TUN appelliert: Lasst sie leben!

Sing- und Zugvögel können nicht erahnen, was Ihnen auf dem Weg ins südliche Winterquartier bevorsteht: Fast zwei Millionen (!) italienische Vogeljäger erwarten sie bereits. Italien ist das einzige Land dieser Erde, das die Vögel in raffinierten Vogel-Großfanganlagen (roccolo, Pl. roccoli) fängt, sie mittels aus Tarnhütten abgefeuerten Schrotschüssen (es gibt sogar Schrotkanonen) zerfetzt oder mit vielen anderen ausgeklügelten Methoden zerquetscht, verstümmelt oder sonst wie grausam quält bzw. mordet.




Zeisig in Vogelfanganlage

Warum tun diese Leute so etwas?

Auf alle Fälle kaum zum Essen – ein weit verbreiteter Irrtum! Die wenigen Lokale, die noch Polenta osei bzw. Polenta con uccelli (Maisbrei mit Vögeln) anbieten, sind kaum noch zu finden, weil in der Bevölkerung ein Umdenken stattgefunden hat. Auch italienische Metzger wagen es heutzutage nicht mehr, Vögel offen anzubieten – wir haben dazu beigetragen.





Was soll es sonst an Gründen für Vogeljagd geben?

Die Vogeljäger rechtfertigen ihr Tun mit Begriffen wie „Sport“, „Hobby“ und „Tradition“. Für die toten Tiere gibt es Pokale (Tages-, Wochen-, Monats-, Saison- und Artensieger) und andere Auszeichnungen!
Betrachten wir das Foto (rechts) mit dem beigen Turm einmal näher. Es handelt sich hier um einen Jagdturm, den Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII. als junger Mann zum Fang von Vögeln benutzte! Dieser Jagdturm („casello“) steht mitten in der von uns so genannten Fanganlage auf dem „Papst-Berg“. Im Erdgeschoß bewahren die Fänger nach der Jagd ihre unglaublich teure „Lockvogelbatterie“auf, im 1. Stock befindet sich die „Küche“ (wo man selten bis nie Vögel grillt). Im 2. Stock ist der eigentliche „Aktionsraum“. Haben sich nach Meinung der Vogelfänger genügend angelockte Vögel auf der vor und unter ihm liegenden Bodenfläche niedergelassen, wirft er in schneller Folge tischtennisschlägerartige Holzgriffe in schneller Folge hinunter und jagt dadurch fast den kompletten Vogelschwarm in die speziellen Netze.
Die Vogeljäger, meist gläubige Katholiken, haben keinerlei schlechtes Gewissen. Wenn der Papst schon (und natürlich auch Pfarrer) Vögel jagt, kann dies nichts Schlechtes sein, argumentieren sie.
In einer Fanganlage entdeckte TUN sogar die Anrufung des hl. Franziskus:
„Heiliger Franziskus, Du bist der Schutzpatron auch aller Vögel. Bitte hilf uns, dass wir heute eine reiche ‚Ernte’ haben!“




Jagdturm des Papst-Roccolo

So darf es nicht weitergehen!

Die empfindlichste und fast einzige Stelle, die man bei den Vogeljägern treffen kann, sind die unglaublich teuren Lockvögel, die ahnungslos ihre Artgenossen ins Verderben locken. TUN gibt diese gequälten Kreaturen der Natur zurück – oft unter Einsatz des Lebens. Eine Fanganlage ist ohne Lockvögel unbrauchbar! Solange unsere finanziellen und physischen Mittel dies Expeditionen und Aktionen erlauben, werden wir diese jeweils an Ort und Stelle weiterführen. Helft alle mit, ob aktiv oder passiv!




Lockvogel-Batterie

Tarnhüttenjagd

Roncalli (später Johannes XXIII.) frönte auch der Vogeljagd mittels einer gut getarnten Schießhütte. Von seinem Geburtshaus hatte er es nicht weit: am damaligen kleinen Sportplatz vorbei ins Maisfeld. Gegenüber der Schießhütte befindet sich eine präparierte Baumgruppe – mit Querstangen und Lockvögeln! In Italien sind zehntausende aktive Schießhütten aufgebaut!
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass einer der Papst-Brüder auch noch in Ausübung der Jagd gestorben sein soll.




