Rehe,
und im Walde herrschet Schweigen.

Hase stiebt verstört von dannen,
Vögel flattern in die Luft.
Bambi wittert, und da spürt er
einen scharfen Pulverduft.

Auf der Wiese, nah bei Bambi,
liegt ein Rehbock - wund und tot...
Hat des Mahnrufs nicht geachtet...
Färbt die Gräser blutigrot...




aus: Das Bambi-Bilderbuch
mit Versen von Ursula v. Wiese und
Federzeichnungen von Hans Bertle,
Albert Müller Verlag, Zürich, 1942