Die angebliche „Hege“ und „Populationskontrolle“ der Jäger ist in Wirklichkeit Selektionstötung.

Es gab Zeiten in der Menschheitsgeschichte, in denen man glaubte, auf die gleiche Art und Weise Bevölkerungspolitik machen zu müssen. Heute käme niemand mehr auf den Gedanken, die Regulation der weltweiten Bevölkerungsexplosion durch Abschlachten "überzähliger" oder "kranker Stücke" herbeizuführen.

Trotz Bejagung kommt es bekanntlich in ganz Deutschland angeblich zu einer Überpopulation von Wildschweinen. Ursache ist die unkontrollierte Fütterungen, die ausschließlich durch Jäger stattfindet. Diese sind demnach für die Populationszunahme ursächlich verantwortlich.
Zu den gebetsmühlenartig wiederholten Widersprüchlichkeiten der Jägerlobby gehört die Behauptung, bestimmte Tiere müssten abgeknallt werden, damit andere leben können. Damit wird beispielsweise auch das Abknallen von Haustieren begründet. In Wahrheit werden diese nur abgeknallt, weil der Jäger die Tiere, die den Haustieren angeblich zum Opfer fallen, selbst abknallen will. So verwundert es nicht, dass einige Jäger scheinheilig von Gefährdung der Rehkitze durch Hunde sprechen, während andere eine Gefahr durch eben diese Rehe für die Bäume an die Wand malen...



Hege ist Selektionsmord

Braunes Gedankengut im deutschen Jagdrecht?


Ein weit verbreitetes Argument für die Notwendigkeit der Jagd ist die Aussage: »Aber die Jäger hegen doch die Tiere und die Natur...«.

Der Hegebegriff wird in der Bevölkerung bis heute verkannt - meint man doch landläufig, »Hege« bedeute »füttern und aufpäppeln« von Tieren. Die Wahrheit ist: Hege bedeutet »die paar, die ich will, hege ich - die anderen schieße ich«. Hege ist Mord an Tieren, die das Hegeziel nicht erreichen. Hege ist Selektionsmord. Mehr als 1 Million Rehe werden jedes Jahr durch Jägerhand erschossen. »Ein wichtiger Grund hierfür ist sicherlich der seit Reichsjägermeister Göring verbreitete Kult um die Trophäen (dt. Siegeszeichen), die noch immer auf so genannten Trophäenschauen bewertet und prämiert werden.« (Dag Frommhold: Informationen zur Jagd - Fakten und Hintergründe) Bis heute gilt: Die Tiere, die das »Hegeziel« nicht erreichen, werden schnellstmöglich aus der Wildbahn entnommen. Zum Hegeziel zählen z.B. bei Damhirschen »gute Geweihauslage; möglichst dicke Schaufeln; kräftige Mittelsprossen; viele gut ausgebildete Enden am oberen, hinteren Schaufelrand«. Zum Hegeabschuss führen »wenig Geweihauslage; körperlich schwache Spießer mit nur angedeuteter Verdickung der Rosen und Knieper; schwache Stangen; geringe Aug- und Mittelsprossen« (Unsere Jagd 9/2001).



Aus: Unsere Jagd 9/2001 



So sieht die Hege der Jäger aus 



Trophäengier

Für den einzelnen Jäger bedeute die Trophäe zunächst einmal »eine schöne Erinnerung«: »An ein unvergessliches Jagderlebnis, vielleicht an die Stimmung der Morgendämmerung in der Natur oder vielleicht daran, wie lange besagter Rehbock den Jäger an der Nase herumgeführt hat...« (Jagd online).
Die Freude am Töten unschuldiger Kreatur als Triebfeder ist offensichtlich.

Die Leiterin der Forschungsstelle für Jagdkultur der Universität Bamberg, Frau Dr. Dr. Sigrid Schwenk bedauerte in einer Radiosendung des Bayerischen Rundfunks das schlechte Ansehen, das die Jäger in der Gesellschaft genießen. »Das Verhältnis der Menschen zum Tod sei heute ebenso gestört wie das zur Natur und zu Waffen, es gäbe „einen seltsamen Hang zum Romantizismus".« (Main-Post, 21.08.01)
Wird hier die Enttabuisierung des Tötens gefordert? Während die zunehmende Gewalt- und Schussbereitschaft mehr und mehr zum gesellschaftlichen Problem wird und Erzieher und Eltern bemüht sind, der heranwachsenden Generation eine Achtung vor dem Leben zu vermitteln, beklagt die Jagdkulturprofessorin diesen »seltsamen Hang zum Romantizismus«, der mit dem Jägerhandwerk offenbar nicht zu vereinbaren ist.

Vor etwa 60 Jahren wollte Reichsjägermeister Göring »den triebhaften Neigungen des wehrhaften deutschen Mannes« Folge leisten (im Gründungsdekret des Instituts für Jagdkunde der Universität Göttingen 1936). Braune Erinnerungen und rechtsradikale Tendenzen scheinen bei manchen Jägern auch heute noch durchzuschlagen, wie man kürzlich auf einem Jägerstand feststellen konnte (siehe Fotos).

Wann hat die blutige Freizeitbeschäftigung, bei der fühlende Mitgeschöpfe aus dem Hinterhalt erschossen werden, endlich ein Ende?



Rechtsradikale Schmierereien in einem deutschen Jägerhochsitz



Rechtsradikale Schmierereien in einem deutschen Jägerhochsitz