Von Franz Alt

»Tiere haben keine Seele«, »Tiere sind Sachen«, »Der Mensch im Mittelpunkt« - so lautet das Credo einer 2000 Jahre alten Theologie in Übereinstimmung mit dem Ethos einer aufgeklärten Wissenschaft seit 300 Jahren. Daraus wurde bequemer Weise gefolgert: Tiere sind nicht schmerzempfindlich. Angler, Jäger, Metzger und Millionen von Fleischessern brauchten also kein schlechtes Gewissen zu haben. Die Folgen sind milliardenfache Tierquälerei und millionenfache Massentierhaltung.

Doch eine neue Studie an der Universität Edinburgh hat die uralte Glaubenslehre ins Wanken gebracht: Fische sind schmerzempfindlich, sie fühlen Stress, Leid und Qualen stellte das Roslin-Institut soeben fest. Experimente weisen erstmals wissenschaftlich nach, was jeder Mensch mit Augen im Kopf und einem halbwegs funktionierendem Empfinden schon immer wissen konnte: Fische haben Schmerzrezeptoren, die auf unterschiedliche Weise reagieren. Wer auch nur einmal bewusst in die Augen eines Hundes oder einer Katze, einer Maus oder eines Vogels, eines Fisches oder eines Pferdes geschaut hat, ahnte dies schon immer.

»Die Kriterien für tierische Schmerzen sind erfüllt«, sagte nun der Forschungsleiter in Edinburgh, Lynne Sneddon. Tierschutzorganisationen in ihrem Kampf für die Rechte der Tiere wurden bestätigt. Nur der britische Anglerverband NAA zeigte sich überrascht. Die Hobbytierquäler werden es aber künftig schwerer haben. Die neue Studie lässt nur diesen Schluss zu: weltweit müssen Tierquälerei und Massentierhaltung rasch beendet werden. Die Aufklärung über das Tierleid muss verstärkt werden.

Wenn wir Tiere und uns selber von der alltäglichen Tierbarbarei befreien wollen, werden wir eine Ethik entwickeln müssen, die Albert Schweitzer schon vor 100 Jahren so beschrieben hat:
»ETHIK besteht darin, dass ich die Nötigung erlebe,
allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht
entgegenzubringen wie dem eigenen.
Ethik ist ins Grenzenlose erweiterte
Verantwortung
gegenüberallem, was lebt.«

Der Sänger Reinhard Mey hat es so ausgedrückt:
»Die Würde des Schweins ist unantastbar.«

Dieser schöne Wunsch wird noch lange eine Utopie bleiben, wenn der Fleischkonsum zum Beispiel in Deutschland so bleibt wie er zur Zeit ist: Ein deutscher Mensch verspeist im Laufe seines Lebens durchschnittlich 22 Schweine, sieben Rinder, 20 Schafe, 600 Hühner sowie zusätzlich Wildtiere, Süßwasser- und Meeresfrüchte.

Haben Tiere keine Seele? Was würden wir eigentlich dazu sagen, wenn es eine höher entwickelte Spezies als Homo sapiens gäbe, die uns in engen Käfigen hielte und massenhaft abschlachten und verspeisen würde?

Haben Tiere eine Seele? Und was bedeutet das für ein neues Verhältnis Tier-Mensch? Die Art und Weise, wie wir mit Tieren umgehen, sagt viel über uns Menschen.Wird, was wir Tieren antun, auf uns Menschen zurückkommen?

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