Schießhütte Campanno von Papst Roncalli

Vogel-Großfangnetzanlage Roccolo

Wie funktioniert eigentlich – kurzgefasst - eine Vogel-Großfangnetzanlage (Roccolo)?

Man stelle sich ein golfplatzgroßes Rondell aus natürlichem Grün (oft Hainbuchen) vor. Der Kreis besteht aus einem grünen Doppelrand, versehen mit zahlreichen „Fenstern“. Am Doppelrand von oben Mitte bis unten-außen (also schräg) sind die speziellen Vogelfangnetze gespannt. Überall tirilieren Lockvögel (unglaublich teuer!). Nachdem der Vogelschwarm angelockt ist und sich im Innern des Roccolo niedergelassen hat, erschreckt der Jäger den Schwarm mittels tennisschlägerartiger Gebilde („Spauracchi“), die er in schneller Folge hinunterwirft und gleichzeitig laute Greifvogelschreie imitiert. In panischer Angst flüchten die Vögel nach außen ins vermeintlich rettende Grün bzw. durch die „Fenster“ – und zappeln hilflos im Netz, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Für den Roccolo-Vogeljäger prägten die italienischen Jäger sogar einen eigenen Ausdruck: Roccolatore.
Besonderheiten beim gut ausgestatteten „Papst-Roccolo“. Auf der gegenüberliegenden Seite des „klassischen“ Roccolo befindet sich zusätzlich eine aktive „Brescianella“. Nicht durch Spauracchi jagt man hier die Vögel ins Netz, sondern durch klappernde Dosen und Rasseln, die an einem langen Seil aufgereiht sind und unsichtbar in einer Bodengrube lagern, bevor sie der Vogelfänger im Jagdturm durch kräftiges Ziehen am Seilende aktiviert und so einen infernalischen Lärm erzeugt, der die gehetzten Tiere dadurch in die Fangnetze treibt.
TUN entdeckte kürzlich in der „Papst-Fanganlage“ sogar noch eine Schießhütte, die mitten in einem der zahlreichen Labyrinth-Gänge platziert ist!




Roccolo

Was kann man/frau tun?

- Spenden Sie Organisationen, die nachweislich aktiv etwas getan haben. Nur hier können Sie sicher sein, dass Ihre Spende auch wirklich für eine wirksame Singvogelrettung verwendet wird.

- Werden Sie Förderer oder Mitglied in einer Organisation, der Sie Ihr Vertrauen schenken. TUN z.B. ist ein seriöser und eingetragener Verein – staatlich als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. TUN wird den Vögeln so lange helfen, wie es die finanziellen und physischen Mittel erlauben.

- Reisen Sie selbst mal mit TUN in die Vogelfanggebiete Italiens. Hier können Sie mit eigenen Augen erleben, welches Unrecht hier geschieht. Alter spielt keine Rolle; die Expeditionen finden jeweils im Frühjahr und insbesondere im Herbst statt.

- Helfen Sie bei Informationsständen gegen den Vogelmord (Unterschriftslisten, Aufklärungsmaterial, usw.). TUN hilft Ihnen mit Rat und Tat dabei!

© Hans-Jürgen Lutz / TUN e.V.


TUN - Tier- und Naturschutz e.V. ist die älteste Tierrechtsorganisation Europas. Ursprünglich bekannt geworden durch effektive Einsätze gegen den anachronistischen Vogelmord in Italien und Belgien, bearbeitet TUN heute quasi sämtliche relevanten Bereiche des Tier-, Natur- und Umweltschutzes, der Tierrechte, Ernährung, Sicherheit, Politik, usw.
Dies geschieht ausnahmslos ehrenamtlich durch Aufklärung, Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit u.ä.
TUN - Tier- und Naturschutz e.V.
Postfach 1420
D-65764 Kelkheim

Aktuelle Meldungen bei http://www.eco-news.de
Spenden- und Zuwendungs-Konto:
Postbank Frankfurt a.M. (Ffm.), Konto-Nr.: 500 09-602; Bankleitzahl (BLZ): 500 100 60.




Singdrossel wird von Vogelschützern befreit

Fanganlage des Papstroccolo 



Fangnetz im Roccolo 



Roccologang 



Lockvogel 



Vogeljäger 



Von TUN befreite Amsel